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Stiftung in Äthiopien Ex-BVB-Star Neven Subotić erhält Bundesverdienstkreuz

Neven Subotić
Mit seiner Stiftung kümmert sich Ex-BVB-Star Neven Subotić derzeit darum, dass Menschen in Afrika mit Trinkwasser versorgt sind. Fußball interessiert ihn kaum noch.
© Dennis Ewert / RHR-FOTO / Picture Alliance
Mit dem Profifußball hat Neven Subotić gebrochen. Stattdessen widmet er sich seiner Stiftung, die Brunnen in Äthiopien baut. Für seinen Einsatz verleiht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem früheren BVB-Profi jetzt das Bundesverdienstkreuz.

Zehn Männer und elf Frauen erhalten zum Tag der Deutschen Einheit das Bundesverdienstkreuz – darunter auch Ex-BVB-Profi Neven Subotić. Die Ausgewählten würden dazu beitragen, "Lösungen für die globalen Herausforderungen unserer Zeit wie den Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Corona-Pandemie, Armutsbekämpfung, Migration und den Klimawandel zu finden", teilte das Bundespräsidialamt am Mittwoch mit. 

Die "Neven Subotić Sitfung" baut seit zehn Jahren Brunnen und Sanitäranlagen in Äthiopien, Kenia und Tansania. Knapp 500 Brunnen hätten bisher gebaut werden können, "rund 180.000 Menschen erhalten durch sie einen Zugang zu Wasser und können so eines ihrer Menschenrechte realisieren", so Subotić in. einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er wolle etwas zurückgeben und seinen Beitrag für die Gesellschaft leisten, sagt der ehemalige Star-Verteidiger. Seine Stiftung wurde 2019 bereits vom Europäischen Parlament ausgezeichnet.

Dem Profifußball hat Subotić dagegen den Rücken gekehrt.

Neven Subotić: "Fußball per se interessiert mich nicht"

Der heute 33-Jährige ist keiner, der im Nachhinein über frühere Kollegen herzieht oder über Dinge lästert, die er selbst getan und die ihm viel Geld eingebracht haben. Doch wenn der frühere BVB-Star und serbische Nationalspieler heute auf den Fußball angesprochen wird, sagt er Dinge wie: "Fußball per se interessiert mich nicht, aber ich freue mich für meine ehemaligen Kollegen." Ganze Spiele schaue er sich nicht mehr an, sagte der 33-Jährige im Juni der "Augsburger Allgemeinen", nur noch die Highlights, die Tore. Die teils surreale Welt der Fußballprofis, die lange Zeit auch seine war, sieht er inzwischen sehr kritisch. 

"Im Rückblick schäme ich mich, dass ich damals zum Teil so sinnlos gelebt habe", so Subotić im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der Verteidiger, der außer für den BVB auch für Mainz 05, den 1.FC Köln und Union Berlin in der Bundesliga spielte, veröffentliche im Sommer sein Buch "Alles geben. Warum der Weg zu einer gerechteren Welt bei uns selbst anfängt". 

Interessen seien abseits der Fußballs nicht gern gesehen

Dass aus der Fußballszene die Anregung zu einem solchen Engagement komme, sei praktisch ausgeschlossen. Im Gegenteil. Im Fußball habe er sich dafür eher rechtfertigen müssen. "Wenn ein Spieler bis in die Nacht vor seiner Playstation sitzt, dann gilt das noch immer als ziemlich normal. Wenn man sich aber mit anderen Dingen als Fußball beschäftigt, dann glauben manche, dass die Leistung darunter leidet", so Subotić zur "FAS". Viele Trainer würden es nicht gerne sehen, wenn ein Spieler auch Interessen abseits des Fußballs nachgehe.

Einzige Ausnahme: Jürgen Klopp, unter dem Subotić in Mainz und Dortmund trainierte. "Es braucht menschliche Größe, um zu verstehen, dass Fußball nicht alles ist, dass Spieler Individuen sind und jeder anders sein darf. Das klingt einfach, aber von anderen, schlechteren Trainern habe ich sehr viel Sticheleien erlebt. Das verdeutlicht noch mal die Größe von Kloppo." Der heutige Coach des FC Liverpool sei zweifelsohne der beste Fußball-Trainer der Welt. "Er zeigt und lebt echten Leadership und kombiniert dies mit einer sehr humanen Herangehensweise, ist sympathisch, empathisch und ehrlich", lobte Subotić den Coach.

Profi-Fussballer Neven Subotic: "Frieden können wir nicht verteilen, Wasser schon"

"Am Ende des Lebens geht es nicht darum, ob ich Spaß hatte"

In seiner Zeit als Fußballprofi habe er viel Geld verdient, müsse sich darüber – anders als in anderen Lebensphasen – keine Gedanken mehr machen, und habe während seiner Karriere auch viel Spaß gehabt. Aber weder habe er nachhaltige Freundschaften gefunden noch sich menschlich weiterentwickelt oder etwas geleistet, auf das er stolz sei: "Am Ende meines Lebens geht es nicht nur darum, ob ich Spaß hatte." Auch mit dem Prinzip Leistungssport kann Subotić nichts mehr anfangen: "Ich bin so angekotzt, weil vieles davon so irrelevant ist."

Nur das Prinzip, alles für ein Ziel zu geben, das Leistungssportler sehr gut kennen, hält der im Ex-Jugoslawien geborene frühere Profi weiter hoch – und hat es deshalb auch zum Titel seines Buches gemacht. Sein voller Einsatz gilt derzeit der Arbeit für seine Stiftung, mit der er in Afrika für sauberes Trinkwasser sorgt. "Frauen und Kinder sind bis zu sechs Stunden täglich unterwegs und schleppen verdrecktes Wasser. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn du jeden Tag verunreinigtes Wasser zu dir nimmst", so der ehemalige Abwehrspieler zur "Augsburger Allgemeinen". Kinder würden Wasser holen müssen, anstelle zur Schule gehen zu können. Subotić: "So wird Bildung Luxus und Wasser Pflicht."

Froh, eine andere Perspektive eröffnet bekommen zu haben

Ein Schlüsselerlebnis sei für ihn der Besuch des ersten Brunnenprojekts in Mosambik gewesen. "Im Sommer 2013 flog ich mit Bobo, meinem Freund, dorthin, um mir das Projekt anzusehen", berichtet Subotić der "FASZ". "Auf der einen Seite neben dem Brunnen standen Lehmhütten, auf der anderen Seite gab es einen kleinen Flugplatz, der vor allem von Privatjets großer Energiekonzerne genutzt wurde. Die Ungerechtigkeit dieser Welt verdichtete sich da für mich in einem Ort."

Das Leben eines Fußballprofis, in der sich die Frage nicht mehr stellt, ob man all den Luxus, den man sich ohne weiteres leisten kann, wirklich braucht, hat Neven Subotić hinter sich gelassen. "Ich bin froh, dass ich Menschen um mich herum hatte, die mir eine andere Perspektive auf die Dinge eröffnet haben."

Quellen: "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (Bezahlinhalt); "Augsburger Allgemeine"; "Neue Osnabrücker Zeitung" (Bezahlinhalt); Nachrichtenagentur DPA; bundespraesident.de

dho / yks

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