Ministerin mit Jubiläum
Doris Ahnen: Dienstälteste Ministerin in Deutschland

Doris Ahnen ist die dienstälteste Ministerin in Deutschland. (Archivbild) Foto: Julia Cebella/dpa
Doris Ahnen ist die dienstälteste Ministerin in Deutschland. (Archivbild) Foto
© Julia Cebella/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Sie stellt seit vielen Jahren die Haushalte für Rheinland-Pfalz auf und kümmert sich jetzt auch um Staatsmodernisierung. Die Regierungserfahrung von Doris Ahnen (SPD) ist einzigartig in Deutschland.

Die Sozialdemokratin Doris Ahnen ist die dienstälteste Ministerin in Deutschland - seit 25 Jahren ist sie im Amt. Von ihren männlichen Kollegen hat nur ihr Parteifreund Till Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern noch längere Ministererfahrung. Er fing 1998 im Landwirtschaftsressort an. 

Die gebürtige Triererin Ahnen war zunächst Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung in Rheinland-Pfalz, seit 2014 ist sie für Finanzen zuständig. Das in den Koalitionsverhandlungen umkämpfte Haus leitet sie jetzt voraussichtlich noch einmal fünf Jahre - und bekommt Staatsmodernisierung und Digitalisierung dazu. 

Zählt man Ahnens Zeit als Bildungs- und Wissenschafts-Staatssekretärin mit, arbeitet die 61-Jährige schon seit 30 Jahren in der Landesregierung in Mainz. Gordon Schnieder ist ihr vierter Ministerpräsident - nach Kurt Beck, Malu Dreyer und Alexander Schweitzer - und der erste von der CDU.

Über die Bildungspolitik kam Ahnen zur SPD 

Über die Bildungspolitik kam Ahnen zur SPD, wie sie im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagt. "Ich war Asta-Vorsitzende in Mainz und habe später in der Uni-Verwaltung gearbeitet." Nach ihrem Studium - Politik, öffentliches Recht und Pädagogik - arbeitete sie als persönliche Referentin des damaligen Universitäts-Präsidenten Jürgen Zöllner. Nach der Berufung des Sozialdemokraten zum Wissenschaftsminister 1991 wurde sie zunächst seine Büroleiterin. 

Die Landeshaushalte stellt Ahnen seit 2014 auf und hat daran bis heute Freude. "Mit der Aufgabe betraut zu sein, die finanziellen Anforderungen und Vorstellungen zusammenzubringen, das ist jedes Mal herausfordernd." Auch im Bund hat sie schon einige Male über Finanzen mitverhandelt und wird von anderen vor allem als harte Arbeiterin und lösungsorientiert beschrieben. Sie ist auch die Koordinatorin der sogenannten A-Bundesländer, also der SPD-geführten Länder, in Finanzfragen.

Mit gewissen Ritualen des Politikbetriebs fremdelt sie bis heute 

"Mit gewissen Ritualen des Politikbetriebs wie Nachtsitzungen fremdle ich bis heute", sagt die erfahrene Politikerin. "Ich finde, das braucht es nicht - außer in Ausnahmesituationen, wenn in der Nacht etwas geregelt werden muss." 

Sie habe anfangs im Finanzministerium "durchaus Manschetten gehabt", erinnert sich Ahnen. Aber sie habe voll auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem Haus bauen können. "Es arbeiten wirklich gute Leute in den Ministerien. Sie können gut erklären, unterstützten beim Wechsel an der Spitze und wissen genau, bis wohin sie selbst entscheiden können."

Sie freue sich daher darauf, jetzt auch noch für Staatsmodernisierung und Digitalisierung zuständig sein zu dürfen. "Ich muss kein Digital-Nerd werden", sagt Ahnen lachend. "Aber das passt ideal zusammen." Und: "Wir haben in diesen Bereichen in Deutschland sicherlich Aufholbedarf und wollen hier besser werden." 

Parität erreicht - ein "Glücksmoment"

Ein "Glücksmoment" sei es für sie gewesen, als es gelungen sei, die sechs Abteilungsleiterstellen in ihrem Haus paritätisch mit Frauen und Männern zu besetzen. Frauenpolitik liegt ihr am Herzen. "Ich glaube, dass Frauen sehr gute Haushaltspolitikerinnen sein können." Von den 16 Länder-Finanzministern seien aktuell nur 3 Frauen. 

Mit Blick auf die Haushaltsaufstellungen in vielen Jahren sagt Ahnen: "Aktuell sind wir in einer sehr schwierigen Situation. Es ist absehbar, dass die Steuern deutlich geringer steigen als in der Vergangenheit. Es sind anspruchsvolle Zeiten für den Haushalt." 

Ohne Hilfe des Bundes geht es für die Kommunen nicht

Die Einnahmenzuwächse seien bis etwa 2020 einfach höher gewesen. Die Abstände der Krisen seien seither immer kürzer geworden. Die Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und jetzt der Irankrieg hätten massive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und damit auf die Steuereinnahmen. 

Die Lage der Kommunen in ganz Deutschland sei schwierig. "Auch Länder wie Bayern und Baden-Württemberg sind davon betroffen", betont Ahnen. "Der Bund muss sich bewegen, das kann kein Land mehr allein stemmen." 

"Ein gutes inneres Gerüst, an dem man die Dinge im Alltag ausrichten kann", das sei ihr immer wichtig gewesen, sagt Ahnen über ihre jahrzehntelange Arbeit. "Das hat mir die SPD immer mitgegeben." Sie ist seit 2004 stellvertretende Vorsitzende der Landes-SPD. Dazu gehöre auch der Einsatz für Demokratie. "Vor zehn Jahren hätten wir gesagt, wir wollen die Demokratie stärken und feiern - heute müssen wir sie verteidigen."

dpa