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Kampf gegen das Coronavirus "Es wird langsam gefährlich": Mehrere deutsche Metropolen werden zu Corona-Hotspots

Sehen Sie im Video: Corona-Sperrstunde in Berlin-Mitte: Wie sehen das die Jugendlichen?


Sperrstunde in Berlin bedeutet, sich am Wochenende auch mal zurückzunehmen. Am Rosenthaler Platz, einer beliebten Ausgehmeile im Bezirk Mitte, sah es am frühen Freitagabend noch so aus wie immer. Am Späti auf ein Bier oder im Restaurant etwas Essen, gehören zu den normalen Aktivitäten der Berliner. Doch hier wurde auch zu oft gegen die Regeln verstoßen. Gerade für Jugendliche, die derzeit die Schulferien genießen, ist die Sperrstunde in einer Stadt wie Berlin eine große Einschränkung. Ab 23 Uhr darf kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden. Auch die Anzahl der Personen, die nach 23 Uhr noch gemeinsam unterwegs sein dürfen, wurde auf maximal fünf festgelegt. Partys verboten! Wie finden das die jungen Menschen? "Für uns Jugendliche ist es auf jeden Fall eine Umstellung, weil es einfach so ist, dass man halt immer mit mehr als fünf Leuten unterwegs ist und man ist halt immer zwischen 23 und 6 Uhr unterwegs. Es ist auf jeden Fall ein bisschen hart, muss ich ganz ehrlich sagen, vor allem, weil auch kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird." "Es ist auf jeden Fall richtig und auch wichtig, denke ich, weil sonst zieht sich das ja auch wirklich ewig, und wir wollen ja alle, dass es schnell vorbei ist." "Also ich wollte hier heute eigentlich meinen 20. Geburtstag feiern und ich war wirklich motiviert. Und das mit der Sperrstunde ist jetzt halt wirklich schade, dass man halt echt nicht so frei leben kann und halt endlich mal wieder die Sau rauslassen kann. Also es geht mir schon echt...ja." "Aber es ist, finde ich, ja nicht unbegründet, vor allem hier am Rosenthaler Platz hat es sich ja oft zeigen können, dass vor allem die jugendlicheren Leute öfter mal auf die Regeln nicht drauf achten." Mehrere Landes- und Bundespolitiker haben bereits Partys und die jüngere Bevölkerungsgruppe zwischen 20 und 40 für die rasant ansteigenden Infektionszahlen in Berlin verantwortlich gemacht. Für diese gilt es nun, sich an die Regeln zu halten, damit Berlin bestenfalls wieder zu einem risikofreien Gebiet wird.
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In Deutschland steigt die Zahl der Menschen drastisch an, die sich neu mit dem Coronavirus infizieren – in den vergangenen Tagen wurden mehrere Corona-Hotspots gemeldet, vor allem in großen Städten wächst die Zahl der Infizierten. Die großen Fragen lauten: Haben wir die Lage noch unter Kontrolle? Und wie können wir die Pandemie am effektivsten bekämpfen? Müssen wir die Einschränkungen im öffentlichen Leben verschärfen?

Markus Söder setzt auf Masken und fordert härtere Strafen

Bayerns Ministerpräsident preschte in dieser Debatte am Wochenende vor: Markus Söder macht sich für bundesweit schärfere Strafen bei Verstößen gegen die Maskenpflicht stark. In mehreren Interviews forderte der CSU-Chef für solche Verstöße bundeseinheitliche Bußgelder von 250 Euro. In Bayern gilt dieser Regelsatz bereits.

Seine Besorgnis wird von Meldungen über immer neue Hotspots in großen Städten in Deutschland untermauert: Am Samstag meldeten Köln und Stuttgart die Überschreitung der wichtigen Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Auch Berlin, Frankfurt, Bremen und Essen liegen über dieser Schwelle. In Niedersachsen steig die Zahl der Regionen, die den kritischen Grenzwert überschritten, am Sonntag auf sechs. Betroffen waren die Kreise Grafschaft Bentheim, Emsland, Cloppenburg, Vechta, Wesermarsch und die kreisfreie Stadt Delmenhorst.

Zahlen am Sonntag geringer - Daten vermutlich aber nicht akkurat

Deutschlandweit meldeten die Gesundheitsämter binnen eines Tages nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Sonntag 3483 neue Corona-Infektionen. Von Mittwoch auf Donnerstag war der Wert von 2828 auf 4058 erheblich gestiegen, von Donnerstag zum Freitag lag die Zahl bei 4516. Am Samstagmorgen waren es 4721 neue Fälle. An Sonntagen sind die erfassten Fallzahlen erfahrungsgemäß meist niedriger, also falsch, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI melden.

Polizisten kontrollieren in einer Kiez-Kneipe am Hans-Albers-Platz in Hamburg
Polizisten kontrollieren in einer Kiez-Kneipe am Hans-Albers-Platz in Hamburg die Einhaltung der Corona-Vorgaben in der Gastronomie

Am Freitag hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Oberbürgermeistern der elf größten deutschen Städte über die Lage beraten. An der Entwicklung in den Ballungsräumen zeige sich, "ob wir die Pandemie in Deutschland unter Kontrolle halten können oder ob uns die Kontrolle entgleitet", hatte Merkel betont. Der vereinbarte Maßnahmenkatalog sieht unter anderem die Entsendung von Experten des RKI und der Bundeswehr vor, wenn die Schwelle von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten wird. Ab 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner soll es neue Beschränkungen geben.

Mehrere Ministerpräsidenten riefen die Bürger zu Achtsamkeit auf. "Es wird langsam gefährlich", sagte Bayerns Regierungschef Söder der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Corona sei genauso gefährlich wie im Frühjahr. "Wir haben fünf vor zwölf. Man darf sich die Lage nicht länger schönreden", warnte er in der "Bild am Sonntag". Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann mahnte in der "Bild am Sonntag": "Ich erwarte von den Bürgern, dass sie aus Verantwortungsbewusstsein nicht mehr alles machen, was sie noch dürfen". Der Grünen-Politiker fügte hinzu: "Man muss gerade keine Party bei sich zu Hause oder in der Gaststätte feiern."

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer appellierte in der "Welt am Sonntag" ebenfalls an die junge Generation: "Jetzt sind nicht volle Partys gefragt, sondern Vorsichtsmaßnahmen - und Kontrolle." Der CDU-Politiker verteidigte schärfere Regeln. "Wir brauchen jetzt gewisse Instrumente, um der Lage Herr zu werden. Wir wollen unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben weitgehend erhalten."

Sperrstunden und Alkohol-Beschränkungen

In Stuttgart meldete das Landesgesundheitsamt am Samstagabend 50,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Die Stadt bereitet Einschnitte wie die Einführung einer Sperrstunde, Alkoholkonsum-Beschränkungen und die Maskenpflicht innerhalb des City-Rings vor.

Für Köln hatte das NRW-Landeszentrum Gesundheit die 7-Tage-Inzidenz am Samstag mit 54,8 angegeben. Dort gelten bereits seit Samstag Einschränkungen für das öffentliche Leben. Auf Straßen und Plätzen darf abends ab 22 Uhr kein Alkohol mehr konsumiert werden. An Wochenenden gilt an Party-Hotspots ein Verkaufsverbot für Alkohol. Auch dürfen sich nur noch bis zu fünf Personen aus verschiedenen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen. In Fußgängerzonen müssen die Menschen Masken tragen.

In Berlin wurden pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen 58,2 Corona-Fälle erfasst, wie am Samstag aus dem Corona-Lagebericht der Gesundheitsverwaltung hervorging. Am Donnerstag hatte die Hauptstadt den Warnwert erstmals übersprungen. Seit Samstag müssen hier Restaurants, Bars, Kneipen und die meisten Geschäfte von 23 bis 6 Uhr geschlossen sein. Bei privaten Zusammenkünften in geschlossenen Räumen dürfen nur noch höchstens zehn Menschen zusammenkommen. Im Freien dürfen sich von 23 Uhr bis 6 Uhr nur noch fünf Personen versammeln. 

Auch in Hamburg gibt es viele Neuinfektionen, mit 38,8 Ansteckungen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche lag die Hansestadt am Samstag aber noch unter der 50er-Schwelle. Um die Ausbreitung des Virus abzubremsen, soll aber ab Montag eine verschärfte Maskenpflicht gelten. In öffentlichen Gebäuden und in Gastronomiebetrieben müsse dann grundsätzlich ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, sagte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Samstag. Auf öffentlichen Plätzen mit starkem Gedränge sowie auf Demonstrationen und Großveranstaltungen werde ebenfalls eine Maskenpflicht gelten.

Auch die Stadt Essen überschritt die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen. Das nordrhein-westfälische Landeszentrum Gesundheit gab den Wert für die knapp 600.000 Einwohner große Ruhrgebietsstadt am Sonntag mit 57,3 an. In Essen gelten nun unter anderem strenge Grenzen für Partys. Allein in Nordrhein-Westfalen lagen am Sonntag insgesamt neun Kreise und kreisfreie Städte über der wichtigen Corona-Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

anb DPA

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