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Tödliche Viruskrankheit Ebola-Infektionen in Uganda steigen – Ausbruch aber "nicht außer Kontrolle"

Mitarbeiter des ugandischen Roten Kreuzes tragen einen Sarg mit einem Ebola-Opfer während einer Beerdigung
Mitarbeiter des ugandischen Roten Kreuzes tragen einen Sarg mit einem Ebola-Opfer während einer Beerdigung
© Luke Dray / Getty Images
Ein Ausbruch des Ebola-Virus im afrikanischen Uganda beschäftigt das dortige Gesundheitswesen. Trotz eines Anstieges an Infektionen mit dem tödlichen Virus, geben Experten leichte Entwarnung. Mediziner fordern hingegen einen Lockdown der Hauptstadt.

Das tödliche Ebola-Virus grassiert wieder, aktuell im ostafrikanischen Uganda. Dort sind mittlerweile mindestens 109 Menschen infiziert, mindestens 30 Menschen sind an den Folgen der Infektion gestorben, wie Gesundheitsministerin Jane Ruth Aceng am Mittwoch laut Nachrichtenagentur Reuters mitteilte.

Fünfzehn der bestätigten Fälle betrafen Gesundheitspersonal, von denen sechs gestorben waren, sagte sie auf einer Pressekonferenz. Aceng sagte, fünf Behandlungszentren seien in Betrieb und ein sechstes werde eingerichtet.

Besonders die Hauptstadt Kampala ist betroffen. Am Montag berichtete die Nachrichtenagentur AP von einer "besorgniserregenden Zunahme von Ebola-Fällen".

Bisher kein zugelassener Impfstoff gegen Ebola-Stamm

Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei dem zirkulierenden Ebola-Virus um den sudanesischen Stamm handelt, für den es keinen zugelassenen Impfstoff gibt – im Gegensatz zu dem häufigeren Zaire-Stamm, der bei den jüngsten Ausbrüchen in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo festgestellt wurde.

Befürchtungen, dass sich Ebola weiter vom Epizentrum des Ausbruchs ausbreiten könnte, zwangen die Behörden, in zwei der fünf Bezirke, in denen Fälle gemeldet wurden, einen Lockdown zu verhängen, einschließlich nächtlicher Ausgangssperren. Die Maßnahmen wurden ergriffen, nachdem ein mit Ebola infizierter Mann in Kampala behandelt wurde und dort in einem Krankenhaus starb, wie AP berichtet.

Medizinerinnen und Mediziner fordern unterdessen auch einen Lockdown für Kampala. Die Uganda Medical Association hat empfohlen, dass strenge Maßnahmen, einschließlich eines Lockdowns, für Kampala in Betracht gezogen werden sollten, um einen sprunghaften Anstieg der Ebola-Fälle im Land zu vermeiden, wie die ugandischen Zeitungen "Red Pepper" und "The Independent" berichten.

Forderungen nach Lockdown in Ugandas Hauptstadt

Der Präsident der Uganda Medical Association, Dr. Samuel Oledo, äußerte in einem Radio-Interview, dass die Regierung auf einer Zeitbombe sitze und warnte, dass das Schlimmste noch bevorstehe, wenn in kürzester Zeit nichts unternommen werde, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Die Regierung möchte diesen Schritt nach einem Bericht der örtlichen Zeitung "Monitor" aber nicht gehen. Informationsminister Chris Baryomunsi sagte demnach, dass man nicht die Absicht habe, in Kampala einen Lockdown zu verhängen.

Afrikas oberste öffentliche Gesundheitsbehörde sagte am Donnerstag, dass der Ebola-Ausbruch in Uganda "nicht außer Kontrolle gerät" – trotz einer Zunahme der Fälle. "Der Ebola-Ausbruch in Uganda gerät nicht außer Kontrolle … er ist immer noch unter Kontrolle", sagte Ahmed Ogwell Ouma, amtierender Direktor der Africa Centers for Disease Control and Prevention, bei einem Online-Briefing.

Tödliche Viruskrankheit: Ebola-Infektionen in Uganda steigen – Ausbruch aber "nicht außer Kontrolle"

"Wir kommen dem Einsatz von Impfstoffen immer näher"

Besorgter zeigte sich Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, am Mittwoch in einer Reihe von Tweets. "Die Ebola-Bekämpfung in städtischen Gebieten kann komplex sein und erfordert koordinierte und nachhaltige Anstrengungen, um die Übertragung zu unterbrechen."

Wegen finanzieller Engpässe kann das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) eigenen Angaben zufolge zudem nicht ausreichend helfen. Das UNHCR sei nicht in der Lage, genügend Seife und Hygieneartikel zu beschaffen, um die tödliche Krankheit zu bekämpfen, teilte die Organisation am Montag mit.

Ein experimenteller Impfstoff soll demnächst in Uganda eingesetzt werden, um die Ausbrüche zu bekämpfen, berichtet AP. Möglicherweise könnten Hunderttausende von Versuchsimpfdosen eingesetzt werden, sagte Dr. Yonas Tegegn Woldemariam, der WHO-Vertreter in Uganda, der AP.

"Wir kommen dem Einsatz von Impfstoffen immer näher", sagte er. "Das ist eine Studie. Dies ist nur ein weiteres Tool, das wir ausprobieren werden." Impfstoffe, die vom in den USA ansässigen Sabin Vaccine Institute und der Oxford University entwickelt wurden, "sind bereit für den Versand" nach Uganda, das die Protokolle für die Studie fertigstellt, bevor die National Drug Authority Importgenehmigungen erteilt, sagte er.

Uganda hatte mehrere Ebola-Ausbrüche

Ebola wird durch direkten körperlichen Kontakt übertragen und führt häufig zu hohem Fieber und inneren Blutungen. Uganda meldete am 20. September einen Ausbruch von Ebola, einige Tage nachdem sich die ansteckende Krankheit in einer ländlichen Bauerngemeinde auszubreiten begann.

Uganda hatte mehrere Ebola-Ausbrüche, darunter einen im Jahr 2000, bei dem mehr als 200 Menschen ums Leben kamen. Von 2014 bis 2016 hatte es den bisher größten erfassten Ausbruch der Virusinfektion in Westafrika mit mehr als 11.000 Toten gegeben, die bisher höchste Zahl an Todesopfern durch die Krankheit.

Quellen: Nachrichtenagenturen Reuters, AP, DPA; "Red Pepper", "The Independent", "Monitor"

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