HOME

Stern Logo Medienkolumne

Medienkolumne: Autoren setzen sich gegen Google zur Wehr

Google will die Bücher der Welt einscannen und diese dann den Nutzern zur Verfügung stellen. Eine gigantische Bibliothek in den Verwertungshänden eines börsennotierten Konzerns - das hat es noch nie gegeben. Erst in letzter Minute regt sich Widerstand seitens der Autoren. Mit gutem Grund.

Von Bernd Gäbler

Vor einem New Yorker Gericht wird derzeit nichts Geringeres als das Recht auf geistiges Eigentum von Millionen von Autoren verhandelt. Es geht um das "Google Book Settlement", einen Vergleich zwischen dem Internetkonzern und den amerikanischen Autoren. Bislang hat Google ohne Einwilligung der Rechteinhaber rund sieben Millionen Bücher aus amerikanischen Bibliotheken digitalisiert und auf seiner Buchsuche veröffentlicht. Dagegen haben amerikanische Autoren und Verleger im Jahr 2005 eine Sammelklage wegen Urheberrechtsverletzung angestrengt. Diese Klage wurde im vergangenen Oktober mit einem Vergleich beantwortet, dem "Google Books Settlement". Das Gericht hat nun darüber zu entscheiden, ob der Vergleich angemessen ist.

Pikant ist daran: Dieser Vergleich würde auch für deutsche Autoren und Verleger gelten, soweit es um urheberrechtlich geschützte Nutzungen ihrer Bücher in den Vereinigten Staaten geht - auch ohne dass diese Autoren explizit eingewilligt haben. Wer aus dem Vergleich aussteigen will, muss dies bis zum 4. September 2009 auf der Website www.googlebooksettlement.com tun, sonst fällt er automatisch unter die zwischen dem amerikanischem Autorenverband und Google ausgehandelte Vereinbarung. Doch selbst wenn ein Autor aus diesem Vergleich austritt, führt das nicht dazu, dass sein Buch aus dem Netz genommen wird. Um das zu erreichen, müsste er Google zivilrechtlich verklagen - und das kann in den USA ein teures Vergnügen werden.

60 Dollar für jeden Autor

Google unterscheidet zwischen Büchern mit Copyright, die noch zu kaufen sind; vergriffenen Büchern mit Copyright und "gemeinfreien" Büchern. Es sei eine großer Gewinn für die Menschheit, sie alle überhaupt wieder zugänglich zu machen. Jetzt geht es um eine Art "Generalvertrag", das "Google Book Settlement": Einmalig 60 Dollar soll ein Autor erhalten, daneben sollen Autoren und Verlage mit 63 Prozent an den weiteren Einnahmen beteiligt werden. Individuell und zeitlich eng befristet können Autoren Einwände erheben. Dennoch sehen viele Autoren, Verleger, der Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, amerikanische Bibliotheksverbände und nicht-kommerzielle Internet-Archive im Großprojekt von Google nicht weniger als ein gigantisches Schmarotzertum an den kreativen Leistungen anderer.

Die Dimension, um die es in der so harmlos als "Streit um Urheberrechte" daher kommenden Auseinandersetzung geht, haben viele Autoren, Kulturschaffende, Intellektuelle erst kurz vor der Ziellinie erkannt. Anfangs regte sich kaum Widerstand, jetzt gibt es zumindest Unruhe und Appelle. Immerhin sind es schon knapp 1700 Autoren und Wissenschaftler, die um ihre Urheberrechte kämpfen. Die nicht hinnehmen wollen, dass Google sie erpresst und dies im sogenannten "Heidelberger Appell" bekräftigen. Initiiert hat den Aufruf der Heidelberger Germanistikprofessor Roland Reuß, zu den Unterzeichnern gehören prominente Literaten wie Siegfried Lenz, Hans Magnus Enzensberger, Daniel Kehlmann und Julia Franck. Auf den "Brandbrief" haben Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel bisher noch nicht reagiert. Dafür unterstützen Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) und Kultur-Staatsminister Bernd Neumann (CDU) den "Heidelberger Appell". Für weitere Klarheit - und sei es nur zur Formierung der kontroversen Fronten - wäre ein Aufschub der Entscheidung fast schon ein Teilerfolg.

Was hat Google vor?

Google, soeben wieder von den Marktforschern der Firma Millward Brown zur wertvollsten Marke der Welt erklärt, hat Großes vor oder besser gesagt: hat längst begonnen, dieses Große zu tun. Seit 2004 nämlich ist Google dabei, in großem Stil Bücher zu digitalisieren, um sie via Internet der Welt zur Verfügung zu stellen. Wie weit die Firma, die als ihr hehres Ziel nichts geringeres ausgibt, als das Weltwissen für jeden zur Verfügung zu stellen, dabei mittlerweile fortgeschritten ist, weiß niemand. Am Ende aber sollen es mehr als 25 Millionen Bände sein, die Google in seine eigene Bibliothek digital überführt haben wird. Rund die Hälfte davon stammt aus nicht-anglo-amerikanischer Feder.

200 bis 300 Jahre haben die Firmengründer Larry Page und Sergey Brin für dieses Mammutprojekt veranschlagt. Keiner kann vorhersagen, wie die Internet-User (momentan sind es 1,4 Milliarden) dann lesen werden, auf welchen Endgeräten, gegen welche Gebühr. Unklar ist auch, was die Autoren davon haben werden, wie sich die Existenzbedingungen der Verlage verändern werden, ob es am Ende überhaupt noch einen Buchhandel geben wird, welche Rolle der kreativen Leistung am Ursprung gegenüber der anschließenden Kette der Verwertung noch zukommen wird. Klar ist nur: Google hat die Nase vorn. Google verändert die bisherige Welt der geistigen Produktion und Zirkulation - und Google schafft Fakten.

Keine Ahnung vom Internet?

Dagegen protestieren unsere Kreativen nun also. Was aber werfen die Avantgardisten der Internet-Szene den Unterschreibern und Heidelberger Appellierenden nun vor? Keine Ahnung vom Internet hätten sie, erst recht nicht von dessen "neuer Ökonomie"; sie wollten nur ihre alten Privilegien zementieren, sich weiter verschanzen in den Burgen und Festungen der alten Medien, um elitär dem Bildungsansturm der Massen zu trotzen. Bestenfalls sei ihr Widerstand noch antiquierte Maschinenstürmerei.

In Seminaren habe auch ich schon Studenten erlebt, die jubilierten: Toll, endlich könne man dann auch Bücher kostenlos downloaden. Sie sind es gewohnt, für die Musik auf ihren MP3-Playern keinen Cent auszugeben, blättern aber für ein Live-Konzert von Robbie Williams auch schon mal ungerührt 110 Euro hin. Vielleicht ist das ja auch eine Perspektive für unsere Lesekultur: kostenloses Download aufs "Kindle", aber horrende Preise für eine Daniel-Kehlmann-Lesung live aus der Schalke Arena!

Blogger für Google?

Bessere Fürsprecher als jene, die den minimalen Widerstand zur Sicherung elementarer Urheberrechte nun als einen Kulturkampf gegen die neuen Medien interpretieren, kann sich Google nicht wünschen. "Don't be evil" ist das Motto des doch so anderen Betriebs; nur die Besten werden angestellt; die größte Solaranlage der USA steht im "Googleplex" in Mountain View. Können diese innovativen Engel etwa Teuflisches vorhaben? Google ist unglaublich nützlich. Deshalb ist Google so gut, so global und so erfolgreich. Aber unglaublich naiv ist, wer in Google vor allem einen Vollstrecker der technischen Sachlogik moderner Kommunikation sieht. Selbst wenn es stimmt, dass Profite nur die Folge, nie der Antrieb waren für Google-Erfindungen, ist Google keine gemeinnützige, offene Bibliothek.

Es ist auch nicht so, dass die auf Urheberrechte Pochenden nicht begreifen würden, dass das Internet eine gigantische Kopiermaschine ist. Sie wollen sie ja auch gar nicht zerstören oder etwa technische Verbote verlangen. Nein, sie wollen lediglich, dass die Marktführer nicht nach dem Westerngesetz der Stärke mit der vorgehaltenen Waffe eines „Generalvertrags“ und Verweis auf den Nutzen über ihre Köpfe hinweg über die Produkte ihrer Arbeit verfügen. Das ist doch wohl so legitim wie der Aufstand der Produzierenden gegen Sklavenarbeit und für das Tarifrecht. Das ist mehr als ein simpler Verteilungskampf. Das Anliegen der "Heidelberger" ist auch nicht struktur-konservativ, denn es geht darum, dass mit Inhalten nicht willkürlich umgesprungen wird, dass sie nicht beschädigt werden. Es geht um die materielle und kulturelle Verantwortung der Verwerter.

"Heidelberger Appell" versus Google - da steht einer der großen Zukunftskämpfe fast wie in einem Modell vor unseren Augen. Er hat mehr Aufmerksamkeit verdient als bisher und am Ende besseres als einen faulen Kompromiss.

Anm. d. Red.: Den von dem Nutzer Bigelow entdeckten Fehler haben wir korrigiert, vielen Dank für den Hinweis!

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(