HOME

"Der große Rudolph": Was der TV-Film über Rudolph Moshammer ausblendet

Wer war Rudolph Moshammer? Der TV-Film "Der große Rudolph" erzählt aus dem Leben des Modeschöpfers - lässt jedoch wichtige Teile aus.

Rudolph Moshammer (Thomas Schmauser) und seine Mutter Else (Hannelore Elsner) posieren mit Hund "Daisy"

Rudolph Moshammer (Thomas Schmauser) und seine Mutter Else (Hannelore Elsner) posieren mit Hund "Daisy"

Bei einem Film über den Münchner Modedesigner Rudolph Moshammer (1940-2005) hätte man vor allem Geschichten aus seinem Leben als schillernde Kultfigur im Show-Biz erwartet - oder über seinen tragischen Tod. Doch die TV-Gesellschaftssatire "Der große Rudolph" von Regisseur und Drehbuchautor Alexander Adolph (52) erzählte etwas ganz anderes.

Wer war Rudolph Moshammer?

Rudolph Moshammer kam 1940 in München zur Welt. Er wuchs vor allem bei seiner Mutter (1908-1993) auf, sein Vater war später obdachlos. Der junge Moshammer machte eine Ausbildung zum Verkäufer und arbeitete im Mode-Einzelhandel. 1968 eröffnete er mit Hilfe von Finanziers seine Boutique "Carnaval de Venise" an der Münchner Maximilianstraße. Bis Mitte der 1990er Jahre konzentrierte er sich darauf - die Boutique wurde erst kurz nach seinem Tod geschlossen.

Mitte der 1990er Jahre begann dann auch seine zweite Karriere als Show-Star, die ihn unter anderem zu seinem viel belächelten Auftritt mit der Band Münchner Zwietracht und dem Titel "Teilt Freud und Leid" beim Vorentscheid für den Schlager-Grand-Prix (Eurovision Song Contest) im Jahr 2001 führte. Moshammer war auch in einigen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen: "Tatort: Im Herzen Eiszeit" (1995), "666 - Traue keinem, mit dem du schläfst!" (2002) oder "Unter uns" (2005).

Bekannt war er aber auch für sein soziales Engagement. Seine im Jahr 2000 gegründete Stiftung wurde nach seinem Tod in "Rudolph Moshammer Verein Licht für Obdachlose e.V." umbenannt.

Moshammers tragisches Ende

Rudolph Moshammer wurde Anfang 2005 in seinem Haus im Münchner Vorort Grünwald von einem Mann getötet, den er wenige Stunden vorher am Münchner Hauptbahnhof kennengelernt hatte. Laut dem geständigen Täter war es zwischen den beiden wegen der Bezahlung für sexuelle Dienstleistungen zum Streit gekommen, woraufhin er ihn erdrosselte.

Im TV-Film spielte das allerdings keine Rolle. "Der große Rudolph" erzählte von Moshammers Anfangszeit als Modeschöpfer in München und endete, als sein öffentliches Leben in den Medien beginnt. Erfuhr man etwas Neues über ihn? Die meisten vermutlich schon, denn viele kannten ihn nur als Show-Figur. Doch den Mode-Experten mit dem feinsinnigen psychologischen Gespür, der anderen half, sich besser zu fühlen, den kannten nur die Kunden seines Modegeschäfts.

Darum ging's im Film

Im München der 1980er Jahre ist Rudolph Moshammer (Thomas Schmauser) der prominenteste Modemacher. Das reicht aber seinen stillen Teilhabern und Finanziers nicht mehr aus. Sie wollen, dass der Laden in der Maximilianstraße auch den Hoch- und Geldadel, die Reichsten der Reichen als Kunden gewinnt. Deshalb sucht Rudolph Moshammer - zum Entsetzen seiner Mutter Else (Hannelore Elsner) - für den Verkauf eine junge, verführerische Frau.

Er findet die auf den ersten Blick nicht besonders auffallende und ungeschickte Evi (Lena Urzendowsky), eine junge Fußpflegerin aus Augsburg. Aus ihr, so erklärt Moshammer, werde er eine aufregende Frau machen. Und tatsächlich: Mit Evis Hilfe gewinnt er die Herzen und Geldbörsen der wahrhaft Reichen - wäre da nicht seine Mutter, die im Hintergrund Intrigen schmiedet...

Brillanter Cast

Ziemlich lustig war das alles anzusehen. Die deftigen und gewitzten Dialoge und Pointen von Drehbuchautor und Regisseur Alexander Adolph (52) zündeten auch dank des hervorragenden Casts so brillant.

Sunnyi Melles (59, "Safari - Match Me If You Can") als Society-Lady, Robert Stadlober (36, "Das Boot") sogar in einer Doppelrolle und Münchens Shooting-Star Lara Mandoki (29, "Kinderüberraschung") überzeugten in den Nebenrollen auf ganzer Linie. Die blutjunge Berliner Schauspielerin Lena Urzendowsky (18) war der perfekte Lehrling Evi und Hannelore Elsner (76) konnte als besitzergreifende und herrschsüchtige Mutter Else Moshammer ebenfalls nicht besser besetzt sein.

... und zwei Cast-Überraschungen

Apropos Cast: Es gab auch zwei echte Überraschungen im Film, denn der Moshammer-Chauffeur Herr Fröschl wurde gespielt von Pavel Travnicek (67), den die meisten als schönen Prinz im Kult-Märchenfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (1973) kennen.

Die andere große Überraschung war Tocotronic-Frontman Dirk von Lowtzow (47). Am Schluss des Films war er zwar nur mit Perücke zu sehen, echte Fans dürften ihn und seine Stimme bei den beiden Stücken "Safety Dance" und "Sunshine Reggae" aber trotzdem erkannt haben.

SpotOnNews