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TV-Kritik

"Let's dance": Über Kostüme aus der Hölle und einen transsilvanischen Sensationstanz - so war Folge sieben

Bei "Let's dance" versuchten sich die Promis in dieser Woche an TV-Klassikern. Ergebnis: ein transsilvanischer Sensationstanz und jede Menge Kostüme aus der Hölle. Ach ja, das Duell Frankreich gegen Italien gab's dann auch noch.

Von Marie von den Benken

Die prominenten Kandidaten von "Let's Dance" bei RTL stehen in Rottönen gekleidet auf einem Gruppenbild zusammen

Deutschland liebt seine Stars und vergibt gerne Preise an sie. Gestern beim About You Award in München ging es um Influencer, der neuen Kategorie von Superstars. Heute Abend schon wieder um die Dancing-Star-Kandidaten auf dem Kölner Tanz-Boulevard. Und dabei gibt es sogar die eine oder andere Überschneidung. Der "Beste Warm-Upper der Welt" (O-Ton Daniel Hartwich) beispielsweise wurde extra aus Ossendorf nach Geiselgasteig entliehen, wo er die "Let's Dance"-Gags zum Warmmachen der Zuschauer zweitverwerten und mal an einem Publikum ausprobieren konnte, das im Altersdurchschnitt etwa 30 Jahre unter dem herkömmlichen Tanzshow-Publikum liegt. Gut, vielleicht gibt es auch nur diesen einen. In der Warm-Up-Szene kenne ich mich nicht so aus. Vor allem, weil ich Warm-Up lange für das schamlose recyceln fremder Witze und daher Oliver Pocher für den König dieser Zunft gehalten hatte.

RTL - Let's dance - Tanzshow

Ingolf Lück und "Let's dance"-Partnerin Ekaterina Leonova fahren für ihren Auftritt 18 Punkte ein


Ossendorf oder München, egal – Hauptsache Norddeutschland. Hin und wieder rutscht ihm auf der Bühne in München dann sogar ein "Hallo Köln" raus. Aber das ist selbst großen Rockstars schon passiert. Und Influencer sind ja selber so viel in der Welt unterwegs, da fiel das gar nicht so ins Gewicht, einige berichteten ihren Milliarden von Followern sogar verzückt in ihren Insta-Stories "Hey ihr Süßen, voll schön hier in Köln und dieser Typ, der aussieht wie Andreas Türck, ist echt supi witzig!"

Bondage-Jorge und Baywatch-Tänze

Irgendwann geht die Show dann aber zum Glück richtig los. Das Motto lautet "TV-Klassiker". Um sofort klar zu machen, was das bedeutet, beginnt der Abend direkt mit einem Ensemble-Tanz zu "I'll Be Ready", dem Titelsong der 90er TV-Sensation "Baywatch". Das sieht dann in der Ossendorf-Version ein bisschen so aus, wie eine Mischung aus dem "Thriller"-Video von Michael Jackson und dem Mallorca-Film-Fiasko "Voll normaaal". Erstes Learning also: Was ein gelungener Primetime-Abend nicht unbedingt benötigt, ist Thomas Herrmans in einem Hawaii-Hemd.

Hingucker der Opening-Sequenz bleibt daher Kubas berühmtester Entertainment-Export Jorge Gonzales, der das Wochenende in einer Art Glitzer-Schlachterkittel einläutet. Zwischen den echten Männerfreunden Joachim Llambi und Daniel Hartwich entspannt sich ein spontaner Disput über die Deutungshoheit von Jorges Fashion-Faux-Pas. Handelt es sich um "John Rambo für Arme" (Llambi) oder "Ein Hauch von Bondage" (Hartwich). Jorge selber schweigt sich darüber aus, ob er Rambo-Filme lieber mag als "50 Shades of Grey" und belässt es bei einem "wer gann, der gann".

Kostüme aus der Hölle

Als es dann endlich nicht mehr um Film-Kostüme, sondern Film-Musik geht, starten Julia Dietze und Massimo Sinato mit einem Jive zu Songperlen aus "Dirty Dancing". Sie holen 25 Punkte. Ebenfalls gestern noch auf der About You Award Showbühne in München und heute bereits wieder zum Tanztee in Köln ist Heiko Lochmann. Er unterstützt in einem eleganten schwarzen Kleid und mit blonder Damenperücke bekleidet seinen Bruder. Roman Lochmann tanzt nämlich mit Katja Kalugina zu Klängen aus "Manche mögen's heiß". Als der Film in die Kinos kam, waren nicht mal die Eltern der beiden "Lochis" geboren. Entsprechend ahnungslos ist er, was den Film betrifft. Das merkt man auch der Performance an. Nur 17 Punkte. Und die Erkenntnis, dass Jorges Outfit nicht das verstörendste des Abends bleibt.

Anschließend fahren Iris Mareike Steen (mit Christian Polanc) 12 und Ingolf Lück (mit Ekaterina Leonova) 18 Punkte ein. Lück hilft nicht mal seine Oscar-verdächtige "Die Maske"-Maske. 18 Punkte sind für das Team "Tanzmäuse" unterdurchschnittlich. Noch schlimmer erwischt es Steen. Sie bekommt ein ziemlich niederschmetterndes Urteil. Dagegen wurde selbst Tanzverweigerer Chakall von Joachim Llambi mit Samthandschuhen angefasst. Gott sei dank ist sie nicht Christina von GNTM. Dann hätte sie nämlich geantwortet: "Wenn sie finden, dass ich schlecht tanze, dann soll sie das auf einen Zettel schreiben und mir in den Briefkasten werfen". Nun ist Llambi kein Briefträger, Steen erleidet mit Sätzen wie "seit sechs Wochen sagen wir dir dasselbe, also bewerte ich dich heute nicht" aber trotzdem eine (Achtung!) Post-Traumatische Punkte-Störung.

Joachim Llambi, der Fürst der Finsternis

Es folgt Barbara Meier. Sie tanzt mit Sergiu Luca zur Musik aus "Twilight". Luca hat die Filme offensichtlich nie gesehen, aber irgendwo gehört, es ginge um Vampire. Entsprechend kommt er im Dracula-Kostüm. Wie man es von einem echten transsilvanischen Grafen erwartet, bleibt der Tanz alles andere als blutleer. Im Gegenteil. Die Dance-Vampire (noch mal Achtung!) beißen sich durch, legen einen transsilvanischen Sensationstanz aufs Parkett und kassieren 30 Punkte. Selbst der "Let's Dance"-Fürst der Finsternis, Joachim Llambi, gibt die volle Punktzahl.

Doch das bleibt nicht die einzige Sensation. Bela Klentze konnte bislang Joachim Llambi nicht von sich überzeugen. Zu arrogant, zu wenig aus seinem Potenzial gemacht. Ergebnisse um die 12 Punkte waren keine Seltenheit. Manchmal bekam man sogar den Eindruck, die Jury würde sich wünschen, dass statt Bela lieber Farid Bang und Kollegah tanzen, damit die gesamte Veranstaltung anschließend eingestellt werden kann. Heute jedoch kommen er und Oana Nechiti ganzköper-vergoldet auf das Parkett und ertanzen gute 23 Punkte.

Frankreich gegen Italien bei "Let's dance"

Regina Luca und Thomas Hermanns tanzen den Contemporary. Eigentlich eine Vorlage für eine gute Punktzahl. Mit 24 bleiben sie mit ihrer Version von "The Winner Takes It All" unter ihren Möglichkeiten. Im Schnitt kommen sie auf über 25 Punkte. Der Paso Doble zu Klängen aus "Carmen" gelingt Judith Williams und Erich Klann besser. Aus der Höhle der Löwen direkt ins Penthouse der Punkte: auch hier lupenreine 30 Punkte.

Zum Abschluss, und um nach nur noch acht Einzeltänzen die Sendezeit voll zu bekommen, tanzen noch mal zwei Gruppen gegeneinander. Team "Frankreich" mit Ingolf Lück, Roma Lochmann, Julia Dietze, Iris Mareike Steen und ihre Profipartner zu französischen Klassikern. Dabei gibt es nicht viel zu lachen. Um nicht einzuschlafen, stelle ich mir minutenlang vor, wie ein waschechter Sachse "Joe le Taxi" aussprechen würde. Auch die Jury ist nur mittelmäßig d'accord mit der Leistung: 18 Punkte.

Team "Italien" besteht aus Barbara Meier, Judith Williams, Thomas Herrmanns und Bela Klentze und nennt sich selber nach der Pizzeria um die Ecke: "La Famiglia". Einige Kandidaten versuchen zwar, zu Titeln wie "Azzuro", "Bello e impossibile " oder "Se bastasse una bella canzone" mitzusingen und entschuldigen sich dafür nicht mal. Stellvertretend für alle Italiener könnten sie das beispielsweise bei der Miss Italia der deutschen Social Media Kanäle, Jessica Mancuso tun. Zum Glück sind wir nicht bei "Let's Sing", sondern bei "Let's Dance" – und getanzt wurde im Team "Italien" besser als im Team "Frankreich": 25 Punkte.

Niveau-Hölle Discofox

Victoria Swarovski wird von Woche zu Woche sicherer. Sie setzt sich durch. Vor allem gegen Schaffner. Einem Klatsch-Magazin hat sie unter der Woche jedenfalls verraten, dass sie sich "nicht aus der Bahn werfen wird". Schwarzfahren ist aber auch stressig. Und illegal. Fast so illegal, wie der traditionelle Discofox-Marathon, der uns kommenden Freitag erwartet. Die Kandidaten werden solange zu Daniel Hartwichs Lieblingssong "Ja, I bumsdi, bumsdi, bumsdi, bumsdi rund um die Uhr", bis nur noch einer steht. Ein jährliches Highlight des RTL-Tanzzirkus. Diesen Tanz-Marathon hat Victoria Swarowski übrigens vor zwei Jahren selber gewonnen, als sie noch nicht Moderatorin, sondern Kandidatin war. Ihr Fachurteil wird also beinahe so freudig erwartet werden, wie meins.

Das wird eine grandiose Woche! Für alle, außer für Roman Lochmann. Youtube-Fans wissen offensichtlich heutzutage nicht mehr, wie man ein Telefon benutzt. Nicht genug Anrufe für den Zwilling. Damit sind die letzten 50 Prozent von "Die Lochis" auch noch vom gnadenlosen Publikum rasiert worden. Ganz zum Unmut von Duisburgs rüstigstem Tanz-Rentner Joachim Llambi, der lieber Iris Mareike Steen in die ewigen "Let's Dance"-Jagdgründe geschickt hätte. Aber nächste Woche gibt es dafür ja eine neue Chance.

Bis dahin: See you on the Dancefloor,

Eure Marie  

Sehen Sie hier im Video: "'Let's Dance': Das sind die Kandidaten der neuen Staffel"

Die prominenten Kandidaten von "Let's Dance" bei RTL stehen in Rottönen gekleidet auf einem Gruppenbild zusammen