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Interview

Frédéric Prinz von Anhalt: "Solange Trump ein guter Präsident ist, kann er auch jemandem an den Hintern fassen"

Während die Welt noch immer rätselt, wie es Donald Trump ins Weiße Haus schaffen konnte, freut sich Frédéric Prinz von Anhalt über den neuen US-Präsidenten. Im Interview offenbart er die verquere Weltansicht der Trump-Anhänger.

Von Andreas Renner, Los Angeles

Frédéric Prinz von Anhalt

Frédéric Prinz von Anhalt ist ein überzeugter Anhänger des neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump

Herr von Anhalt, Sie sind glühender Trump-Anhänger. Während der Rest der Welt noch immer schockiert ist über den unerwarteten Wahlsieg, haben Sie den Triumph sicher ausgiebig gefeiert.

Ich war Zuhause mit meiner Frau, die liegt ja im Bett und spricht nicht mehr viel. Aber als das Ergebnis feststand, da sagte sie: "I love it". Es war für mich keine große Überraschung. Wir Amerikaner sind gar nicht so geschockt wie viele andere. Wir wollten das ja, denn seit über 30 Jahren hat sich nicht viel bewegt hier. Über 50 Prozent der Amerikaner haben für Trump gestimmt. Wir wollten einen Wechsel, deshalb haben wir Trump gewählt. Und alle, die jetzt im Ausland gegen Trump Stimmung machen, die attackieren letztlich auch uns Amerikaner, die Trump gewählt haben. Und das ist nicht richtig.

Aber die andere Hälfte der Wähler wollten Trump eben nicht und Tausende Amerikaner protestieren seit zwei Tagen in vielen US-Metropolen.

Die sind doch alle gekauft, das wissen wir doch.

Können Sie die Leute nicht verstehen, die Angst haben vor einem Präsidenten Trump, nachdem was er sich im Wahlkampf alles geleistet hat an rassistischen, sexistischen und anderweitigen populistischen Aussagen?

Diese Demonstrationen hat es doch auch in Deutschland gegeben, da waren 5000 Türken auf der Straße, da lachen wir doch drüber. Das bringt doch gar nichts. Auch diese angeblichen Übergriffe auf Muslime in Amerika, von denen jetzt berichtet wird, das sind doch gekaufte Aktionen.

Die Aggressivität von Trumps Wahlkampf war für Sie Ordnung?

Es hat doch alles funktioniert. Er war aggressiv, aber nur deshalb weil er auch wusste, dass die Clintons absolut korrupt sind. Die Hillary hat sogar vor dem Kongressausschuss gelogen und auch das FBI angelogen. Bill Clinton hat ebenfalls gelogen bei seiner Sexaffäre mit der Lewinsky. Aber weil er ein guter Präsident war, haben wir ein Auge zugedrückt. Und dem Trump lassen wir nun auch seine Show. Solange er liefert, ein guter Präsident ist und was tut für uns Amerikaner, kann er auch ruhig mal jemandem an den Arsch fassen.

Das sehen viele Frauen und wahrscheinlich auch Melania Trump sicher anders. Glauben Sie wirklich, dass Trump am Ende politisch was liefern kann?

Der wird liefern. Es ist nicht so, wie es Thomas Gottschalk jetzt in den deutschen Medien posaunt, dass Trump nichts auf die Reihe kriegt. Seit wann ist überhaupt ein Thomas Gottschalk plötzlich ein Politik-Experte? Der hat noch nie im Leben einem großen Politiker die Hand geschüttelt und war auch noch nicht im Weißen Haus in Washington. Präsentiert sich jetzt aber als großer Politik-Spezialist. Ich habe Vertrauen in Trump, er wird liefern. Und zwar alles, was er versprochen hat. Die sollen Trump doch erstmal machen lassen, der wird das richten. Er ist angetreten, Amerika wieder groß machen zu wollen und genau das brauchen wir jetzt auch.

Mal ganz ehrlich, warum genau finden Sie Trump geeignet für das Amt des US-Präsidenten?

Meine Frau ist ja gut mit Trump befreundet. Ich kenne ihn auch gut, er war oft bei uns im Haus und wir haben ihn auch immer wieder in Florida getroffen über die Jahre. Im Plaza Hotel in New York hatten wir mal ein Lunch mit ihm. Darum habe ich für ihn gestimmt. Aber eben auch, weil er neuen Schwung verspricht. Er ist kein Politiker, sondern ein Außenseiter in Washington. Und dadurch kann er ganz anders auftreten. Er ist als Milliardär auch finanziell unabhängig und hat einzig ein Ziel: Das Wohl des Landes und der Menschen. Ich finde er hatte Recht, als er auf seinen Wahlkampfveranstaltungen zu den Leuten sagte: "Was habt ihr denn zu verlieren?" Von den Politikern hört man immer nur "Wir müssen dies, wir müssen das", aber am Ende passiert nichts. Ich war im Sommer in Deutschland und da habe ich festgestellt: Hey, in Amerika sind ja die Uhren stehen geblieben in den vergangenen acht Jahren. Wir hinken weit hinterher auf allen Ebenen. Präsident Obama ist der schlechteste und unbeliebteste Präsident, den wir je hatten.

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Seine Beliebtheitswerte liegen aktuell bei 54 Prozent, das ist überdurchschnittlich hoch.

Ach, der hat doch gar nichts zustande gebracht.

Es gibt nichts, dass Obama Ihrer Meinung nach richtig gemacht hat in den vergangenen acht Jahren?

Ich finde nicht, dass er irgendwas richtig gemacht hat. Im Gegenteil: Im Mittleren Osten hat er für Chaos gesorgt. Dort werden den Leuten wild die Köpfe abgehauen und wir Amerikaner schauen einfach zu. Das gibt es doch gar nicht. Da muss doch jemand eingreifen - und Trump wird das hoffentlich tun. Obama-Care ist viel zu teuer und wird im kommenden Jahr noch teurer. Zum Glück habe ich meine eigene Krankenversicherung und bin darauf nicht angewiesen. Es muss jetzt endlich wieder nach vorne gehen, auch der Dollar muss wieder stärker werden. Als ich vor 35 Jahren nach Amerika kam, war der Dollar vier Mark wert. Da konnte man noch ordentlich in andere Länder reisen und einkaufen. Und ganz wichtig: Der Rest der Welt muss wieder Respekt vor uns haben.

Nach der Trump-Wahl scheint es so, dass die Welt nun noch weniger Respekt vor Amerika hat als zuvor.

Trump ist noch nicht mal vereidigt, da ziehen schon alle über ihn her. Wenn ich sehe, wie man in Deutschland über ihn urteilt, das geht nicht. Sogar die deutschen Politiker, diese Weicheier, reden schlecht über ihn. Dieser Außenminister, der nur dumme Sprüche macht über Trump und am Ende wird er als erster im Weißen Haus antanzen um anschließend wieder kleinere Brötchen zu backen.

Kaum dass Trump gewählt war, wurde sein Ton plötzlich gemäßigter. Er fand in seiner Siegesrede sogar lobende Worte für Hillary Clinton, die er vor einigen Wochen noch in den Knast stecken wollte. War der Wahlkampf am Ende nur eine große populistische Show um Wählerstimmen zu sammeln? Ist er vielleicht letztlich nur eine Mogelpackung?

Das ist doch normal, dass er in der Stunde des Triumphes den Gegner erwähnt. Das zeigt doch nur, dass Trump letztlich ein echter Gentleman ist. Chris Christie wird wahrscheinlich Justizminister oder Oberstaatsanwalt - und der wird sich dann schon um die Clinton kümmern. Der wird die alle in den Knast stecken, diese Verbrecher. Ich wünsche mir sonst noch Newt Gingrich und Dr. Ben Carson im Kabinett von Trump.

Wie haben Sie Trump persönlich erlebt, als er noch keine politischen Ambitionen hatte?

Er ist ein ganz lieber Typ und ist Amerikaner mit Herz und Seele. Er will einfach nur helfen, er braucht keine Lobbyisten und will einfach nur etwas verändern. Er würde Amerika nie im Stich lassen. Make America Great Again: Es wird alles gut, glauben Sie mir.

Man würde es Amerika und der Welt ja wünschen - was müsste Trump in den ersten 100 Tagen seiner Präsidentschaft bevorzugt anpacken?

Oberste Priorität hat die innere Sicherheit. Das Land ist außer Kontrolle geraten, es gibt zuviel Kriminalität.

Sagt ein Mann, der selbst mal in kriminelle Machenschaften verstrickt war.

Als ich noch in Deutschland gelebt habe, war ich selbst ein kleiner Krimineller, gebe ich ja zu. Aber eben auch deshalb, weil die Kriminellen auf mich zukamen und mich bezahlt haben. Aber 1982 habe ich ein neues Leben angefangen in Amerika und seitdem eine blütenreine Weste. Der Obama hat die Ausgaben für die innere Sicherheit und das Militär gekürzt, das ist falsch.

Sie fühlen sich unsicher in Ihrer Villa in Beverly Hills?

Hier in Beverly Hills habe ich keine Angst, aber mit einem Präsidenten Trump habe ich einfach noch weniger Angst, da kann man sich auch sonst wieder sicher auf den Straßen bewegen. Denn der schickt die Leute in den Knast - und zwar nicht für drei Wochen, sondern für drei Jahre. Da überlegt sich dann jeder zweimal, ob er kriminell werden möchte.

Wie stehen Sie als Deutscher, der mit einer Mauer zwischen zwei deutschen Staaten aufgewachsen ist, zur geplanten Mauer an der Grenze zu Mexiko?

Illegale Einwanderer müssen gestoppt werden, denn das ist gegen das Gesetz. Fertig. Ich bin ja auch nicht illegal eingereist. Wenn ich in ein fremdes Land ziehen will, dann muss ich mich an die Gesetze dort halten. Fakt ist ja auch: 35 Prozent der Latinos haben Trump gewählt. Die Latinos finden das doch auch gut mit der Mauer, denn die wollen doch auch nicht, dass noch mehr Mexikaner kommen und ihnen die Jobs wegnehmen. Die haben doch darauf gedrängt, dass da was passiert. Es ist wichtig für Donald Trump, dass er mit den Nachbarn wie Mexiko spricht, damit man da eine Lösung findet. Das hat der Obama ja nie gemacht, der hat die Mexikaner hängen lassen.

Trump und Putin scheinen sich gut zu verstehen. Was halten Sie von dieser Annäherung?

Das finde ich gut. Russland einfach so zum Feind zu erklären und diesen zu ignorieren bringt uns nicht weiter. Man muss mit dem Feind sprechen. Obama hat das nicht gemacht, er hat Russland den Rücken gekehrt. Man muss miteinander sprechen und verhandeln. Da muss wieder Ordnung rein. Die beiden Weltmächte müssen die Unruhe, die derzeit in der Welt herrscht, gemeinsam unter Kontrolle bringen.

Sie haben gegenüber Jan Böhmermann fallen lassen, Sie fänden eine politische Funktion etwa als Botschafter in Berlin ganz gut - als Art Dankeschön, weil Sie Trump unterstützt haben. War das ernst gemeint?

Es war kein Spaß. Ich habe hier das Telefonbuch meiner Frau liegen, da ist die private Nummer von Trump drin. Meine Beziehung zu ihm ist sehr gut.

Er würde Sie als Frédéric von Anhalt sofort erkennen oder nur mit dem Zusatz "Ehemann von Zsa Zsa Gabor"?

Gut, den Zusatz Ehemann von Zsa Zsa Gabor braucht es schon. Aber er kennt mich und er ist ein Freund des Hauses und war schon oft hier zu Gast. Wenn Trump vereidigt ist, werde ich ihm schreiben und ihm das vorschlagen. Botschafter ist vielleicht ein bisschen hochgegriffen, aber Generalkonsul etwa in München fände ich toll. Als kleines Dankeschön von Trump an mich. Warum denn nicht? Schön morgens um 9 Uhr erstmal beim Käfer frühstücken. Und mittags ins Franziskaner essen gehen.

Sie tragen das Herz gerne auf der Zunge - keine wirklich gute Eigenschaft für einen Diplomaten, oder?

Der Trump sagt auch was er denkt, aber genau das lieben die Amerikaner. Heuchelei will keiner mehr. Ich lebe seit 35 Jahren in Amerika und die Leute lieben mich, das weiß ich. Ich bin Gentleman, respektiere die Leute und weiß wie ich mit ihnen umgehen muss. Das ist mein Vorteil.

Sie waren einer der wenigen in Hollywood, die öffentlich zu Trump standen im Wahlkampf. Wie hat man im sehr liberalen Los Angeles darauf reagiert?

Teilweise sehr bösartig. In Beverly Hills ebenso wie in Hollywood. Ich habe sogar Freunde verloren dadurch. Ich habe darunter gelitten, aber am Ende war es das wert. Der Richtige hat gewonnen. Die ganzen Bemühungen von Hollywoods Starpower halfen nichts, keine Madonna oder Beyoncé haben einen Unterschied gemacht. Die Leute haben sich alle die kostenlosen Konzerte angeschaut, aber dann sind die nach Hause gegangen und haben Trump gewählt.

Waren Sie früher in Deutschland auch ein konservativer Wähler?

Ja, ich bin ein strammer Mann, ich war immer konservativ eingestellt.

Würden Sie heute in Deutschland CDU oder AfD wählen?

Ich würde CDU wählen. Ich bin aber nicht mit dem einverstanden, was da gerade in Deutschland abgeht. Trump hat es richtig gesagt: Amerika und die Amerikaner an erster Stelle. Das muss sich die Merkel mal merken. Deutschland und die Deutschen an erster Stelle - und dann, wenn noch Zeit ist, die anderen. Merkel wurde gewählt, um dem deutschen Volk zu dienen und nicht den anderen. Ich sehe nicht ein, dass wir in Deutschland für Faulenzer zahlen. Frauen und Kinder, die flüchten müssen, darum sollten wir uns kümmern. Aber nicht junge Männer, die gesund und stramm sind. Die müssen wieder zurück in ihre Heimat und dort das Land aufbauen. Das haben wir in Deutschland auch so gemacht im Krieg. Wir haben uns in den Kellern versteckt und als alles vorbei war, kamen wir herausgekrochen haben das Land wieder aufgebaut.

Soll Merkel noch mal antreten bei der nächsten Wahl?

Nein, wir brauchen die Merkel nicht. Die hat zu viele Fehler gemacht. Die ist am Ende auch nur eine Pfarrerstochter die plötzlich Deutschland regierte. Trump hingegen ist ein Mann, der schon ein Imperium aufgebaut hat, der schon was erreicht hat. Es gibt genug gute CDU-Leute als Alternative, Merkel soll nicht mehr antreten.

Autoritäre Regierungen sind weltweit auf dem Vormarsch, ist das eine beunruhigende Entwicklung?

Die Leute müssen das positiv sehen. Trump ist Präsident und man muss das jetzt schlucken. Die Leute, die jetzt Angst haben, die haben immer Angst. Das sind Feiglinge. Man darf keine Angst haben. Man muss das alles positiv sehen. Leute, die das negativ sehen, die sehen alles negativ im Leben.