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Zukunftsvisionen: Kuriose Doku von 1972 zeigt, wie wir längst leben müssten - und lag nicht immer falsch

Ein Tag im Jahr 2000, wie ihn sich ein ZDF-Team im Jahr 1972 vorstellte. Eine Doku zeigte kuriose Vorstellungen von der Zukunft, lag aber bisweilen ziemlich richtig. Viele Probleme sind auch heute noch ungelöst.

Sprachassistentin 1972

Der Tag von Herrn B. beginnt mit der freundlichen Assistentin auf seinem "Fernsehtelefon": "Guten Morgen, es ist 7.30 Uhr. Sie wollten geweckt werden. Heute ist Montag, der 25. Oktober 2000."

im Jahr 1972: Olympische Spiele in München, das Land ist noch geteilt, der Bundeskanzler heißt Willy Brandt und im Fernsehen gibt es nur drei Programme.

So dürften es eine Menge Menschen gewesen sein, die damals im die Dokumentation "Richtung 2000 - Vorschau auf die Welt von morgen" gesehen haben, die den Zuschauern prophezeite, wie das Leben zur Jahrtausendwende aussehen wird. Sie dürften gestaunt, aber auch sorgenvoll in die Zukunft geblickt haben.

Vor allem die erste Hälfte der halbstündigen Dokumentation wirkt rückblickend kurios. Gezeigt wir der Alltag des fiktiven Herrn B. (gespielt von Harry Drendel) zwischen Frühstückstisch und Arbeitsplatz. Das Leben im Jahr 2000 wird als vollgestopft mit Technik beschrieben, wobei das in diesem Fall hochgerüstete analoge Technologie bedeutet. Digitalisert ist in dieser Welt nur das Arbeitsleben (der Realititätscheck der Visionen oben in der Bilderstrecke).

Viele Zukunftsvisionen von 1972  traten ein

Doch es zeigt sich: So absurd waren die meisten Voraussagen nicht und die Macher der Doku zeigten auch Probleme auf, die mit der Technisierung einhergehen können: Vereinsamung und Sinnkrisen. Doch dagegen hat die Wissenschaft im Jahr 2000 des Films längst ein zuverlässig und schnell wirkendes Anti-Depressivum entwickelt: "Optimum 10" vertreibt allen Kummer.

Doch bei allem Fortschrittsglauben: In der zweiten Häfte der Doku präsentieren die Filmemacher Arno Schmuckler und Peter Kerstan eine verheerende Bestandsaufnahme der Welt von 1972: Chemieeinsatz in der Landwirtschaft, Wasserverschmutzung durch die Industrie und der zunehmende Verkehr mit seinen Abgasen werden die Welt bis zum Jahr 2000 zu einem unwirtlichen Ort machen, ist die düstere Prognose.

Dazu erwarteten die Macher massive soziale und wirtschaftliche Probleme, unter anderem durch die ungerechte Verteilung von Vermögen und Lebensmitteln. Die globalen Herausforderungen waren bekannt und doch sind viele von ihnen auch fast 50 Jahre später noch brandaktuell. "Politiker und Wissenschaftler stehen vor der Aufgabe, den schon weit fortgeschrittenen Zerstörungsprozess zu bremsen, bevor es zu spät ist. Wir haben dazu nicht mehr viel Zeit." Das ist der letzte Satz des Films.

Eine Doku aus dem Jahr 2018 könnte genauso enden - trotz allen Fortschritts.

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fin