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Jangtse-Strom in China: Schiff sinkt in Wirbelsturm - Hunderte Tote befürchtet

Innerhalb von zwei Minuten ist auf dem Jangtse in China ein Touristenschiff mit 458 Menschen an Bord gesunken. Bislang zählen Retter nur ein Dutzend Überlebende.

Der Rettungseinsatz auf Chinas längstem Fluss wird durch starke Winde und heftigen Regen behindert

Der Rettungseinsatz auf Chinas längstem Fluss wird durch starke Winde und heftigen Regen behindert

Bei schlechtem Wetter ist ein Passagierschiff mit 458 Menschen an Bord auf dem Jangtse-Strom in Zentralchina gesunken. Der gerettete Kapitän gab an, Ursache sei ein plötzlicher Wirbelsturm gewesen. Das Schiff mit chinesischen Touristen sei "innerhalb von ein oder zwei Minuten" gesunken, zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Suche nach mehr als 440 Vermissten ist in Gang. Nur ein Dutzend Überlebende wurde zunächst gerettet. Aus dem Rumpf des kieloben in 15 Meter tiefem Wasser liegenden Schiffes drangen Klopfzeichen. Die Bergung läuft. Wie viele Opfer es insgesamt gegeben hat, war zunächst unklar. Vorerst wurde der Fund von fünf Leichen gemeldet.

Unter den wenigen Geretteten sind der Kapitän und Chefingenieur, die beide in Polizeigewahrsam kamen.

Wirbelsturm soll zum Kentern geführt haben

Das 76 Meter lange Schiff lag kieloben im Wasser. Schiffsschraube und Ruder schauten halb aus dem Wasser. Hilfskräfte versuchten, mit Schweißbrennern ein Loch in den Rumpf zu schneiden. Die Bergungsarbeiten wurden von starkem Wind und schweren Regenfällen behindert.

Das Schiff "Stern des Orients" war auf dem Weg von Nanjing in Ostchina in die Metropole Chongqing im Südwesten, als das Unglück noch flussabwärts von dem berühmten Touristenziel der Drei Schluchten im Bereich von Jianli in der Provinz Hubei passierte.

Starker Wind mit Geschwindigkeiten "bis zu 120 Stundenkilometer" habe das Schiff kentern lassen, schrieb die örtliche Zeitung "Hubei Ribao" unter Hinweis auf Meteorologen. Doch konnten diese Angaben laut Xinhua "nicht unabhängig bestätigt werden".

Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte umfassende Bemühungen zur Rettung der Überlebenden. Premier Li Keqiang eilte zum Unglücksort. Das Transportministerium wurde angewiesen, alle notwendigen Kräfte für die Rettungsarbeiten zu mobilisieren.

Tausend Soldaten helfen bei Bergung

Mehr als zehn Schiffe seien an dem Einsatz beteiligt, berichtete die Nachrichtenagentur China News Service. Die Wassertiefe betrage an der Stelle rund 15 Meter. Die paramilitärische Polizei der Provinz Hubei schickte mehr als tausend Soldaten, die mit 40 Schlauchbooten bei den Bergungsarbeiten helfen sollen.

Das Staatsfernsehen berichtete, es seien rund 400 chinesische Touristen an Bord gewesen. Viele hatten die mehrtägige Reise über ein Shanghaier Reisebüro gebucht. Verzweifelte Angehörige suchten dort vergeblich nach Informationen. Das Reisebüro war geschlossen. Es hieß, die meisten Passagiere seien zwischen 50 und 80 Jahre alt. Es gab zunächst keine Hinweise, dass Ausländer an Bord gewesen seien.

Unter den 458 Menschen an Bord seien 47 Besatzungsmitglieder und 7 Reisebüromitarbeiter gewesen, berichtete Xinhua. Das 1994 gebaute Schiff habe eine Kapazität von mehr als 500 Personen.

lie/stb/DPA/AFP / DPA