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Erdbeben im Iran: 20.000 Tote und kaum Hoffnung

Die schlimmsten Befürchtungen sind zur traurigen Gewissheit geworden: Mehr als 20.000 Menschen starben durch die Erdstöße in der Region um die historische Stadt Bam.

Die schlimmsten Befürchtungen nach dem schweren Erdbeben in Iran sind zur traurigen Gewissheit geworden: Mehr als 20.000 Menschen starben durch die Erdstöße in der Region um die historische Stadt Bam im Südosten des Landes. Das teilte der iranische Innenminister Mussavi Lari am Sonntag mit. Die Hoffnungen der Helfer aus dem In- und Ausland, in den Ziegeltrümmern und Schuttmassen noch Überlebende zu finden, schwand zwei Tage nach dem Beben von Stunde zu Stunde. Irans Präsident Mohammed Chatami bezeichnete das Beben als "nationale Tragödie".

"Es sieht aus wie nach einem Krieg"

Bei dem Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Richterskala war am Freitagmorgen die 100.000-Einwohner-Stadt Bam an der Seidenstraße fast völlig zerstört worden. "Die Verwüstung ist unglaublich. Es sieht aus wie nach einem Krieg", sagte Stefan Duda vom Technischen Hilfswerk (THW) vor Ort der dpa. Tausende von Kindern wurden zu Waisen, ganze Familien ausgelöscht, und viele, die überlebten, verloren ihr Hab und Gut. Es war nicht das stärkste, aber eines der folgenschwersten Beben der vergangenen 25 Jahre.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

In einem Wettlauf mit der Zeit suchten Helfer und Überlebende teilweise mit bloßen Händen nach Verschütteten. Bei eisiger Nachtkälte in 1000 Metern Höhe schwanden die Chancen jedoch zusehends. Das staatliche iranische Fernsehen berichtete, dass rund 1000 Menschen lebend aus den Haufen von Lehmziegel-Trümmern geholt worden seien. Derartige Erfolge konnten die deutschen Helfer nicht bestätigen. Bislang habe man nur Leichen finden können, obwohl es 36 "Lebendortungen" gegeben habe, sagte der THW-Sprecher Nicolas Hefner am Sonntagmorgen der dpa. "Aber es geht auch darum, den Menschen Hoffnung zu geben und Beistand zu leisten." In der Regel können bis zu 72 Stunden nach einem Erdbeben noch Überlebende geborgen werden - also theoretisch noch bis zu diesem Montagmorgen.

Der staatliche Fernsehen IRIB kritisierte überraschend deutlich das Krisenmanagement der Behörden. Die Menschen in Bam hätten rund 24 Stunden lang auf organisierten Beistand warten müssen. Bis zum Sonntag waren nach Angaben des Malteser Hilfsdienstes jedoch rund 600 internationale Hilfskräfte im Einsatz. 21 Länder hätten Such- und Rettungsteams versprochen, teilte das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe in Genf am Sonntag mit. Es würden keine weiteren Retter vor Ort gebraucht, jetzt sei vor allem materielle Unterstützung durch Spenden und Hilfslieferungen notwendig.

Aus Deutschland sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin rund 70 Erdbebenspezialisten nach Bam geflogen, darunter Ärzte, Hundeführer mit Spürhunden und technische Helfer. Auch Österreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Tschechien, Polen, Kuwait und die USA beteiligten sich unter anderem an der internationalen Hilfe.

Internationale Hilfe läuft

Doch die Not der Zehntausenden von Obdachlosen im Krisengebiet ist groß: Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften in Genf brachte auf Bitten Irans 20.000 Zelte, 200.000 Decken, 30 Stromgeneratoren und 20.000 Kerosin- Heizgeräte nach Bam. Am Sonntagmorgen startete eine Maschine mit 33 Tonnen Hilfsgütern an Bord von Frankfurt-Hahn nach Iran. Am Mittag folgte eine Maschine aus Hamburg. Über 10.000 Verletzte wurden vom kleinen Flughafen von Bam mit 500 Inlandsflügen zur ärztlichen Versorgung nach Teheran, Shiraz, Mashad and Bandar Abbas gebracht.

Die Rotkreuz-Föderation geht davon aus, dass längerfristige Hilfe notwendig sein wird. Die Gesamtkosten seien noch nicht abzuschätzen, hieß es in Genf. Die deutschen Hilfseinsätze werden vom Auswärtigen Amt koordiniert, das zunächst 500.000 Euro bereitstellte. Die Europäische Union stockte ihre Soforthilfe noch am Samstag von 800.000 auf 2,3 Millionen Euro auf.

Präsident Chatami hatte, anders als bei früheren Beben, rasch internationalen Beistand akzeptiert und außerdem die Visa- Bestimmungen erleichtert.

dpa / DPA