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Pressekonferenz nach Tat Messerattacke in ICE: Tatverdächtiger leidet an Wahnvorstellungen – keine Hinweise auf Terrorakt

Bayern: Einsatzkräfte nach der Messerattacke in einem ICE an einem Bahnhof
Einsatzkräfte stehen vor der Gaststätte in Scheubersdorf, wo nach der Messerattacke in einem ICE kurzeitig Fahrgäste untergebracht wurden
© Angelika Warmuth / DPA
Ermittler gehen nach der Messerattacke in einem ICE nicht von einem Terrorakt aus. Die Motivlage des Tatverdächtigen, der in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wurde, sei Gegenstand "intensiver Ermittlungen". Zwei der Opfer sind noch im Krankenhaus.

Nach der Messerattacke im ICE 928 in Bayern geht die Polizei nicht von einem Terroranschlag aus. Es gebe "keine Anhaltspunkte für einen islamistischen Hintergrund", sagte Kriminaldirektorin Sabine Nagel am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Neumarkt in der Oberpfalz. Nach ersten Erkenntnissen seien bisher keine Hinweise auf mögliche Mittäter oder Mitwisser aufgetaucht.

Die Motivlage des Mannes sei "nach wie vor unklar" und Gegenstand "unserer intensiven Ermittlungen", sagte der Präsident des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Norbert Zink. Indes ordnete ein Haftrichter die Unterbringung des mutmaßlichen Täters in einer einer psychiatrischen Klinik an. Ein Sachverständiger habe den 27-Jährigen untersucht und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass er "aktuell unter einer paranoiden Schizophrenie" und Wahnvorstellungen leide und die "Schuldfähigkeit des Beschuldigten zur Tatzeit aufgehoben war", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth.

Der 27-Jährige habe dem Gutachter gesagt, er fühle sich von der Polizei verfolgt: Sie schicke Männer, die ihn verrückt machen sollten. Von einem 26-jährigen Fahrgast im Zug habe er sich bedroht gefühlt und "gemeint, dieser Mann wolle ihn töten". Daraufhin habe er wuchtig auf dessen Kopf eingestochen. Die anderen Taten habe er dann nach eigener Aussage "wie im Traum begangen", sagte Oberstaatsanwalt Neuhof. "Er hat die Taten also nicht abgestritten." Ermittelt werde wegen Mordes.

Zwei Opfer weiterhin im Krankenhaus

Thomas Schöniger, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Oberpfalz, bestätigte, dass der Täter bei der Messerattacke vier Männer verletzte. Er habe kurz nach Regensburg im Wagen 5 unvermittelt einen 26-jährigen Mann angegriffen und schwer am Kopf verletzt. Danach habe er einem 60-jährigen Fahrgast Schnittwunden an Kopf und Rumpf und einem weiteren 60-Jährigen ebenfalls Verletzungen zugefügt. Danach sei er in Wagen 4 gewechselt und habe einem 39-Jährigen in den Körper gestochen.

Nach dem Halt des Zugs in Seubersdorf seien Streifenbeamte in den Zug gekommen und hätten den mutmaßlichen Tatverdächtigen unter Vorhalt von Schusswaffen auf den Boden dirigiert. Er habe sich dann widerstandslos festnehmen lassen. In seiner Hose habe er ein blutverschmiertes Klappmesser gehabt.

Die beiden jüngeren Opfer seien am Sonntagmittag noch im Krankenhaus gewesen, sagte Schöniger. 

Messerattacke in ICE ging wohl kein Streit voraus

Nach vorläufigen Informationen aus Sicherheitskreisen vom Sonntag ging dem Angriff kein Streit voraus. Den Angaben zufolge soll der Tatverdächtige – ein 27-Jähriger, der früher in Syrien lebte und 2014 nach Deutschland gekommen war – kürzlich seinen Arbeitsplatz verloren haben. 

Bei der Durchsuchung der Wohnung des mutmaßlichen Angreifers wurde demnach nichts auf Anhieb Verdächtiges gefunden. Eine Auswertung der Daten seines Mobiltelefons steht wohl noch aus. Der in Deutschland als Flüchtling anerkannte Festgenommene lebte zuletzt in Passau. 

Erste Notrufe liefen um 9 Uhr ein

Kurz nach 9 Uhr waren am Samstag Notrufe bei Polizei und Rettungsdiensten eingegangen. Der ICE hatte auf halbem Weg zwischen Regensburg und Nürnberg außerplanmäßig an dem kleinen Bahnhof Seubersdorf nahe Neumarkt in der Oberpfalz gehalten. Weil die Lage zunächst völlig unklar war, rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an und räumte den Zug. Etwa 200 Fahrgäste wurden laut Rotem Kreuz bis zum späten Nachmittag in einem Gasthaussaal betreut und verpflegt. Die ICE-Strecke zwischen Regensburg und Nürnberg wurde erst am Abend wieder freigegeben.

mod DPA AFP

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