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"Brüder" seien "zur Hilfe" gekommen: Gescheiterte Abschiebung in Ellwangen: Das sagt der Betroffene zu dem Polizeieinsatz

In Ellwangen verhinderten Asylbewerber vor einigen Tagen die Abschiebung eines Mannes aus Togo mit Gewalt. Am Donnerstag Morgen erfolgte dort eine Razzia. Der Betroffene äußerte sich inzwischen in der Presse.

Im baden-württembergischen Ellwangen waren am Donnerstagmorgen Hunderte Polizisten im Einsatz. Sie sollten die eines Asylbewerbers aus dem westafrikanischen Togo durchsetzen. Diese sollte bereits vor wenigen Tagen stattfinden, afrikanische Asylbewerber hatten die Abschiebung jedoch mit Gewalt verhindert. Was der Betroffene über seine Abschiebung und den Polizeieinsatz denkt, hat er nun verraten.

In der "Bild"-Zeitung äußerte sich ein Mann, der sich als der 23-jährige Togolese ausgab. "Die Polizei hat schon im Februar versucht, mich abzuschieben. Deutschland sagt doch 'Welcome' zu uns Flüchtlingen. Die geben jeder Person eine Duldung", sagte er. "Seine Brüder" seien ihm nun "zur Hilfe gekommen", sagte er mit Blick auf den gescheiterten Polizeieinsatz. Nach eigener Darstellung sollte er nach Italien abgeschoben werden, wo er zuerst in der EU angekommen war. 

Festnahmen und Verletzte in Ellwangen

In der Flüchtlingsunterkunft nahmen die Beamten am Donnerstagmorgen mehrere Männer in Gewahrsam, wie zu beobachten war. Später wurde mindestens ein Mann in einem Gefangenentransporter an einen anderen Ort gebracht. Ob es sich dabei um den 23-Jährigen handelte, dessen Abschiebung am Montag gescheitert war, sagte die  zunächst nicht.

Später hieß es, die Polizei habe den gesuchten 23 Jahre alten Asylsuchenden aus Togo bei ihrer Großrazzia in einer Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen gefunden und identifiziert. Er und andere 17 Bewohner, die nach Polizeiangaben in der Vergangenheit wiederholt als Unruhestifter aufgefallen waren, sollen in andere Landeserstaufnahmeeinrichtungen verlegt werden. "Solche Maßnahmen zur Trennung von Unruhestiftern haben bereits in der Vergangenheit zum Erfolg der Befriedung in der Landeserstaufnahmeeinrichtung geführt", teilte die zuständige Polizei in Aalen am Donnerstag mit. Der Togoer soll nach dem Dublin-Abkommen nach Italien zurückgeführt werden.

Bei dem Einsatz am Donnerstag wurden mehrere Menschen verletzt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sprangen aus den Fenstern der Flüchtlingsunterkunft. Dabei hätten einige von ihnen Blessuren erlitten. Auch drei Polizisten seien leicht verletzt worden, konnten ihren Dienst aber fortsetzen. Angehörige des Rettungsdienstes "hatten zu tun", sagte ein Polizeisprecher auf Fragen von Reportern vor Ort.

Dutzende Mannschaftsbusse vor Flüchtlingsunterkunft

Die Polizei hatte am frühen Morgen ein Großaufgebot rund um das frühere Bundeswehrgelände zusammengezogen. Die Beamten rückten mit mehreren Dutzend Mannschaftsbussen an. Die Straßen waren weiträumig abgesperrt. Außerdem hielt sich die Polizei mit weiteren Kräften in Bereitschaft. Zu sehen waren Beamte in Schutzkleidung. Sanitäter und Notärzte waren ebenfalls vor Ort.

Afrikanische Asylbewerber hatten wenige Tage zuvor die Abschiebung des Mannes aus dem westafrikanischen Kleinstaat mit Gewalt verhindert. Die Polizei musste ihre Aktion in der Nacht zum Montag abbrechen, weil nach ihrer Schilderung die Situation für die Streifenwagenbesatzungen zu gefährlich wurde. Etwa 150 bis 200 mutmaßliche Flüchtlinge sollen die Streifenwagen umringt und die Polizisten bedrängt haben. Später sollen sie mit einem Angriff auf die Polizisten gedroht und so erreicht haben, dass die Schlüssel zu den Handschellen des Mannes überreicht wurden. Er soll danach untergetaucht sein.

CDU-Politiker fordert "mehr spürbare Härte"

Als Reaktion auf den Vorfall forderte der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster ein härteres Durchgreifen der Sicherheitsbehörden. "In unserem Rechtsstaat gibt es eindeutige rote Linien, die mittlerweile beinahe täglich von vorsätzlich überschritten werden", sagte Schuster "Focus Online". Er erwarte nun "politische Rückendeckung auf allen Ebenen für mehr spürbare Härte im Vorgehen unserer Exekutivbehörden".

Die AfD-Fraktionschefin im Bundestag, Alice Weidel, schrieb auf Twitter: "Der Rechtsstaat wird von seinen "Gästen" mit Füßen getreten." Sie forderte: "Asylbewerber, die Abschiebungen zu verhindern versuchen, haben ebenfalls ausgewiesen zu werden!"


fri / DPA