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El Salvador Frau war wegen angeblicher Abtreibung zu 30 Jahren Haft verurteilt worden - jetzt kam sie frei

Frauen demonstrieren in San Salvador für ein Recht auf Abtreibung
Frauen demonstrieren in San Salvador für ein Recht auf Abtreibung. El Salvador hat eines der härtesten Anti-Abtreibungsgesetze weltweit
© Camilo Freedman / Picture Alliance
El Salvador hat eines der strengsten Anti-Abtreibungsgesetze der Welt. Selbst Fehlgeburten enden immer wieder mit einer Verurteilung zu jahrzehntelanger Haft. So war es auch Cindy Erazo ergangen. Doch jetzt kam sie vorzeitig frei.

Die Justiz in El Salvador hat eine Frau, die unter den extrem strengen Gesetzen des Landes wegen Abtreibung zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war, nach fünf Jahren Haft freigelassen. Die Freilassung von Cindy Erazo sei ein weiterer Sieg für all die Frauen, die nach einem Notfall während der Schwangerschaft zu Unrecht beschuldigt würden, erklärte Morena Herrera von der Organisation Agrupación Ciudadana por la Despenalización del Aborto, die sich für die Entkriminalisierung von Abtreibungen einsetzt.

Erazo hatte demnach 2014 auf der Toilette eines Einkaufszentrums in San Salvador eine Fehlgeburt erlitten. Bei einer anschließenden Untersuchung im Krankenhaus kamen die Ärzte zu dem Schluss, dass sie abgetrieben habe. 2015 wurde die junge Frau deshalb zu 30 Jahren Haft verurteilt. Nachdem sie vor dem Obersten Gerichtshof von El Salvador Berufung eingelegt hatte, wurde die Strafe 2016 auf zehn Jahre reduziert. Wegen guter Führung kam sie nun nach Verbüßen der Hälfte ihrer Haftzeit auf freien Fuß.

El Salvador hat seit den 90er-Jahren ein äußerst restriktives Abtreibungsgesetz: Es verbietet jeden Schwangerschaftsabbruch, selbst bei Vergewaltigungen und sogar wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Erazos Schicksal ist kein Einzelfall. Nach Angaben von Frauenrechtsorganisationen sitzen derzeit 18 Frauen nach einer Verurteilung wegen eines Schwangerschaftsabbruchs in Haft.

Der stern hat vor zwei Jahren Alba Rodríguez im Gefängnis in der Hauptstadt San Salvador besucht. Die Mutter zweier Töchter war ebenfalls wegen angeblicher Abtreibung zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. stern-Reporter Jan Christoph Wiechmann traf auch Rodríguez' Kinder und Mutter und berichtete in einer erschütternden Reportage über das Schicksal der Familie. Im vergangenen Jahr wurde Rodríguez aus Anlass des Internationalen Frauentages am 8. März nach 10 Jahren im Gefängnis freigelassen.

Helfen Sie den inhaftierten Frauen in El Salvador. Die Stiftung stern leitet Ihre Spende an die Organisation Asociación Tiempos Nuevos Teatro weiter, die wegen Abtreibung verurteilte Frauen betreut: IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01 – BIC DEUTDEHHXXX – Stichwort "El Salvador"; www.stiftungstern.de

mad AFP

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