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Flugzeugabsturz in Brasilien: Bergungsarbeiten sind angelaufen

Es ist das schlimmste Flugzeugunglück in der Geschichte Brasiliens: Beim Absturz einer Boeing 737-800 im Amazonas-Urwald sind alle 155 Insassen ums Leben gekommen. Ursache für das Unglück war ein Zusammenstoß mit einem kleineren Flugzeug.

Einen Tag nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs in Brasilien sind die Bergungsarbeiten in dem schwer zugänglichen Dschungelgebiet des Amazonas angelaufen. Fallschirmjäger des Militärs sprangen über der Absturzstelle ab und schlugen eine Schneise in das dichte Gehölz, um Hubschraubern die Landung zu ermöglichen.

Schlimmstes Flugzeugunglück in der Geschichte Brasiliens

Beim schlimmsten Flugzeugunglück in der Geschichte Brasiliens sind beim Absturz einer Boeing 737-800 im Amazonas-Urwald alle 155 Insassen ums Leben gekommen. Es gebe definitiv keine Hoffnung mehr, Überlebende zu finden, versicherte am Samstagabend (Ortszeit) in Brasilia der Chef der Flughafenverwaltungsbehörde Infraero, Generalmajor José Pereira. Unter den Fluggästen auf dem Weg von Manaus in die Hauptstadt Brasilia war auch ein deutscher Anthropologe, der in Brasilien lebte. Das bestätigte das Auswärtige Amt in Berlin. Staatschef Luiz Lula da Silva ordnete unterdessen eine dreitägige Staatstrauer an.

Die Maschine der brasilianischen Gesellschaft Gol war am Freitag nach einem Zusammenstoß mit einem kleineren Flugzeug in der Nähe eines Landguts und eines Indioschutzgebiets im Urwald-Gebiet des Bundeslandes Mato Grosso abgestürzt. Das Wrack wurde erst am Samstag gesichtet. Die inzwischen von den Rettungsteams gefundenen Leichen seien ausnahmslos stark verstümmelt oder verbrannt, sagte Pereira.

Fast senkrecht aufgeschlagen

Die Maschine sei den Erkenntnissen zufolge fast senkrecht auf dem Boden aufgeschlagen, teilte Infraero mit. Die Ermittlung der Unfallursache werde wegen des sehr schwer zugänglichen Unfallortes mindestens drei Monate dauern.

Bei den Such- und Rettungsarbeiten spielen Indianer mit ihren Ortskenntnissen den amtlichen Angaben zufolge eine entscheidende Rolle. Der Unfallort sei fern jeder größeren Stadt, jeder Straße und auch jedes Militärstützpunktes und deshalb praktisch nur von der Luft aus zu erreichen. Eingesetzt würden neben den Indios, rund 300 Militärangehörige, acht Flugzeuge und fünf Hubschrauber.

Das bisher schlimmste Unglück

Das bisher schlimmste Flugzeugunfall Brasiliens hatte sich im Juni 1982 ereignet. Damals flog eine Boeing 727 der Firma Vasp im nordöstlichen Land Ceara gegen einen Berg, alle 137 Insassen kamen ums Leben.

Das Gol-Flugzeug war am Freitag gegen 22.00 Uhr Uhr MESZ im Luftraum über dem nordbrasilianischen Urwald-Bundesland Parà von den Radarschirmen verschwunden. Flug 1907 hätte am Freitag planmäßig um 18.10 Uhr Ortszeit (23.10 Uhr MESZ) in Brasilia landen sollen. Auf dem Flughafen dort versammelten sich verzweifelte Angehörige und verlangten von den Behörden Aufklärung.

Nach Angaben von Sprechern der Luftwaffe stieß die Boeing vermutlich mit einer zweimotorigen Privatmaschine vom Typ Embraer Legacy zusammen, die bei dem Unfall eine Tragfläche verloren habe. Die kleine Maschine, die von einem US-Amerikaner gesteuert worden sei, habe aber dennoch auf einem Militärstützpunkt notlanden können. An Bord dieses Privatflugzeugs, das von Sao Paulo in die USA unterwegs war, waren laut Medien vier US-Bürger, darunter auch ein Journalist der Zeitung "New York Times".

"Unerklärlicher" Vorfall

Die Unfallursache blieb zunächst auch für Experten rätselhaft: Als «unerklärlich» bezeichnete Infraero-Präsident Pereira den Zusammenstoß in der Luft. "Die beiden verwickelten Flugzeugtypen sind das modernste, was es heute in der Luftfahrt gibt, und beide verfügen über ein Antikollisionswarnsystem". Verteidigungsminister Waldir Pires spekulierte über «mangelhafte Aufmerksamkeit» der Gol-Piloten. Experten schlossen Wetterprobleme als Ursache für den Unfall aus.

Gol ist eine Billigflug-Linie, die 2001 gegründet wurde. Nach dem Bankrott von Varig wurde sie mit einem Marktanteil von 28 Prozent zur zweitgrößten Fluggesellschaft Brasiliens. Die Gol-Aktien werden in Brasilien und auch in den USA gehandelt. Das Unternehmen fliegt mit 55 Boeing 737 rund 50 Ziele in Brasilien sowie die südamerikanischen Städte Buenos Aires, Córdoba, Rosario (Argentinien), Montevideo (Uruguay), Santa Cruz de la Sierra (Bolivien), Asunción (Paraguay) und Santiago de Chile an.

Es war der erste Unfall dieser Art für die Gesellschaft. Nach deren Angaben war das Unglücksflugzeug vom Hersteller erst am 12. September geliefert worden und war bisher nur rund 200 Stunden in der Luft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kondolierte unterdessen dem brasilianischen Präsidenten.

Reuters/DPA / DPA / Reuters