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Hochwasser: Keine Entwarnung an Isar und Donau

Während in Südbayern bereits die Aufräumarbeiten beginnen, steigen nördlich von München die Pegel der Flüsse noch. Bei Rosenheim kam ein Mann ums Leben, als sein Boot kenterte.

Die Flutwelle auf der Donau erreichte Ingolstadt und sollte im Tagesverlauf nach Einschätzung der Behörden auch in Donauwörth, Oberndorf und Regensburg keinen größeren Schaden mehr anrichten. Flussabwärts in dem als besonders gefährdet geltenden Passau, wo einige Teile der Altstadt unter Wasser standen, wurde nicht mit weiteren Überschwemmungen gerechnet. Die Pegelstände fielen und erste Aufräumarbeiten begannen. "Es ist nicht so schlimm, wie wir gedacht haben", sagte eine Sprecherin des Landratsamtes.

Lediglich nördlich von München blieb die Lage gespannt. In Neustadt an der Donau drohte am Vormittag ein Damm zu brechen, in Kelheim erreichte das Wasser das Kloster Weltenburg. Dort werden Pegelstände der Donau von bis zu 7,20 Metern erwartet. Obwohl das deutlich weniger als bei dem Pfingsthochwasser von 1999 ist, fürchten die Behörden, dass das Wasser in die Kirche des Klosters eindringen könnte. Dort hatte Hochwasser schon in der Vergangenheit schwere Schäden angerichtet. Das Kloster gilt als das älteste in Bayern. In Ingolstadt war am Mittwochabend Katastrophenalarm ausgelöst worden, weil durch einen Damm in Nähe einer Raffinerie Sickerwasser gedrungen war. "Durch eine Kiesaufschüttung ist der Damm jetzt aber wieder sicher und es besteht keine Gefahr", sagte ein Sprecher des Landratsamtes. Nördlich von München rechnete der Landkreis Freising für Freitag mit einer Flutwelle auf der Amper und höheren Pegelständen der Isar, weil an einem Speicher flussaufwärts Wasser abgelassen wurde. "Wir werden wohl noch bis Samstag mit dem Hochwasser kämpfen", sagte eine Sprecherin des Landratsamtes Freising. Im Landkreis Erding nördlich von München wurde am Mittwochabend ein Isar-Damm stark unterspült und das Dorf Rosenau überschwemmt. "Es ist nach wie vor kritisch", sagte eine Sprecherin.

An Iller, Lech und Inn entspannte sich die Lage dagegen nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zunehmend. In den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Rosenheim wurde der Katastrophenalarm aufgehoben. Angesichts fallender Wasserstände erwarteten die bayerischen Behörden eine weitere Entspannung. In Südbayern begannen hingegen die Aufräum- und Reparaturarbeiten. Immer noch sind einige Straßen unpassierbar, mehrere Bahnlinien blieben weiter gesperrt.

Ein Toter bei Bootsunfall

Bei Rosenheim ertrank in der Nacht zum Donnerstag ein 28 Jahre alter Mann, der nach Polizeiangaben in einem Kinder-Schlauchboot bei Feldkirchen auf der Mangfall kenterte. Die Wasserwacht habe den Mann noch bergen und wiederbeleben können, wenige Stunden später sei er jedoch im Krankenhaus gestorben, erklärte die Polizei. Zwei Jugendliche Mitfahrer hätten sich unverletzt aus dem Boot gerettet. Die Polizei sprach von bodenlosem Leichtsinn. "Das Schlauchboot hatte eine Tragkraft von 50 Kilogramm. Es ist für kleine Kinder im Schwimmbad gedacht und nicht für drei Erwachsene auf einem reißenden Fluss", sagte ein Sprecher. In der Schweiz waren in den vergangenen Tagen sieben Menschen im Hochwasser umgekommen, in Österreich drei. Im Landkreis Hof rettete ein siebenjähriger Junge einen Vierjährigen aus den Fluten der Regnitz. Das Kind war bei einem Spaziergang mit seiner Großmutter in den Fluss gefallen. Nach der Rettung verschwand der junge Helfer, den die Polizei ausdrücklich lobte. "Das war eine riesige Tat. Wenn wir den Jungen finden, werden ihn für eine Lebensrettermedaille vorschlagen", sagte eine Polizeisprecherin in Hof.

Schnappauf weist Kritik zurück

Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf wies unterdessen erneut Kritik am Hochwasserschutz des Freistaats zurück. "Die, die sich jetzt aus der Ferne äußern, haben von der Sachlage offensichtlich überhaupt keine Kenntnisse", kritisierte er im Deutschlandfunk. Zugleich wies er darauf hin, dass der Klimawandel gestoppt werden müsse, der die Überschwemmungen fördere. Bereits heute plane Bayern Hochwasserschutzmaßnahmen gewöhnlich etwa 15 Prozent größer als eigentlich nötig, um dem Klimawandel gerecht zu werden. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte Stoiber am Mittwoch vorgeworfen, aus Spargründen wichtige Investitionen vernachlässigt zu haben. Schröder selbst wollte sich am Abend bei einem Besuch in Augsburg ein Bild von der Lage verschaffen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters