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Boeing-Absturz in der Ukraine: Das Rätsel um Flug MH17

Fast vier Monate nach dem Absturz des Flugs MH17 in der Ostukraine ist die Schuldfrage weiter ungelöst. Wird die Tragödie jemals aufgeklärt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Kerzen für die Opfer des Flugs MH17 - hier in Malaysia

Kerzen für die Opfer des Flugs MH17 - hier in Malaysia

Noch vor Wintereinbruch wollen Experten im Konfliktgebiet Ostukraine die Trümmer des am 17. Juli abgestürzten Flugzeugs mit der Flugnummer MH17 bergen. Doch die blutigen Kämpfe zwischen ukrainischem Militär und prorussischen Separatisten verhindern, dass die Ermittler ungestört arbeiten können. Mithilfe der Wrackteile der Boeing-777 will die Untersuchungskommission klären, warum die Maschine mit 298 Menschen abstürzte. Einige Fragen und Antworten zu dem Vorfall:

Wie ist die Lage an der Absturzstelle?

Die Trümmer der malaysischen Passagiermaschine sind über Dutzende Kilometer verstreut, weil das Flugzeug schon in der Luft auseinanderbrach und die Teile in alle Richtungen flogen. Schon im Sommer mussten inmitten andauernder Kämpfe die Leichenteile und persönlichen Gegenstände auf Feldern, Wohngrundstücken und Straßen eingesammelt werden. Weil die Lage im Kriegsgebiet lebensgefährlich ist, mussten Ermittler die Arbeiten immer wieder einstellen - wie auch jetzt beim Auflesen weiterer Überreste und Wrackteile.

Was soll mit den Trümmern passieren?

Bevor der Winter einbricht und Schnee alles überdeckt, sollen die Wrackteile zusammengetragen werden. Experten wollen die Boeing-777 für die Ermittlungen rekonstruieren. Das soll Aufschluss über die Ursache das Absturzes bringen. Ermittler teilten mit, dass es an vielen Trümmern Einschlagspuren von Geschossteilen gebe. Die genaue Untersuchung dieser Löcher und Geschosssplitter könnte klären, welche Waffe eingesetzt wurde, um die Maschine abzuschießen.

Warum ist noch immer nicht klar, wer die Maschine abgeschossen hat?

Die Ermittlungen sind sehr aufwendig, es fehlen Beweise. Die Konfliktparteien geben sich gegenseitig die Schuld. Das Flugzeug stürzte zwar über dem Gebiet ab, das die prorussischen Separatisten beherrschen. Unklar ist aber, ob die Aufständischen Waffen hatten, um Maschinen in mehr als 10.000 Metern Höhe zu treffen. Fraglich ist konkret, ob sie ein funktionstüchtiges Buk-Abwehrsystem hatten. Dies könnte nur von Profis bedient werden. Die Separatisten schossen zwar vor der Tragödie mehrfach Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe ab. Dazu setzten sie aber Waffensysteme mit geringerer Reichweite ein.

Wer außer den Separatisten könnte noch geschossen haben?

Die Aufständischen gelten als Hauptverdächtige, die möglicherweise aus Versehen die MH17 trafen. In Russland hingegen ist die Meinung verbreitet, dass es ukrainische Streitkräfte gewesen sein könnten - um die Separatisten bloßzustellen und dem Westen einen Grund zu geben, Kiews Militäroffensive im Osten mit Waffen und Soldaten zu unterstützen. Erinnerungen gab es auch an 2001, als die ukrainische Luftwaffe ein russisches Passagierflugzeug über dem Schwarzen Meer abschoss. Die Ukraine bestritt damals eine Schuld, bis eine Untersuchung den Fall aufklärte. Russland verlangt deshalb unabhängige Ermittlungen, ohne voreilige Schlüsse.

Um welche Fragen geht es bei dem Kriminalfall noch?

Aus den USA und der EU gab es rasch Vorwürfe an Russland, die Separatisten zu bewaffnen und deshalb für den Konflikt im Donbass sowie den Abschuss verantwortlich zu sein. Westliche Geheimdienste verkündeten, sie hätten Beweise für eine Täterschaft der Separatisten. Russland fordert, dass diese vorgelegt werden. Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte Satellitenbilder und Skizzen von Flugbahnen veröffentlicht und gab an, ein anderes Flugzeug in der Nähe der MH17 geortet zu haben, das die Maschine abgeschossen haben könnte. Ein russischer General sprach sogar von einer ukrainischen Militärmaschine, ohne dies zu belegen.

Kann die Schuldfrage jemals geklärt werden - oder bleiben die Verantwortlichen unbestraft?

Die Ermittlungen der Absturzursache können sich Jahre hinziehen. Wenn es zur Debatte der Schuldfrage kommt, dürfte es juristisch auch um die Frage gehen, warum die Ukraine ihren Luftraum über dem Kriegsgebiet erst nach der Tragödie für die zivile Luftfahrt sperrte. Die Separatisten hatten in den Tagen vor dem Absturz der MH17 zahlreiche ukrainische Kampfjets und Transportflugzeuge abgeschossen. Zudem gab es in den Tagen vor dem Abschuss Vorwürfe aus Kiew, die Separatisten seien im Besitz der Buk-Abwehranlage. Nach diesen Darstellungen hätte die Ukraine, wie Beobachter meinen, mit der Gefahr eines Abschusses von Passagiermaschinen in großer Höhe rechnen müssen - und gar keine zivilen Flüge zulassen dürfen.

and/Ulf Mauder/DPA / DPA