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MH17-Tragödie: Kämpfe an Absturzstelle verhindern Arbeit der Experten

Wegen heftiger Kämpfe können die niederländischen Experten nicht zur Absturzstelle des Fluges MH17 gelangen. Ukrainische Truppen versuchen angeblich, die Unglücksstelle gewaltsam zu erobern.

Die Eltern eines der Opfer haben Blumen an der hart umkämpften Absturzstelle der MH17 hinterlassen

Die Eltern eines der Opfer haben Blumen an der hart umkämpften Absturzstelle der MH17 hinterlassen

Ukrainische Truppen versuchen nach Kiewer Angaben, die Absturzstelle der malaysischen Boeing im Osten von den prorussischen Separatisten zu erobern. Ein Sprecher des nationalen Sicherheitsrates nannte am Sonntag in Kiew als Ziel, internationalen Experten für ihre Untersuchungen sicheren Zugang zur Unglücksstelle zu verschaffen. In den Tagen vorher hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko eine Waffenruhe im Umkreis von 40 Kilometern um die Absturzstelle bei Grabowo zugesagt.

Nach Berichten vor Ort waren am Sonntag Panzer der ukrainischen Armee wie der Separatisten in der Nähe. Granateinschläge waren zu hören, über dem Gebiet standen Rauchwolken. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) brachen eine Fahrt zur Unglücksstelle ab und kehrten nach Donezk zurück. Zehn Tage nach dem Absturz der Boeing der Malaysia Airlines über der Ostukraine sollte das Team mit 30 forensischen Experten erstmals zu der Stelle fahren, um dort mögliche weitere Opfer zu bergen.

Erstes Opfer identifiziert

Am Samstag konnte ein erstes Opfer des Flugzeugabsturzes identifiziert werden. Wie niederländische Medien unter Berufung auf die Regierung berichteten, handelt es sich um einen Niederländer. Angaben zu Person und Geschlecht wurden nicht gemacht. Die Angehörigen und der Bürgermeister der Heimatgemeinde seien informiert worden. Die malaysische Passagiermaschine mit 298 Menschen an Bord war am 17. Juli #link;http://www.stern.de/panorama/flug-mh17-so-sieht-es-an-der-absturzstelle-aus-2124814.html;auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine vermutlich abgeschossen# worden. Mehr als 200 Experten untersuchen die Leichen in einer Kaserne in Hilversum.

Die #link;http://www.stern.de/politik/ausland/absturz-ueber-der-ostukraine-luftbruecke-fuer-mh17-opfer-vorerst-beendet-2126649.html;Luftbrücke für die Opfer des MH17-Flugzeugabsturzes in die Niederlande ist vorerst beendet#. Zwei Militärmaschinen aus Australien und den Niederlanden brachten am Samstag weitere 38 Särge nach Eindhoven. Es war der vierte Transport in Folge aus der ostukrainischen Stadt Charkow.

15 getötete Zivilisten, etwa 60 Verletzte

Damit sind 227 Särge mit menschlichen Überresten des abgestürzten Fluges MH17 übergeführt worden. Um wie viele der insgesamt 298 Opfer es dabei geht, ist nicht klar. Erst beim Öffnen der Leichensäcke werden Gerichtsmediziner das feststellen können. Die niederländische Regierung rechnet damit, dass sich an der Absturzstelle noch weitere Opfer befinden. Um ihre Bergung zu ermöglichen, trafen am Samstag in Charkow 40 unbewaffnete niederländische Militärpolizisten ein.

Allerdings kam es im Konfliktgebiet im Osten der Ukraine am Samstag zu schweren Kämpfen. Am Rand der Millionenstadt Donezk lieferten sich Kiew-treue Truppen und prorussische Separatisten Artilleriegefechte. "Die Nacht war sehr unruhig", teilte Bürgermeister Alexander Lukjantschenko mit. Bürger sollten nur im Notfall auf die Straße gehen und sich möglichst im Stadtzentrum aufhalten. Gekämpft wurde unter anderem am derzeit stillgelegten Flughafen.

Die Separatisten warfen der ukrainischen Armee vor, die Stadt mit Raketenwerfern zu beschießen. Bei Granatwerferbeschuss der Ukraine auf Lugansk seien 15 Zivilisten getötet und etwa 60 verletzt worden, teilten die Separatisten mit. Eine unabhängige Bestätigung gab es nicht.

EU drückt bei Sanktionen aufs Tempo

Gekämpft wurde auch an mehreren Abschnitten der Grenze zu Russland. Die Separatisten eroberten nach eigenen Angaben den Grenzübergang Marinowka im Süden des Gebiets Donezk. Dort hatte die ukrainische Armee bislang einen schmalen Landstreifen verteidigt, um ein Eindringen von Waffen und Kämpfern aus Russland zu verhindern.

Nach langem Zögern drückt die Europäische Union in der Ukraine-Krise bei Sanktionen gegen Russland aufs Tempo. Am Samstag verbot die EU den Spitzen des Moskauer Sicherheitsapparates die Einreise. Die Leiter der Inlands- und Auslandsgeheimdienste, Alexander Bortnikow und Michail Fradkow, sowie Sicherheitsratschef Nikolai Patruschew kamen auf die Sanktionsliste. Eventuelle Konten in der EU werden gesperrt. Auch Organisationen der prorussischen Aufständischen in der Ostukraine werden mit Sanktionen belegt. Moskau kritisierte die Sanktionen gegen die Geheimdienstler: Die EU habe damit die gemeinsame Sicherheitspolitik aufgekündigt.

Van Rompuy bittet um rasche Zustimmung

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy bat die 28 Staats- und Regierungschefs der EU schriftlich um rasche Zustimmung zu neuen Wirtschaftssanktionen. Die Regierungschefs sollten ihre EU-Botschafter anweisen, am Dienstag die geplanten Maßnahmen zu billigen. Damit soll ein weiterer EU-Sondergipfel vermieden werden.

EU-Sanktionen sollten vor allem die russischen Oligarchen treffen, sagte der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Die Oligarchen seien die Grundpfeiler der russischen Politik. "Wir müssen ihre Konten in den europäischen Hauptstädten einfrieren und ihre Einreiseerlaubnisse widerrufen", sagte der SPD-Chef dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

mod/DPA / DPA