VG-Wort Pixel

Athen-Besuch der Kanzlerin Keine Chance für Anti-Merkel-Proteste


2012 war der Besuch der Kanzlerin in Griechenland noch von Krawallen begeitet, jetzt wurde das Regierungsviertel komplett abgeriegelt. Die Stimmung bleibt angespannt - trotz vielversprechender Pläne.

Einen Tag nach der Rückkehr Griechenlands an die Kapitalmärkte ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in die griechische Hauptstadt Athen gereist. Merkel will die Regierung um den konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras in ihrem Sparkurs bestärken. Neben Gesprächen mit Samaras sind Treffen mit griechischen Mittelständlern und jungen, innovativen Unternehmern geplant. Ausschreitungen wie beim jüngsten Athen-Besuch Merkels im Oktober 2012 sollen mit einem hohem Polizeiaufgebot verhindert werden.

Damals war die Kanzlerin wegen ihres harten Sparkurses in der Euro-Schuldenkrise von vielen Menschen in Griechenland auch persönlich für die Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen verantwortlich gemacht worden. Inzwischen hat sich die Stimmung gegenüber der deutschen Kanzlerin zumindest ein bisschen zum Positiven gewandelt.

Regierungsviertel abgeriegelt

Nervosität herrscht trotzdem. In Athen verbot die Polizei nach der Explosion einer Autobombe, die am Donnerstag Sachschäden angerichtet hatte, für Freitag alle Demonstrationen im Regierungsviertel. In der griechischen Hauptstadt trafen die Ordnungshüter starke Sicherheitsvorkehrungen. Polizisten kontrollierten schon vor dem Eintreffen der Kanzlerin das Regierungsviertel. Zudem wurden am Vormittag zwei U-Bahnstationen in der Nähe der Tagungsorte geschlossen. Linke Organisationen und die größte Oppositionspartei Bündnis der radikalen Linken wollten am Nachmittag außerhalb des Sperrgebietes demonstrieren.

Nach Informationen von "Handelsblatt Live" wollen Merkel und Samaras dabei die lange geplante griechische Förderbank mit einer Zwischenlösung auf den Weg bringen. Athen und Berlin wollten je 100 Millionen Euro dafür aufbringen, berichtet die Internetzeitung. Die Absichtserklärung dazu solle am Freitag unterzeichnet werden. Berlin wolle das Geld über die KfW-Bank bereitstellen, die auch Vorbild des geplanten Instituts zur Kreditförderung kleiner und mittlerer Unternehmen sei. Später sollen sich auch Frankreich, die EU und die Europäische Investitionsbank (EIB) an dem Bankprojekt beteiligen.

Kanzlerin "bewundert den griechischen Weg"

Merkel hatte vor wenigen Tagen beim CDU-Europaparteitag ihre zentrale Botschaft für Samaras und die Griechen angedeutet. Griechenland gehe einen schweren Weg. "Aber wir stehen Griechenland zur Seite", sagte sie. Ihr Sprecher Steffen Seibert sagte kürzlich, die Kanzlerin bewundere den griechischen Weg. Zwar sei er für große Teile der Bevölkerung schwer, zeige nun aber erste Erfolge.

Griechenland war am Donnerstag - fast vier Jahre nach dem Finanzkollaps - an die Kapitalmärkte zurückgekehrt. Erstmals seit dem Hilferuf an die Euro-Partner vertrauten private Investoren dem Land wieder längerfristig Geld an. Nach Angaben des Finanzministeriums in Athen wurden drei Milliarden Euro am Anleihemarkt eingesammelt, rund eine halbe Milliarde mehr als angepeilt.

Deutschland wieder beliebter

Die meisten Analysten waren sich am Freitag einig: Egal was Merkel mitbringt - ihr Besuch sei ein Zeichen des Vertrauens in Samaras. Der ehemalige griechische Außenminister Dimitris Droutsas hält den Besuch hingegen für eine Inszenierung im Europa-Wahlkampf. Der Sozialist warnte im Südwestrundfunk auch vor zu viel Euphorie über Griechenlands Aktivitäten auf den Finanzmärkten. "Ich glaube nicht, dass Griechenland ohne einen weiteren großzügigen Schuldenschnitt in der Zukunft wieder auf eigenen Füßen stehen kann."

Der griechische Journalist Jannis Papadimitriou erklärte in "Deutschlandfunk"-Interview, dass man nach mehreren Besuchen deutscher Spitzenpolitiker davon ausgehe, Deutschland spreche sich ausdrücklich für einen Verbleib Griechenlands in der EU aus. Was die Haltung gegenüber Deutschland betreffe, "ist das Schlimmste überstanden", so die Einschätzung Papadimitrious.

Das neue ZDF-Politbarometer ergab, dass nur 22 Prozent der Deutschen die Euro-Krise bereits als überwunden ansehen. Eine Mehrheit von 51 Prozent ist jedoch der Meinung, dass von Griechenland keine große Gefahr für die Stabilität des Euro ausgeht. Deutliche Sorgen macht die Wirtschaftskrise in Griechenland 45 Prozent der Befragten.

awö/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker