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+++ Liveticker zu Libyen +++: Gaddafi ruft zum Kampf auf

Die Rebellen behaupten, sie hätten den Wohnkomplex eingekreist, in dem sich Muammar al Gaddafi aufhält. Der meldet sich per Audiobotschaft zu Wort und ruft die Bevölkerung zum Kampf auf. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker.

+++ 21.14 Uhr: Libysche Rebellen ernennen Botschafter für Deutschland +++

Der libysche Übergangsrat hat laut "Financial Times Deutschland" einen neuen Botschafter für Deutschland ernannt. Der im fränkischen Kreis Hof lebende Arzt Ali Masednah Idris al Kothani habe in den vergangenen Monaten Hilfslieferungen in die Rebellenhochburg Benghasi organisiert, berichtete die Zeitung. Sein Vorgänger hatte sich nicht von Machthaber Muammar al Gaddafi distanziert und sich ins Ausland abgesetzt.

+++ 18.16 Uhr: Gaddafi ruft zum Kampf auf +++

Muammar al Gaddafi hat sich vier Tage nach dem Fall seiner Festung in Tripolis in einer Audio-Botschaft erneut zu Wort gemeldet. Er rief die Bevölkerung am Donnerstag zum Widerstand gegen die Rebellen auf, die er als Ratten bezeichnete. Auch Frauen und Kinder sollten am Kampf teilnehmen, sagte Gaddafi nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira in der kurzen Audiobotschaft. Diese wurde von einem regimetreuen Sender ausgestrahlt.

In der Botschaft habe Gaddafi seine Anhänger aufgerufen, all jene aus der Hauptstadt zu vertreiben, die Schande gebracht hätten. Die Imame in den Moscheen sollten die Jugend zum Heiligen Krieg gegen die Rebellen aufrufen. "Vernichtet sie (die Rebellen) schnell. Ihr seid die große Mehrheit", rief er. "Erlaubt den Ratten nicht, Tripolis an die Kolonialmächte zu übergeben."

+++ 16:16 Uhr: Hälfte des Übergangsrates trifft in Tripolis ein +++

In einem Triumphzug ist die Hälfte der Minister des libyschen Übergangsrates in einem Konvoi in den Westen von Tripolis eingefahren. Entlang der Straße sei den politischen Führern des Aufstandes zugejubelt worden, berichtete eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur DPA, die die Fahrt begleitete. Der Verantwortliche des Übergangsrates für das Ölgeschäft, Ali al Tarhuni, sagte: "Endlich sind wir da." Eine zunächst geplante Pressekonferenz wurde verschoben, weil sie aus symbolischen Gründen im Stadtzentrum stattfinden solle.

+++ 16:12 Uhr: Rebellenführer: Haben Gaddafi eingekreist +++

Libysche Rebellen glauben nach Angaben eines örtlichen Kommandeurs, den untergetauchten Diktator Muammar al Gaddafi eingekreist zu haben. Gaddafi sei in einem Wohnkomplex nahe seines Militärhauptquartiers aufgespürt worden, sagte der Kommandeur dem US-Nachrichtensender CNN. Im sozialen Netzwerk Facebook bezweifelten in Tripolis lebende Libyer aber diese Angaben. Demnach sei völlig unklar, wer sich in dem Haus aufhalte. Andere Rebellenführer hatten am Donnerstag vermutet, dass sich Gaddafi außerhalb der Hauptstadt Tripolis aufhalte.

+++ 16:07 Uhr: Rebellen übernehmen Sitz bei Arabischer Liga +++

Die Arabische Liga hat den Übergangsrat der libyschen Rebellen als offiziellen Vertreter des Landes zu ihren Sitzungen zugelassen. Die Mitgliedsländer der Staatengemeinschaft seien sich einig, dass der Übergangsrat derzeit "der einzige legitime Repräsentant Libyens" sei, sagte Generalsekretär Nabil al Arabi. Am Samstag sollen die Rebellen demnach bei einer Zusammenkunft der Liga in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zum ersten Mal an einer Sitzung teilnehmen. Bei dem Treffen solle über die Entwicklungen in Libyen und Syrien gesprochen werden.

+++ 15:20 Uhr: Wurden Wehrlose exekutiert? +++

In Libyen mehren sich die Anzeichen für willkürliche Hinrichtungen wehrloser Gegner. Die Leichen von über 30 Männern, die höchstwahrscheinlich zu den Truppen von Machthaber Muammar Gaddafi gehörten, seien in einem Feldlager im Zentrum von Tripolis gefunden worden, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters. Die Körper seien von Kugeln durchsiebt worden. Bei mindestens zweien seien die Hände mit Kabelbindern gefesselt gewesen. Fünf der Toten seien in einem Feldlazarett gefunden worden. Einer lag in einem Krankenwagen, in seinem Arm befand sich eine Nadel, über die ihm intravenös eine Flüssigkeit zugeführt worden war. In ein Krankenhaus in Tripolis wurden die Leichen von 17 Zivilisten eingeliefert, die nach Angaben einer britischen Helferin von Gaddafi-Kämpfern exekutiert wurden.

+++ 15:06 Uhr: Gaddafi ist nicht in Tripolis +++

Aufständische in Libyen glauben, dem früheren libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi auf der Spur zu sein. "Gaddafi ist nicht in Tripolis. Er ist an einem Ort ungefähr 150 Kilometer von Tripolis entfernt mit einem seiner Söhne", sagte Atman Ibrahim Mleita, Kommandeur der Rebelleneinheit al Karkar, am Donnerstag im Westen der Hauptstadt. Weitere Angaben machte er nicht.

+++ 14:36 Uhr: Italien gibt Millionen Euro frei +++

Italien gibt für die Aufständischen in Libyen eingefrorene Gelder des Landes in Höhe von 350 Millionen Euro frei. Dies sei eine erste Tranche des Geldes, das Rom von Guthaben der Regierung des bisherigen Machthabers Muammar al Gaddafi blockiert habe, sagte Ministerpräsident Silvio Berlusconi nach einem Treffen mit dem Regierungschef der Aufständischen, Mahmud Dschibril, in Mailand. Nach Angaben des italienischen Außenministers Franco Frattini soll der Betrag in der kommenden Woche als Vorschuss an die Aufständischen weitergeleitet werden.

+++ 14:10 Uhr: Nato hilft bei Jagd auf Gaddafi +++

Libyens Rebellen machen mit Hilfe der Nato Jagd auf den untergetauchten langjährigen Machthaber Muammar Gaddafi. "Das Ende kommt erst, wenn er gefangen ist, tot oder lebendig", sagte der Chef des Übergangsrats der Rebellen, Mustafa Abdel Dschalil. Großbritanniens Verteidigungsminister Liam Fox sagte, die Nato versorge die Aufständischen mit Geheimdienstinformationen, um ihnen bei der Suche nach Gaddafi zu helfen. Zugleich sagte Fox dem Sender "Sky News""Daily Telegraph"

+++ 13:36 Uhr: Gaddafis Schönheitschirurg packt aus +++

Etwa 17 Jahre nach einer streng geheimen Schönheitsoperation an den Tränensäcken von Muammar al Gaddafi hat der brasilianische Chirurg Liacyr Ribeiro erstmals Details über den Eingriff verraten: 1994 sei er gebeten worden, denn starken Mann Libyens zu untersuchen: "Wir sind zu seinem Bunker gefahren und ich habe ihm gesagt, dass es dort zu dunkel für eine Untersuchung sei, woraufhin wir in eine sehr moderne Zahnarztpraxis gingen", sagte Ribeiro. "Es war beeindruckend, ich hätte nie damit gerechnet, so etwa zu sehen", ergänzte er. "Zu dieser Zeit war Gaddafi körperlich in guter Verfassung", so Ribeiro, der dem Machthaber nach eigenen Angaben ein Jahr später auch Haare implantierte. Gaddafis gesamtes medizinisches Personal habe aus dem Ausland gestammt - aus Pakistan, Russland, Ägypten und Jugoslawien. "Ich glaube, er hatte Angst, dass die Libyer ihn ermorden", sagte Ribeiro.

+++13:06: Krankenhäuser in Tripolis überfüllt+++

Die Krankenhäuser in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mit Verwundeten überfüllt. Fast alle hätten Schussverletzungen. "In den Krankenhäusern, die ich seit dem Beginn der Auseinandersetzungen besucht habe, spielten sich oft chaotische Szenen ab", berichtete Einsatzleiter Jonathan Whittall nach Angaben der Organisation. "Es gibt einen Mangel an Medizinern in den Einrichtungen, aber es gibt auch eine große Zahl Freiwilliger, die in die Krankenhäuser kommen, um zu helfen, wo sie können. Aber das alles schafft ein sehr chaotisches Umfeld", sagte Whittall. Neben einer Klinik in Tripolis seien Häuser in eine stationäre Abteilung umgewandelt worden. "In einem dieser Häuser lagen die Patienten auf dem Boden und auf Tischen", erzählte der Mediziner. Besserung sei indes in Sicht. "Jetzt, wo die Lage in der Stadt beginnt, sich etwas zu beruhigen, können sich die Krankenhäuser auch um die Patienten kümmern, die es bislang nicht zu ihnen geschafft haben", berichtete Whittall.

+++ 12:11 Uhr: Entführte italienische Journalisten wieder frei +++

Die vier in Libyen entführten italienischen Journalisten sind wieder frei. Wie das Außenministerium in Rom mitteilte, wurden die von Kämpfern des bisherigen libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi verschleppten Journalisten wieder auf freien Fuß gesetzt. Die drei Männer und eine Frau waren am Mittwoch zwischen der Stadt Sawijah und der Hauptstadt Tripolis aus ihrem Auto heraus verschleppt worden. Ihr Fahrer wurde von den Entführern getötet.

+++ 11:57 Uhr: Angeblich 20.000 Häftlinge befreit +++

Die libyschen Rebellen haben nach eigenen Angaben bei ihrem Vordringen in Tripolis etwa 20.000 politische Häftlinge befreit. Die Häftlinge seien am Mittwoch im Stadtteil Bu Salim befreit worden, berichtete der in Doha ansässige Nachrichtensender al Dschasira nun.

+++ 11:50 Uhr: Libyscher Botschafter verlässt Deutschland +++

Der libysche Botschafter in Berlin hat Deutschland verlassen. Jamal Ali Omar al Baraq "hält sich nach unseren Erkenntnissen derzeit nicht in Deutschland auf", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes der Nachrichtenagentur AFP. Er bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times Deutschland", wonach al Baraq sich ins Ausland abgesetzt hat. Aus Ministeriumskreisen hieß es, die libysche Botschaft habe ihn beim Auswärtigen Amt zu einer "Auslandsreise" abgemeldet. Laut dem Ministeriumssprecher ist al Baraq nach wie vor der in Deutschland akkreditierte Botschafter. Anfang April wurde berichtet, das Auswärtige Amt wolle al Baraq und fünf weitere libysche Diplomaten ausweisen, weil sie in Deutschland lebende libysche Dissidenten ausgespäht und unter Druck gesetzt hätten.

+++ 10:44 Uhr: Rebellen durchsuchen Gaddafi-Bunker +++

Zwei Tage nach Erstürmung seiner Residenz in Tripolis durch Rebellen bleibt der langjährige libysche Diktator Muammar al Gaddafi verschwunden. Kämpfer der Aufständischen durchkämmen nun die ausgedehnten Bunkeranlagen unter der riesigen Militäranlage Bab al Asisija, wie der arabische Fernsehsender al Dschasira berichtet.

+++ 10:35 Uhr: Gaddafi hat Milliarden an Goldreserven +++

Muammar al Gaddafi verfügt nach Angaben seines früheren Zentralbankchefs über Goldreserven in Milliardenhöhe und könnte diese einsetzen wollen, um Chaos zu säen. Das sagte Farhat Bengdara der Mailänder Zeitung "Corriere della Sera". Aus seiner Sicht könnte Gaddafi einen Teil des Goldes im Wert von insgesamt zehn Milliarden Dollar (knapp sieben Milliarden Euro) mit auf die Flucht genommen haben, auch um einige libysche Stämme und Milizen zu bestechen und für seinen Schutz zu gewinnen.

+++ 10:03 Uhr: Tunesiens Armee versorgt libysche Flüchtlinge +++

Trotz des allmählich zu Ende gehenden Konflikts in Libyen fliehen die Bewohner weiter über die Grenze nach Tunesien. Die dortigen Streitkräfte haben nach Angaben der staatlichen tunesischen Nachrichtenagentur TAP mittlerweile eine Infrastruktur zur Versorgung aufgebaut. Auch in zivilen Krankenhäusern werden Verwundete versorgt. Der zuständige Oberst Mohamed Souissi hatte am Vorabend internationalen Hilfsorganisationen vorgeworfen, mit ihrer Hilfe weit hinter den Hoffnungen zurückzubleiben. Insgesamt versorge die Armee in Absprache mit den tunesischen Behörden rund 4000 libysche Flüchtlinge, die sich noch in Lagern zwischen den grenznahen Orten Ben Guerdane und Ras Jedir aufhielten. Bis zum 23. August seien im örtlichen Lazarett 577 Verletzte versorgt worden, die sich trotz ihrer Verwundung über die Grenze gerettet hatten.

+++ 6:35 Uhr: Regimeanhänger geben nicht auf +++

Nach Rebellen-Angaben befinden sich "90 bis 95 Prozent" Libyens in der Hand der Aufständischen. Dennoch leisten Gaddafis Truppen weiter Widerstand. Sie hätten Suara umstellt, sagte der Koordinator der militärischen Aktionen der Rebellen in der Region Senten, Abdu Salem. "Die Rebellen haben seit drei Tagen die Kontrolle über das Zentrum von Suara." Seitdem werde die Stadt bombardiert. An der östlichen Front stießen die Rebellen nach eigenen Angaben auf unerwartet großen Widerstand, was den Vormarsch auf Gaddafis Heimatstadt Sirte erschwerte.

+++ 4:49 Uhr: Ranghoher Offizier läuft zu libyschen Rebellen über +++

Nach der Eroberung der Hauptstadt Tripolis durch die Rebellen laufen immer mehr Vertraute des langjährigen Machthabers Muammar al Gaddafi zu den Aufständischen über. Die Nummer Zwei des libyschen Geheimdienstes, Khalifah Mohammad Ali, erklärte im Fernsehsender al Arabija, er stelle seine Dienste der Revolution vom 17. Februar zur Verfügung. Zugleich rief er alle weiteren Geheimdienstmitarbeiter und Soldaten auf, seinem Beispiel zu folgen. Auch Gaddafis Gesundheitsminister Mohammed Hidschasi wechselte die Seiten und begründete den Schritt mit der Eroberung der Hauptstadt. Trotz dieses Erfolgs ermahnte er die Aufständischen zur Vorsicht: "Das Gaddafi-Regime hat so seine Tricks und Taktiken. Man muss mit allem rechnen. Ich warne die Rebellen, bleibt wachsam."

+++ 4:00 Uhr: Ende Gaddafis ist Chance für Konsumklima +++

Das Ende des Gaddafi-Regimes in Libyen bedeutet nach Ansicht von Marktforschern auch eine Chance für das Konsumklima in Deutschland. Sollten sich infolge eines Gaddafi-Sturzes stabile Verhältnisse in Libyen einstellen, "wäre ein Krisenherd weg. Damit könnte sich auch die Ölversorgung verbessern", sagte Marktforscher Rolf Bürkl von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) der Nachrichtenagentur DPA. "Wenn sich die Rohölpreise verringern, ist das sicher ein gutes Zeichen für die Verbraucher", unterstrich Bürkl.

+++ 3:32 Uhr: Südafrika will keine Gelder freigeben +++

Südafrika sperrt sich gegen die Freigabe eingefrorener libyscher Bankguthaben. Bei Verhandlungen mit den USA und anderen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates in New York forderte der südafrikanische UN-Botschafter Baso Sangqu, die Entscheidung der Afrikanischen Union über eine Anerkennung des Nationalen Übergangsrates der libyschen Rebellen abzuwarten. Die AU werde bereits am Donnerstag zusammenkommen, um zu entscheiden, ob sie den Übergangsrat als Vertreter Libyens anerkenne oder nicht. "Wir bitten nur um etwas Zeit."

+++ 0:24 Uhr: Gaddafi-Kämpfer attackieren Suara +++

Kämpfer des libyschen Ex-Machthabers Gaddafi haben nach Angaben der Rebellen die westlibysche Stadt Suara angegriffen. Gaddafis Truppen hätten die Stadt umstellt und bombardiert, sagte der Koordinator der militärischen Aktionen der Rebellen in der Region Senten, Abdu Salem. "Die Rebellen haben seit drei Tagen die Kontrolle über das Zentrum von Suara." Seitdem werde die Stadt von den regierungstreuen Kämpfern bombardiert. Die Küstenstadt Suara liegt an der strategisch wichtigen Straße, die die libysche Hauptstadt Tripolis mit der tunesischen Grenze verbindet.

nik/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters