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US-Wahl 2016 "Der vielversprechendste Kandidat": Bericht soll Unterstützung Trumps durch den Kreml belegen

Trump verteidigt Putin-Glückwünsche - und teilt gegen seine Amtsvorgänger aus
Wer wusste über wen was, wann? Putin (r.) und Trump 2017 in Vietnam
© Mikhail Klimentyev / AFP
Am 22. Januar 2016 soll der Kreml beschlossen haben, Donald Trump ins Weiße Haus zu verhelfen. Das geht aus Dokumenten hervor, die dem "Guardian" vorliegen. Der Kandidat habe am ehesten das Zeug die USA, wie von Russland gewünscht, zu "destabilisieren".

Das interne Papier fiel nicht eben schmeichelhaft für den Kandidaten aus: "Impulsiv, psychisch labil, eine unausgeglichene Person, die an einem Minderwertigkeitskomplex leidet". Der Report läuft unter dem Zeichen "No 32-04 \ vd", ist geheim und kommt alles in allem zu dem Schluss, dass der Mann der beschrieben wird, aus Sicht des Kremls "der vielversprechendste Kandidat" sei. Der britische "Guardian" zitiert aus den ihm vorliegenden Bericht, offenbar in Auftrag gegeben von Wladimir Putin persönlich, und das Dokument befasst sich mit Donald Trump.

Viele Beobachter sind sich schon lange sicher, dass Russland den Kandidaten der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 2016 unterstützt hat. Der Report scheint die Annahmen zu bestätigen. Zumindest in Grundzügen. Laut der Zeitung forderte die Regierung in Moskau, alle Kraft darauf zu verwenden, Trump ins Amt des US-Präsidenten zu hieven. "Ein Trump-Sieg 'wird definitiv zu einer Destabilisierung des gesellschaftspolitischen Systems der USA führen' und versteckte Unzufriedenheit ans Licht bringen, zitiert der "Guardian" aus dem Report.

Treffen am 22. Januar 2016 im Kreml

Der Plan, eine Geheimdienstaktion zugunsten Trumps durchzuführen, soll auf einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats am 22. Januar 2016 in Moskau beschlossen worden sein. Das Meeting selbst ist verbürgt. Dem "Guardian" zufolge waren außer Putin auch die Geheimdienstchefs des Landes sowie alle relevanten Minister anwesend. "Sie haben sich darauf verständigt, dass ein Weißes Haus unter Trump Moskaus strategischen Zielen entgegen käme; dazu zählten etwa "soziale Unruhen" in den USA, die die Verhandlungsposition des amerikanischen Präsidenten schwächen würden", schreibt das Blatt. Die Agenten von drei Geheimdiensten seien angewiesen worden, "praktische Wege zu finden, um Trump zu unterstützen" .

Schon kurz nach der Wahl Trumps zum Präsidenten wurde spekuliert, dass der Kreml dem republikanischen Kandidaten zu Hilfe geeilt war. US-Geheimdienste hatten Beweise dafür, dass Russland sich in die US-Wahl einmischt hatte. Ende 2016 hatte die scheidende Regierung von Barack Obama deshalb Sanktionen gegen Moskau erlassen. Auch beim vergangenen Urnengang im November 2020 hätten sich Geheimdienste für den damaligen Präsidenten Donald Trump eingesetzt und sich bemüht, dessen Herausforderer Joe Biden zu schaden und Unfriedenheit im Land zu säen", hieß es im Frühling in einem Bericht von Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines.

So hat Russland bei der US-Wahl mitgemischt

Russland habe sich bei seiner Kampagne auf seinen Geheimdienst, staatliche Medien, Internet-Trolls und Verbündete in der Ukraine gestützt, hieß es. Eine der wichtigsten Strategien Moskaus sei es gewesen, Biden und seiner Familie im Zusammenhang mit der Ukraine Korruption vorzuwerfen.

Aus dem dem "Guardian" vorliegenden Papier geht auch hervor, dass Russland "kompromittierendes Material" über Donald Trump besitze. Offenbar wurde es bei früheren Russland-Besuchen Trumps gesammelt. Der Bericht bezieht sich dabei auf "gewisse Ereignisse", die im Anhang des Reports näher erläutert werden, aber offenbar nicht dem Blatt vorliegen. Bereits 2018 wurde der so genannte "Steele-Report" eines britischen Agenten bekannt, in dem über pikante Details von Trumps Moskau-Aufenthalten berichtet wird. So soll der Immobilienmilliardär 2013 etwa eine Nacht in einem Moskauer Luxushotel zusammen mit urinierenden Prostituierten verbracht haben.

Die Reporter des "Guardian" haben den Kreml für ein Statement angefragt. Dessen Sprecher wies den Bericht zurück: "Die Vorstellung, dass die russische Führung sich Anfang 2016 zusammengestzt hätte, um die Unterstützung Trumps zu beschließen, hört sich an wie aus einem dicken Schundroman". Die Zeitung hat die Dokumente, von denen Geheimdienstler angeblich schon seit einigen Monaten wissen, Experten vorgelegt. Ihnen zufolge scheinen die Unterlagen echt zu sein, nebensächliche Details stimmten und sowohl Grundton als auch Tenor würden dem Kreml-Sicherheitsdenken entsprechen.

Quellen: "The Guardian", DPA, AFP

nik

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