"Times" Deutschland zahlte acht Millionen Euro für Irak-Geiseln

Nach Informationen der "Times" haben drei europäische Länder insgesamt 45 Millionen Dollar für Befreiung irakischer Geiseln gezahlt. Die deutsche Regierung soll für Susanne Osthoff, Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke acht Millionen Dollar bezahlt haben.

Die französische Regierung wies nachdrücklich einen britischen Zeitungsbericht zurück, wonach Deutschland, Italien und Frankreich bei der Freilassung von im Irak entführten Personen hohe Lösegeld-Summen gezahlt haben sollen. Die "Times" berichtete, aus Unterlagen der irakischen Sicherheitskräfte gehe hervor, dass die drei europäischen Länder insgesamt 45 Millionen Dollar (35 Millionen Euro) für die Freilassung von neun Geiseln gezahlt hätten. Deutschland soll für Susanne Osthoff drei Millionen Dollar und für Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke fünf Millionen Dollar bezahlt haben.

Tumultartige Szenen spielten sich am Montag im Prozess gegen den ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein ab. Der Vorsitzende Richter, Rauf Abdel Rahman, verwies eine Verteidigerin des Saales. Die Anwältin Buschra al Chalil hatte seine Aufforderung zu schweigen ignoriert. Saddam Hussein protestierte lautstark und reagierte auf ein Redeverbot des Richters mit den Worten: "Ich bin Saddam Hussein, der Präsident des Iraks. Ich stehe über allem." Abdel Rahman entgegnete: "Sie sind ein Angeklagter, kein Präsident."

Bush will zunehmend Verantwortung irakischer Regierung übertragen

Die irakischen Truppen sollen von Juni an "stufenweise und rasch" die volle Verantwortung für die Sicherheit von den multinationalen Truppen übernehmen. Dies erklärten der neue irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki und der britische Premierminister Tony Blair, der am Montag überraschend in Bagdad eintraf.

US-Präsident George W. Bush lobte den Amtsantritt der neuen irakischen Regierung unterdessen als Wendepunkt für das Land. Bis zum Ende des Jahres werde die Zuständigkeit für die Sicherheit in weiten Teilen des Landes in irakischen Händen liegen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung Blairs und Al-Malikis. Dann würden Koalitionstruppen möglicherweise nur noch in den Provinzen Bagdad und Anbar benötigt, sagte Al-Maliki. Die Zahl der Sicherheitskräfte werde bis dahin von derzeit 264.00 auf 325.000 aufgestockt.

Blair: Kein Zeitplan für Truppenabzug

Großbritannien hat nach den Worten Blairs keinen festen Zeitplan für den Abzug seiner Truppen aus dem Irak. Ausschlaggebend sei die Sicherheitslage, sagte Blair. "Die Gewalt hält uns hier, der Frieden erlaubt uns zu gehen", sagte Blair. Das zwei Tage zuvor vereidigte irakische Kabinett würdigte er als "Regierung der nationalen Einheit, die alle Grenzen und Trennlinien überschreitet". Dies bedeute, dass sektiererische Gewalt nicht mehr mit Ausgrenzung aus dem politischen Prozess gerechtfertigt werden könne. Bush sagte in einer Rede in Chicago, die Welt habe "den Beginn von etwas Neuem gesehen - einer rechtsstaatlichen Demokratie im Herzen des Nahen Ostens". "Dies ist eine freie Regierung unter einer demokratischen Verfassung, und ihre Bildung ist ein Sieg für die Freiheit im Nahen Osten."

Mit Blick auf die wachsende Kritik an seiner Irak-Politik sagte Bush, die USA hätten im Irak drei schwierige Jahre durchgemacht. "Und vor uns liegen weitere Tage der Herausforderung und des Verlustes", erklärte er. "Die Fortschritte, die wir gemacht haben, waren hart erkämpft und schrittweise. Es hat Rückschläge und Fehltritte wie Abu Ghraib gegeben. Sie waren sofort zu spüren und schwierig zu überwinden." Doch nun sei im "Kampf zwischen Freiheit und Terror" ein Wendepunkt erreicht, sagte der Präsident in seiner Ansprache vor Wirtschaftsvertretern.

Blair will Ende dieser Woche mit Bush über das weitere Vorgehen im Irak beraten. Blair werde dazu im Weißen Haus erwartet, kündigten sein Sprecher sowie die US-Regierung am Montag an. Auch die Europäische Union begrüßte den Antritt der neuen Regierung. Sie trage zum politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau bei, hieß es in einer Erklärung der österreichischen EU-Präsidentschaft. Der Wiederaufbau im Irak soll mit 200 Million Euro unterstützt werden.

Thomas Wagner/AP AP

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