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Abtrünnige Provinz Abchasien: Präsidentschaftswahl soll Unabhängigkeit untermauern

In der von Georgien abtrünnigen Provinz Abchasien, die nur von drei Ländern als unabhängig anerkannt wird, sind am Samstag Präsidentschaftswahlen abgehalten worden.

In der von Georgien abtrünnigen Provinz Abchasien, die nur von drei Ländern als unabhängig anerkannt wird, sind am Samstag Präsidentschaftswahlen abgehalten worden. Fünf Kandidaten bewarben sich um das oberste Amt, darunter der seit 2005 amtierende Präsident Sergej Bagapsch und sein früherer Stellvertreter Raul Chaschimba. Georgien verurteilte die "vollständige russische Okkupation" des Gebiets am Südrand des Kaukasus.

Alle fünf Kandidaten lehnen eine Wiedervereinigung Abchasiens, das etwa halb so groß wie Thüringen ist, mit Georgien ab. Seit der Proklamation der Unabhängigkeit Anfang der 90er Jahre hat der politische und wirtschaftliche Einfluss Russlands ständig zugenommen. Bagapsch führt den starken russischen Einfluss vor allem darauf zurück, dass die westlichen Staaten seinem Land nicht unter die Arme greifen wollten. Abchasien hat schätzungsweise 216.000 Einwohner, tausende von ihnen sind nicht wahlberechtigt, weil sie nicht die abchasische Staatsangehörigkeit beantragt oder erhalten haben. Das gilt auch für 50.000 auf dem abchasischen Gebiet lebende Georgier.

Als Sieger dürfte entweder Amtsinhaber Bagapsch oder sein Langzeit-Rivale Chaschimba durchs Ziel gehen. Die beiden Männer standen sich schon bei der Wahl im Jahr 2004 gegenüber - und beanspruchten damals beide den Sieg für sich. Überwunden wurde der Machtkampf dadurch, dass Bagapsch das Präsidentenamt ausübte und Chaschimba als seinen Stellvertreter einsetzte. Allerdings ging Chaschimba zuletzt wieder auf Distanz und legte das Vizepräsidentenamt im Mai nieder. Zu den weiteren Kandidaten zählten die Geschäftsleute Saus Ardsinba und Beslan Butba.

Außer Russland haben nur Nicaragua und Venezuela die Unabhängigkeit Abchasiens anerkannt. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili widersetzt sich mit allen Mitteln der Unabhängigkeit der beiden Provinzen Abchasien und Südossetien. Um die Vorherrschaft in Südossetien führten Georgien und Russland im August einen Fünf-Tage-Krieg. Der Versuch Georgiens zur Zurückdrängung des russischen Einflusses scheiterte dabei. Saakaschwilis Sprecherin Manana Manschgaladse beklagte am Samstag Abchasiens "vollständige russische Okkupation". Wiedevereinigungsminister Temur Jakobaschwili sagte, die Wahl in Abchasien sei eine "Farce" und "illegal".

Russland unterhält sowohl in Abchasien als auch in Südossetien Militärstützpunkte. Die Nutzungsrechte an der abchasischen Eisenbahn sind im Tausch gegen Reparaturarbeiten für zehn Jahre an Russland abgetreten. Im vergangenen Jahr kamen rund 1,5 Millionen Touristen nach Abchasien, das direkt an Russland angrenzt.

AFP / AFP