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Neuer Taliban-Chef: Achtar Mohammad Mansur will "Heiligen Krieg" fortführen

Der neue Anführer der Taliban in Afghanistan Achtar Mohammad Mansur will weiter für einen islamischen Staat kämpfen. Frieden könne es nur durch einen Taliban-Sieg geben. Die prowestliche Regierung in Kabul glaubt jedoch an Verhandlungen.

 

"Unsere Einheit wird unsere Feinde besiegen", so der neue Taliban-Chef Mansur.

"Unsere Einheit wird unsere Feinde besiegen", so der neue Taliban-Chef Mansur in einer Audiobotschaft.

Der neue Anführer der radikal-islamischen Taliban, Achtar Mohammad Mansur, hat eine Fortsetzung des Kampfes in Afghanistan gegen die prowestliche Regierung angekündigt. "Unsere Einheit wird unsere Feinde besiegen", sagte Mansur in einer am Samstag verbreiteten Audio-Botschaft. Er dämpfte damit die Washington geäußerte Hoffnung auf eine Konfliktlösung auf dem Verhandlungswege. Die US-Regierung hatte zuvor die Taliban aufgerufen, das Versöhnungsangebot der afghanischen Regierung anzunehmen.

Am Mittwoch hatte die Regierung in Kabul erklärt, der historische Talibanführer Mullah Omar sei bereits im April 2013 in Pakistan gestorben. Einen Tag später bestätigten die Taliban Omars Tod und erklärten dessen Stellvertreter Mansur zum neuen Anführer. "Wir werden den Dschihad (Heiligen Krieg) fortführen, bis wir einen islamischen Staat erreichtet haben", verkündete dieser in seiner Botschaft vom Samstag.

Die US-Regierung hatte am Freitag die Ansicht vertreten, dass der Tod Omars eine Chance biete, auf dem Weg zu einem "stabilen, sicheren Afghanistan" voranzukommen. Afghanische Regierungsvertreter sagten, dass bei der nächsten Gesprächsrunde mit den Taliban ein Waffenstillstand auf der Tagesordnung stehen könnte. Die Gespräche, die eigentlich am Freitag in Pakistan stattfinden sollten, waren nach dem Bekanntwerden von Omars Tod abgesagt worden.

Omar hatte von 1996 bis 2001 an der Spitze der Taliban-Regierung in Afghanistan gestanden, Mansur war sein Luftwaffen- und Luftfahrtminister gewesen. Die Talibanherrschaft zeichnete sich durch schwere Menschenrechtsverletzungen, öffentliche Hinrichtungen und Unterdrückung der Frauen aus.

Nach dem US-geführten Einmarsch und dem Sturz der Taliban-Regierung war Omar Ende 2001 abgetaucht. Er wurde seitdem in Pakistan vermutet.

Aus zwei verschiedenen Taliban-Quellen verlautete, dass es in den Reihen der Islamisten auch Widerstand gegen Mansurs Ernennung gegeben habe. Die Taliban sehen sich rivalisierenden Bewegungen gegenüber, darunter Anhängern des Islamischen Staates (IS), die in Afghanistan eine Provinz des in Syrien und im Irak vom IS ausgerufenen Kalifats errichten wollen. Die IS-Anhänger zeigen sich völlig kompromisslos im Verhältnis zu Kabul und umwerben auch Taliban-Kämpfer.

amt / DPA
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