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Ägypten: Zehntausende fordern in Kairo Rückkehr zu ziviler Regierung

Der Tahrir-Platz ist wieder im Kommen. Nachdem die Generäle die Macht nicht abgeben wollen, trommeln Islamisten und Bürgerbewegung nun gemeinsam zum Protest der Massen. Eine Machtprobe bahnt sich an.

Zehntausende Menschen sind am Freitagnachmittag auf den Tahrir-Platz in Kairo geströmt, um vom regierenden Militärrat die Rückkehr zu einer zivilen Regierung zu verlangen. Zu der Kundgebung hatte die konservativ-religiöse Muslimbruderschaft aufgerufen, die ihren Kandidaten #Link;http://www.stern.de/politik/mohammed-mursi-91466010t.html;Mohammed Mursi# als Sieger der Stichwahl um die Präsidentschaft am vergangenen Wochenende betrachtet. Dem Aufruf schlossen sich linke und säkulare Gruppen und Bewegungen an.

Nach der Verschleppung der Bekanntgabe der Stichwahlergebnisse und der schleichenden Machtergreifung durch die Generäle bahnt sich die möglicherweise folgenschwerste Konfrontation seit 16 Monaten zwischen der "Straße" und der herrschenden Militärelite in Ägypten an.

In den vergangenen acht Tagen hatte der Oberste Militärrat das erst zur Jahreswende gewählte Parlament aufgelöst und die Vollmachten des neuen Präsidenten drastisch eingeschränkt. Zugleich weigerte sich die Wahlkommission, den Sieger der Stichwahl um die Präsidentschaft, wie ursprünglich vorgesehen, am Donnerstag bekanntzugeben. Sie berief sich auf die angeblich hohe Zahl von Einsprüchen gegen den Wahlablauf.

Machtbestrebungen des Militärs drängen Islamisten und säkulare Umsturzbewegung in eine Allianz

Beide Kandidaten, der Islamist Mursi und Mubaraks letzter Ministerpräsident, der Ex-Luftwaffengeneral #Link;http://www.stern.de/politik/ausland/ahmed-schafik-91455363t.html;Ahmed Schafik#, geben sich seit der Wahlnacht als Sieger. Unabhängige Beobachter sehen eher Mursi vorne.

Während die Menschen am Freitag zum Tahrir-Platz gingen, rief der Militärrat die Bürger des Landes dazu auf, die Entscheidungen der Wahlkommission und der Justizorgane zu respektieren. Zugleich rechtfertigte das Gremium in seiner Stellungnahme, die über die Staatsmedien verbreitet wurde, die jüngsten Verfassungsänderungen. Diese seien "unumgänglich, um das Land in dieser kritischen Lage zu regieren", hieß es darin.

Die Machtbestrebungen des Militärs drängen die Islamisten, die beim Sturz Mubaraks nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatten, und die säkulare Umsturzbewegung vom Januar und Februar 2011 zunehmend in eine Allianz. Die Jugendbewegung 6. April, der prominente Internet-Aktivist Wael Ghonim und andere Personen aus der damaligen Anti-Mubarak-Front erklärten am Freitag, sie würden die islamistischen Gruppen bei ihrem Kampf gegen das Militär unterstützen, so lange dieses über die anvisierte Übergangszeit hinaus an der Macht im Staat festhalte.

Dies dürfe nicht als Unterstützung für die Muslimbruderschaft aufgefasst werden, sondern als "Allianz der Legitimität und Demokratie gegen Mubaraks Regime und sein Militär", sagte Ghonim. Der IT-Manager war Anfang 2011 der treibende Motor hinter den Webseiten, die die Massenbewegung gegen Mubarak inspirierten und vorantrieben.

In den Mittelpunkt der Konfrontation der Islamisten und Bürgerbewegung mit dem Militär rückt erneut der Tahrir-Platz. Der Rundplatz in der Mitte von Kairo war schon das Epizentrum der Massenproteste gegen den Langzeitpräsidenten Husni Mubarak von der Macht vertrieben. Seine Vollmachten übernahm der Oberste Militärrat - wie man damals meinte - provisorisch.

Bereits die Nacht zum Freitag hatten Tausende Demonstranten dort verbracht. Sie wollen erst wieder abziehen, wenn Mursi zum Sieger erklärt ist und die Militärs die Verfassungsänderungen zurücknehmen.

DPA / DPA