Afghanistan Festnahme nach Anschlag auf deutsche Soldaten


Die Leichen der beiden bei einem Anschlag getöteten Bundeswehrsoldaten werden nach einer Trauerfeier in Kundus am Mittwoch nach Deutschland überführt. Am Freitag nehmen Angehörige und Kameraden in Zweibrücken Abschied von den beiden Fallschirmjägern. Unterdessen kam es in Afghanistan zu einer ersten Festnahme nach dem Selbstmordattentat.

Die beiden bei einem Attentat nahe Kundus getöteten deutschen Soldaten werden am Mittwoch nach Deutschland zurückgebracht. Nach einer Trauerfeier der Bundeswehr in der nordafghanischen Stadt werden sie mit einem Luftwaffen-Airbus in ihre Garnisonsstadt Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) geflogen. Am Freitag nehmen Angehörige und Soldaten in der rheinland-pfälzischen Stadt Abschied von den beiden Fallschirmjägern. Nach Angaben des Provinzgouverneurs in Kundus wurde einen Tag nach dem Anschlag ein erster Verdächtiger festgenommen.

Beide Todesopfer, ein 25-jähriger Stabsunteroffizier und ein 22 Jahre alter Stabsgefreiter, waren ledig. Auch ein bei dem Attentat verletzter deutscher Soldat werde zur weiteren Behandlung nach Deutschland verlegt. Im Feldlazarett Kundus wird ein lebensgefährlich verletztes Mädchen von Ärzten versorgt.

Bei dem Festgenommenen soll es sich um einen Kommandeur der radikalislamischen Gruppe Hisb-i-Islami handeln, sagte Gouverneur Mohammad Omar der Deutschen Presse-Agentur DPA. Ein zweiter Verdächtiger, ein Mullah aus einer Moschee in der Gegend von Kundus, sei entkommen. Man vermute, dass diese Männer in den Anschlag verwickelt seien, bei dem am Montag neben den zwei deutschen Soldaten auch fünf afghanische Kinder getötet wurden.

Nach Angaben von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatten die getöteten und verletzten deutschen Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 263 an einer Operation teilgenommen, an der insgesamt 160 deutsche und 30 afghanische Soldaten sowie Polizisten aus Afghanistan beteiligt waren. Der Selbstmordattentäter sei mit seinem Fahrrad neben einen gepanzerten Lastwagen des Typs "Mungo" gefahren und habe sich in die Luft gesprengt.

Die für den Anschlag verantwortliche Gruppe Hisb-i-Islami des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatyar arbeitet zumindest im Norden Afghanistans mit den Taliban zusammen. Gouverneur Omar warnte am Dienstag vor einem Abzug der ausländischen Truppen. Der Gouverneur betonte, die Anwesenheit der Bundeswehr in Kundus und anderen Provinzen sei notwendig. Sollten Terroristen wie das Netzwerk El Kaida in Afghanistan wieder Fuß fassen, sei auch der Rest der Welt bedroht. 95 Prozent der Menschen in der Provinz Kundus unterstützten die Anwesenheit der Deutschen.

Auch Jung wandte sich erneut entschieden gegen einen deutschen Truppenabzug. Es sei wenig hilfreich, jetzt darüber zu diskutieren. Jung sagte, die Zustimmung in Deutschland für den erst kürzlich um 14 Monate verlängerten Afghanistan-Einsatz liege bei 63 Prozent. Wenn aus Afghanistan erneut ein Zentrum des Terrorismus würde, wäre dies auch eine Bedrohung für Deutschland, sagten der Minister und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan.

NATO-Oberbefehlshaber John Craddock kritisierte, dass einige Staaten des Bündnisses noch immer nicht genug Truppen nach Afghanistan schickten. Das untergrabe die Effektivität und den Erfolg des Militärbündnisses, sagte er in London.

Die Welthungerhilfe sieht angesichts der unsicheren Lage die Fortsetzung ihrer Arbeit gefährdet. Theo Riedke, Regionalleiter Zentralasien der Organisation, schloss im ZDF die vorübergehende Beendigung des Engagements der Welthungerhilfe in Afghanistan nicht aus.

Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Reinhard Bütikofer vermuteten, dass der Anschlag den Einsatz der internationalen Gemeinschaft unterminieren sollte. Für die Absicherung des Wiederaufbaus sei das Engagement der Bundeswehr weiterhin ein notwendiger Beitrag.

DPA DPA

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