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Netz-Giganten ziehen ihm den Stecker: Die finale Schlacht des "Fake News"-Königs: Wie Alex Jones zum Gegenschlag ausholt

Alex Jones ist bekannt für seine rechtspopulistischen Botschaften. Nun haben ihm vier Internetgiganten die Plattform entzogen. Es ist Wasser auf die Mühlen des fanatischen Verschwörungstheoretikers.

Brüllen gegen das Establishment: Warum Alex Jones von seinem Netz-Bann profitieren könnte

Alex Jones, Gründer und Betreiber der Plattform "Infowars", sorgt mit seinen Verschwörungstheorien immer wieder für Aufsehen

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Zumindest die App existiert noch. Sie ist einer der wenigen Kanäle, die nun für seine Beleidigungen, Hassreden und wilden Verschwörungstheorien im Netz noch nutzen kann. Nachdem Apple und Spotify die "Infowars"-Podcasts des rechtspopulistischen Journalisten löschten, entfernte am Montag auch Facebook vier seiner Seiten, unter anderem Jones' offiziellen Facebook-Auftritt sowie die "Infowars"-Seite. Auch der Alex-Jones-Channel auf Youtube mit mehr als 2,4 Millionen Abonnenten war nicht mehr aufzurufen. Die Tech-Konzerne berufen sich dabei auf ihre eigenen Standards und Richtlinien. Jones habe auf seinen Seiten "Gewalt verherrlicht" und in einer "menschenverachtenden Sprache" über Transgender, Muslime und Einwanderer gesprochen, erklärte etwa Facebook.

In der "Infowars"-App und -Webseite, die aktuell kein anderes Thema kennen, klingt das natürlich anders: Von "kommunistischer Zensur" oder "Werbung für Establishment-Medien" ist da zu lesen. Der Gründer und Betreiber der Plattform verdreht die Tatsachen so, wie er es eigentlich immer tut: Es herrsche ein Kampf um Unabhängigkeit und Freiheit, den er an der Front des Wahrheitsjournalismus kämpfen würde. So beschreibt es der 44-Jährige zumindest in seiner Twitter-Bio. Ebenfalls ein Kanal, der ihm noch geblieben ist. Und den er nach dem Bann zu bespielen weiß. 

"Wir sind jetzt alle Alex Jones"

"Wir sind das am stärksten zensierte Programm auf der Welt, weil wir die Wahrheit wissen", ist einer der ersten Sätze, die Alex Jones zu dem Vorfall sagt. 231 Minuten widmet er sich dem Thema in einem Beitrag, dass sich Twitter knapp 350.000 Zuschauer ansehen und das theoretisch 843.000 Follower erreicht. In vielen weiteren Postings verbreitet er diese, seine, Wahrheit: Youtube würde eine "politische Säuberung" mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2020 vornehmen. Oder die "Globalisten" würden eine "Atombombe der Zensur" auf "Infowars" fallen lassen. Kampfbegriffe von der "Front des Wahrheitsjournalismus", wie Jones es nennen würde. Mit der zentralen Botschaft: "Verstehen Sie das: Die Zensur von 'Infowars' bestätigt alles, was wir gesagt haben. Wer wird sich nun gegen Tyrannei stellen und für freie Meinungsäußerung einstehen? Wir sind jetzt alle Alex Jones."

Alex Jones ist vor allem eins: ein aufbrausender, ultrarechter Populist und Trump-Anhänger der ersten Stunde - der mit seinem Moderationsstil eine fanatische Anhängerschaft hinter sich versammelt hat. Seine TV- und Radio-Show präsentiert er wie ein Nachrichtensprecher, mit dem Unterschied, dass er dabei immer wieder seine Fäuste auf den Tisch knallt und wortreich gegen seine Gegner hetzt. Wie kalkuliert diese Wutausbrüche offenbar sind, zeigt ein Video des US-Portals "Vice": Jones gibt sich, gewissermaßen, menschlich und und lässt seinen Gefühlen freien lauf. Dass dabei immer wieder Beleidigungen und rassistische Äußerungen fallen, tue Jones angeblich leid: Er könne bei diesen wichtigen Dingen halt nicht anders. 

I will not let you down, sagte Donald Trump

Und so brüllt der größte Verschwörungstheoretiker der USA seinen Zuschauern Unwahrheiten und Anschuldigungen entgegen - über die diese "Mainstream-Medien" wie CNN nie berichten würden - die allein deswegen einen Haken im Gedächtnis schlagen: "Wenn ich daran denke, wie viele Kinder Hillary Clinton persönlich ermordet, zerstückelt und vergewaltigt hat, habe ich null Angst, gegen sie aufzustehen." Oder: Die US-Regierung sei in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt und das Schulattentat an der Sandy-Hook-Schule 2012 sei vorgetäuscht gewesen, um eine Verschärfung des Waffenrechts durchzusetzen. Das sind unhaltbare (Verschwörungs-)Theorien, die Angst und Misstrauen säen - deren Früchte letztlich Donald Trump geerntet hat.

Im Wahlkampf 2016 unterstützte Jones den heutigen US-Präsidenten Donald Trump, interviewte ihn bereits Ende Dezember 2015 in seiner Show. Er sei ein "Einzelgänger", einer der "sagt, wie es ist", kündigte ihn Jones damals euphorisch an. Trump wusste sich zu revanchieren: Your reputation is amazing. I will not let you down, sagte der spätere US-Präsident in der Sendung. Dein Ruf ist unglaublich, ich werde dich nicht hängen lassen.

Ein kühnes Lob eines Präsidentschaftskandidaten und ein loses Versprechen, auf das Alex Jones wohl nun pocht. In seiner 231-Minuten-Abrechnung nach dem Social-Media-Bann bittet er den US-Präsidenten gewissermaßen um Hilfe: Trump solle Zensur zum großen Thema in den Midterm-Wahlen erklären, ansonsten könnten die Demokraten - die freie Meinungsäußerung unterdrücken würden - gewinnen. Die "Huffington Post" zeigt den ungewöhnlichen Aufruf im Video. "Ich glaube sie haben die Schlacht gewonnen, aber werden den Krieg verlieren", sagt Jones, "wenn Sie (Trump, Anm. d. Red.) ihre Vision fortsetzen und handeln." Alex Jones wäre nicht der erste, der die Agenda des US-Präsidenten beeinflussen könnte.

fs / Mit Material der DPA und AFP