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Anschlag in Frankreich: Ex-Häftling, in Straßburg geboren, arbeitslos: Was bisher über den mutmaßlichen Täter bekannt ist

Der Weihnachtsmarkt in Straßburg ist auch bei Deutschen sehr beliebt. Doch die Idylle ist dahin: Ein junger Mann schießt um sich und tötet mindestens drei Menschen. Was bisher über den mutmaßlichen Täter bekannt ist.

Anschlag in Straßburg - Was über den mutmaßlichen Täter bisher bekannt ist

Frankreich, Straßburg: Das Standbild aus einem Video zeigt Rettungswagen an einem Weihnachtsmarkt

Nach dem tödlichen Terroranschlag in Straßburg fahndet die Polizei mit einem Großaufgebot nach dem geflüchteten Täter. Der 29-jährige Mann schoss am Dienstagabend am Rande des Weihnachtsmarkts um sich und tötete nach offiziellen Angaben zwei Menschen (lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen). Nach aktuellen Angaben wurden darüber hinaus 14 Menschen verletzt, darunter sieben schwer und sieben leicht Verletzte. Nach bisherigen Erkenntnissen seien keine Deutschen getötet oder verletzt worden, wie das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes mitgeteilt hat. Der Täter war am Mittwochmorgen weiter auf der Flucht.

Der vermutlich radikalisierte Mann soll nach Medienberichten vor seiner Flucht von Soldaten verletzt worden sein. Nach Informationen des Senders France Info entkam er mit einem Taxi, das er gestohlen hatte. Etwa 350 Einsatzkräfte und mehrere Hubschrauber seien an der Fahndung beteiligt, sagte Innenminister Castaner. 

Haftstrafe in Deutschland wegen Einbruchs

Der mutmaßliche Angreifer von Straßburg hat nach Kenntnis der deutschen Justiz bereits etliche Jahre im Gefängnis verbracht - in allen Fällen ging es um Einbrüche. So verurteilte das Amtsgericht Singen den Mann Mitte 2016 zu zwei Jahren und drei Monaten Haft, weil er in eine Zahnarztpraxis in Mainz und eine Apotheke in Engen im Süden Baden-Württembergs eingebrochen war. Wie aus dem entsprechenden Urteil, das der DPA vorliegt, außerdem hervorgeht, wurde er unter anderem schon 2008 in Frankreich und 2013 in der Schweiz jeweils wegen mehrerer Einbrüche zu Gefängnisstrafen verurteilt. Alle Taten hat er zugegeben.

Aufgewachsen in Straßburg, seit 2011 arbeitslos

Das Urteil des Amtsgerichts Singen liefert zudem einen kurzen Einblick in die private Vita des mutmaßlichen Täters. Er sei zusammen mit sechs Geschwistern im Elternhaus in Straßburg aufgewachsen, habe einen dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Abschluss, aber keine Ausbildung gemacht. Nach der Schule habe er bei der Gemeinde gearbeitet, seit 2011 sei er arbeitslos gewesen und nach eigener Aussage viel gereist. Schon vor seiner Verurteilung in Singen habe er insgesamt vier Jahre in Gefängnissen verbracht, heißt es im Urteil.

Sehen Sie im Video: "Augenzeugenvideos zeigen Schusswechsel zwischen Attentäter und Polizei"

Anschlag in Straßburg: Augenzeugenvideos zeigen Schusswechsel zwischen Polizei und Attentäter

Sicherheitsakte "Fiche S": Verdacht auf Radikalisierung

Obwohl Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen im Fall des Anschlags in Straßburg übernommen haben, will sich das französische Innenministerium nicht auf ein terroristisches Motiv des Täters festlegen. Ein terroristischer Hintergrund sei im Moment noch nicht sicher, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez, dem Sender RTL. Der mutmaßliche Täter sei zwar polizeibekannt gewesen, allerdings bisher nicht im Zusammenhang mit Terrorismus. Er sei mehrfach im Gefängnis gewesen und dort sei auch eine Radikalisierung festgestellt worden. Zuvor war bekannt geworden, dass der Täter auf der Sicherheitsakte "Fiche S" geführt worden sei - einer Liste von Personen, die verdächtigt werden, radikalisiert zu sein. 

Weiter auf der Flucht - nach Deutschland?

Die französische Regierung schließt nicht aus, dass der Straßburger Attentäter nach Deutschland geflüchtet sein könnte. "Aber was ich sagen möchte, ist, dass natürlich sofort die Grenzschließung sichergestellt wurde und Straßburg (...) abgeriegelt wurde", sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez. Dass der Täter dennoch ins benachbarte Deutschland geflohen sein könnte, könne aber nicht ausgeschlossen werden.

Bericht: Mutmaßlicher Täter sollte verhaftet werden

Der mutmaßliche Täter hätte einem Medienbericht zufolge eigentlich schon am Dienstagmorgen verhaftet werden sollen. Wie France Info unter Berufung auf Polizeiquellen berichtete, war er jedoch nicht zu Hause. Demnach wird dem 29-Jährigen versuchter Mord vorgeworfen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung Stunden vor den Schüssen sollen Granaten gefunden worden sein, wie France Info und die Zeitung "Le Parisien" berichteten.

"Terror" an drei verschiedenen Orten verbreitet

Der Verdächtige hatte nach Angaben der Präfektur gegen 20 Uhr nahe dem Weihnachtsmarkt der Elsass-Metropole das Feuer eröffnet. Castaner beschrieb den genauen Tatort nicht näher und sagte lediglich, der Täter habe an drei verschiedenen Orten in der Stadt "Terror" verbreitet. Zwischen 20 und 21 Uhr habe er sich zweimal einen Schusswechsel mit Sicherheitskräften im Patrouilleneinsatz geliefert.

Weite Teile der Straßburger Innenstadt wurden von Dienstagabend an über Stunden abgeriegelt. Menschen wurden dazu aufgerufen, die Innenstadt in Richtung Norden zu verlassen und nicht in Richtung des südöstlich gelegenen Stadtteils Neudorf zu gehen. Dort war nach dem flüchtigen Tatverdächtigen gefahndet worden. Die Polizei rief die Bürger dazu auf, Ruhe zu bewahren und den Anweisungen der Sicherheitskräfte zu folgen.

fs / DPA