HOME

Anschlag in Tel Aviv: Israel verzichtet auf Militäreinsatz

Die positive Reaktion der Hamas auf den jüngsten Selbstmordanschlag hat weltweit für Empörung gesorgt. Gleichwohl plant die israelische Regierung zurzeit keinen militärischen Vergeltungsschlag gegen die palästinensische Autonomiebehörde.

Israel plant zunächst keine militärische Vergeltungsaktion des jüngsten Selbstmordanschlags in Tel Aviv, entzieht aber drei Hamas-Abgeordneten das Wohnrecht in Jerusalem. "Israel hält die Palästinensische Autonomiebehörde für verantwortlich für das, was gestern passiert ist", sagte Gideon Meir, ein ranghoher Mitarbeiter des Außenministeriums. Die Hamas-Abgeordneten dürften nicht länger in Jerusalem wohnen bleiben, hieß es im Anschluss an die Sitzung. Die Autonomiebehörde werde aber nicht zur "feindlichen Instanz" erklärt.

Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman warnte vor einer neuen "Achse des Terrors", zu der er den Iran, Syrien und die Hamas zählte. Dass die Hamas den Anschlag nicht verurteilt habe, sei wie die jüngsten Äußerungen des Irans und Syriens "eine eindeutige Kriegserklärung", so Gillerman vor dem UN-Sicherheitsrat in New York.

"Saat für den ersten Weltkriegs dieses Jahrhunderts gesät"

Die Hamas und die beiden Staaten säten "die Saat für den ersten Weltkrieg des 21. Jahrhunderts". Israel verstärkte aus Furcht vor weiteren Terrorakten die Truppenpräsenz im ganzen Land. Der Islamische Dschihad, der sich zu dem Anschlag von Tel Aviv bekannt hatte, kündigte weitere Attentate an. Es seien 70 potenzielle Selbstmordattentäter ausgebildet worden, hieß es.

Bei dem Anschlag am Ostermontag waren sieben Israelis, zwei Rumänen und ein Franzose getötet worden. Ranghohe Hamas-Vertreter wiesen den Vorwurf Israels, für die Bluttat verantwortlich zu sein, zurück. "Israel versucht, einen Vorwand zu finden, um gegen die palästinensischen Institutionen und gegen das palästinensische Volk vorzugehen", sagte Hamas-Minister Atef Adwan. Der stellvertretende Hamas-Chef Mussa Abu Marsuk sagte der Nachrichtenagentur AP von Damaskus aus, Israel sei für die derzeitige Eskalation der Lage im Nahen Osten verantwortlich.

Der palästinensische Beobachter bei den Vereinten Nationen, Rijad Mansur, verurteilte den Anschlag. Zugleich warf er Israel jedoch vor, mit seinen Militäraktionen gegen die Palästinenser internationales Recht zu verletzen. UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich tief beunruhigt und kündigte für den 9. Mai ein Treffen des Nahost-Quartetts an.

Offenbar als erste Reaktion auf den Anschlag feuerte die israelische Luftwaffe in der Nacht eine Rakete auf ein Ziel in der Stadt Gaza ab. Dabei wurde nach palästinensischen Angaben eine Metallwerkstatt beschädigt. Verletzt wurde niemand. Nach israelischen Angaben galt der Angriff einem Gebäude, in dem Raketen hergestellt wurden.

In Dschenin im Westjordanland nahmen israelische Soldaten den Vater des Selbstmordattentäters von Tel Aviv fest, wie Augenzeugen berichteten.

Blutigster Anschlag seit anderthalb Jahren

Der Anschlag am Montag war der blutigste in Israel seit mehr als anderthalb Jahren. Die Tat löste weltweit Empörung aus. Die Hamas hingegen sprach von einer legitimen Antwort auf die israelische Politik. Die Autonomiebehörde dürfte damit international noch weiter ins Abseits geraten. Schon jetzt ist sie de facto zahlungsunfähig, weil Europäische Union und USA ihre Finanzhilfen eingestellt haben. Am Dienstag kündigte auch Japan an, es werde keine neuen Hilfszusagen für die Palästinenser geben.

Karin Laub/AP / AP