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Atombehörde kritisiert Iran: Verhandlungen "drehen sich im Kreis"

Nach zehn erfolglosen Verhandlungsrunden stecken die Gespräche über Irans umstrittenes Atomprogamm in einer Sackgasse. Der Chef der internationalen Atomenergiebehörde kritisierte Teheran scharf.

Die internationale Atomenergiebehörde IAEA hat ungewöhnlich direkte Kritik an der Führung in Teheran geübt, nachdem zehn Verhandlungsrunden über das umstrittene Atomprogramm zu keinem Ergebnis führten. "Um ehrlich zu sein, wir drehen uns jetzt schon seit einiger Zeit im Kreis", sagte IAEA-Chef Yukiya Amano zum Auftakt der Sitzung des Gouverneursrates am Montag in Wien. Dies sei nicht der richtige Weg, um solche weltweit wichtigen Themen zu besprechen.

"Wir brauchen ohne weitere Verzögerung konkrete Ergebnisse, um das internationale Vertrauen in den friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms wiederherzustellen", sagte der japanische Atomchef. Bevor der Iran sich nicht bewege, könne seine Behörde eine militärische Dimension des Nuklearprogramms nicht ausschließen.

Viele Länder verdächtigen die Teheraner Führung, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich Atombomben entwickeln zu lassen. Weil der Iran nicht ausreichend mit den IAEA-Kontrolleuren zusammenarbeitet, kann die UN-Behörde das auch nicht mehr ausschließen.

Iran soll Atomwaffenforschung betrieben haben

Zuletzt waren mehrere Verhandlungsrunden auf internationaler und IAEA-Ebene ergebnislos geblieben. Das Dauerthema Iran steht auch auf der Tagesordnung des IAEA-Gouverneursrates. Dem Leitungsgremium gehören Vertreter aus 35 Staaten an. Es werden aber keine neuen Entwicklungen erwartet.

Die IAEA hegt außerdem den Verdacht, der Iran könne auf dem Militärstützpunkt Parschin bei Teheran Spuren von Atomwaffenforschungen beseitigt haben. "Selbst wenn wir Zugang bekämen, könnte es möglich sein, dass wir nichts mehr finden", sagte IAEA-Chef Yukiya Amano am Montag vor Journalisten in Wien. Dennoch wollten IAEA-Inspekteure den Standort überprüfen.

Die IAEA verdächtigt den Iran, in Parschin in einem Metall-Container von der Größe eines Busses Tests mit hochexplosiven Materialien vorgenommen zu haben. Die Behörde sieht darin "starke Hinweise für die mögliche Entwicklung von Atomwaffen".

Streit lässt Ölpreise ansteigen

Der Streit des Westens mit dem Iran geht auch an den Ölmärkten nicht spurlos vorbei. Am Montag zogen die Preise an. Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 1,4 Prozent auf 101,79 Dollar, US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 92,72 Dollar 0,8 Prozent mehr als am Freitag. Noch am Morgen war Brent angesichts enttäuschender chinesischer Konjunkturdaten unter 100 Dollar gefallen.

Laut Händlern haben die Sorgen zugenommen, dass es zu Versorgungsengpässen kommen könnte, nachdem sich der IAEA-Chef skeptisch zu einer Beilegung des Streits geäußert hatte.

Behinderungen im Schiffsverkehr in Europa auf Rhein und Donau nach heftigen Überschwemmungen und Probleme beim britischen Nordseeöl-Feld Buzzard stützten die Preise ebenfalls, hieß es in London weiter.

kave/DPA/AFP / DPA