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Atomkonflikt: Iran und Westen sprechen wieder

Der Stillstand ist zu Ende. Die Gespräche über Teherans Atomprogramm laufen wieder. Der Westen gesteht dem Gottesstaat das Recht auf Kernkraft zu - aber keine Bombe. Jetzt heißt es: Vertrauen schaffen.

Nach langem Nervenkrieg wird im riskanten Streit um das iranische Atomprogramm wieder offiziell verhandelt. Vertreter des Irans und der Weltgemeinschaft einigten sich am Samstag in Istanbul auf eine Fortsetzung ihrer Gespräche. Für den 23. Mai sei ein weiteres Treffen in der irakischen Hauptstadt Bagdad vereinbart worden, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton nach der ersten Gesprächsrunde in Istanbul.

Die Gespräche gelten als letzte Chance, mögliche Militärschläge Israels gegen iranische Atomanlagen abzuwenden. In den vergangenen Monaten war die Atmosphäre stark gereizt und von militärischen Drohungen geprägt gewesen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte in Berlin: "Eines ist klar. Die Zeit für taktische Spiele jedweder Art ist längst abgelaufen." Der Iran müsse bereit sein zu ernsthaften und zielgerichteten Verhandlungen über sein Atomprogramm.

"Diskussionen konstruktiv und nützlich"

"Die Diskussionen um die iranische Atomfragen waren konstruktiv und nützlich", sagte Ashton. Jetzt gehe es darum, bis zum Bagdader Treffen weiter gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. Ziel sei nun, den Streit um das iranische Atomprogramm "Schritt für Schritt" beizulegen. Grundlage der Gespräche solle der Atomwaffensperrvertrag sein, wobei die 5+1-Gruppe das Recht des Irans auf die friedliche Nutzung der Atomenergie vollständig achte. Zur 5+1 gehören die Veto-Mächte des UN-Sicherheitsrat - China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA - sowie Deutschland.

Nach Angaben aus der iranischen Delegation schlug der Iran vor, sein höher angereichertes Uran unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA selbst zu Brennstäben zu verarbeiten. Nach eigenen Angaben verfügt Teheran über knapp 100 Kilogramm Uran, das auf 20 Prozent angereichert wurde.

Mengen niedrig angereicherten Urans (3,5 Prozent) könnten als Teil eines Tauschgeschäfts im Ausland verarbeitet werden. Das Material könne in Russland höher angereichert und in Frankreich zu Brennstäben verarbeitet werden. Ein solcher Vorschlag lag bereits bei den Gesprächen im Januar 2011 in Istanbul auf dem Tisch, ohne dass es einen Durchbruch gab.

Der Westen befürchtet, dass der Iran seine Fertigkeit zur Anreicherung von Uran am Ende zum Bau von Atombomben nutzen könnte. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad pocht dagegen auf das Recht, Atomtechnik für die Energieerzeugung und die medizinische Forschung zu nutzen.

IAEA dringt auf Inspektionen

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, in der Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran sei in der Vergangenheit ein Bauteil für die Zündung eines Atomsprengkopfes getestet worden. Die IAEA sieht die Anlage auch skeptisch und dringt auf Inspektionen.

Nach Angaben westlicher Diplomaten wollte die 5+1-Gruppe fordern, dass Teheran die unterirdische Urananreicherungsanlage Fordo schließt und die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent stoppt. Teheran braucht die Anreicherung auf 20 Prozent für seinen Leichtwasserreaktor in Teheran, der Material für medizinische Zwecke produziert. 20 Prozent Anreicherung reichen nicht für Atomwaffen - dafür wären mehr als 80 Prozent nötig -, sind aber ein Schritt in diese Richtung.

kmi/DPA / DPA