Befreite deutsche Geisel "Die Erleichterung ist groß"


Nach der Befreiung der in Afghanistan entführten, schwangeren Deutschen hat sich nun auch deren Familie zu Hause geäußert. Ein Vertreter der Hilfsorganisation, für die Christina M. in Kabul gearbeitet hat, berichtete über die Umstände ihrer Entführung.

Die Familie der in Kabul befreiten deutschen Geisel Christina M. ist glücklich über das schnelle Ende des Entführungsdramas. "Die Erleichterung ist groß", sagte eine Familienangehörige der Deutschen Presse-Agentur DPA. "Wir freuen uns sehr, dass Christina so schnell befreit werden konnte." Weitere Auskünfte gab die Familie zunächst nicht.

Nach Angaben von Ora International ist sie in guter Verfassung. "Es geht ihr sehr gut, sie ist sehr gefasst. Sie hat die ganze Geiselnahme gut überstanden", sagte Matthias Floreck, Mitglied der Geschäftsführung der Hilfsorganisation, dem Fernsehsender N24. Sie sei von den Geiselnehmern auch nicht ernsthaft bedroht worden. "Es wurde ihr gegenüber auch keine Aggression ausgeübt. Es wurde ihr erlaubt, regelmäßig telefonischen Kontakt mit ihrem Mann zu haben", sagte Floreck.

Der Entführer ist gefasst

Knapp eineinhalb Tage nach ihrer Entführung in Kabul ist die 31-jährige Deutsche Christina M. in der Nacht zum Montag von afghanischen Sicherheitskräften befreit worden. Der Chefermittler der Kabuler Polizei, Alishah Paktiawal, sagte der DPA, Christina M. sei in Sicherheit und wohlauf.

Die afghanische Polizei hat nach Angaben des Innenministeriums den Entführer gefasst. Der Sprecher des Innenministeriums, Semarai Baschari, sagte in der afghanischen Hauptstadt, bei der Operation zur Befreiung der Geisel seien vier Menschen festgenommen worden. Unter ihnen sei auch der Drahtzieher der Entführung. Zudem sei der Drahtzieher der Morde an zwei deutschen Journalisten gefasst worden. Die beiden Deutsche-Welle-Mitarbeiter waren im vergangenen Oktober in Nordafghanistan erschossen worden.

Die 31-jährige Christina M., die nach Informationen der DPA schwanger sein soll, war am Samstag in Kabul aus einem Restaurant heraus vor den Augen ihres Mannes von vier bewaffneten Männern verschleppt worden. Eine sofort eingeleitete Verfolgungsjagd durch die Polizei verlief zunächst ohne Erfolg. Dabei starb ein Taxifahrer durch eine verirrte Kugel.

Steinmeier dankt dem Krisenstab

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich erleichtert über die Befreiung der Deutschen. "Mein Dank gilt dem Krisenstab und der deutschen Botschaft in Kabul. Besonders danken möchte ich der afghanischen Regierung und den Behörden, mit denen wir eng, vertrauensvoll und erfolgreich zusammengearbeitet haben", ließ Steinmeier am Sonntagabend in Berlin über sein Ministerium mitteilen. Das Auswärtige Amt werde in seinen Anstrengungen nicht nachlassen, auch die Freilassung des weiterhin in Geiselhaft befindlichen deutschen Bauingenieurs zu ermöglichen, betonte der Minister.

Der private Sender Tolo TV in Kabul strahlte am Sonntag ein Video mit der Geisel und einem der Entführer aus. Christina M. las von einem Blatt ab, dass es ihr gut gehe und sie nicht bedroht werde. In dem Video trat einer der Entführer vermummt auf und sagte, die Geiselnehmer gehörten nicht den radikal-islamischen Taliban an. Seine Gruppierung fordere die Freilassung "unschuldiger Gefangener" aus afghanischer Haft.

Lebenszeichen von entführtem Bauingenieur

Am Sonntag gab es auch von dem entführten 62-Jährigen Bauingenieur Rudolf B. ein Lebenszeichen. ARD-Reporter aus Kabul berichteten, sie hätten am Sonntag telefonisch Kontakt zu ihm gehabt. Dieser habe gesagt, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Er habe gefragt, warum nicht Lösegeld gezahlt werde, damit die Entführung schnell zu Ende gehe. Der Ingenieur habe die deutsche Botschaft in Kabul aufgefordert, sich stärker für seine Freilassung zu engagieren, berichtete die ARD weiter. Unklar blieb, unter welchen Bedingungen das Gespräch zustandekam.

Trotz der jüngsten Gewalttaten gegen Deutsche in Afghanistan bekannten sich die Koalitionspartner Union und SPD zur Fortsetzung des deutschen Engagements am Hindukusch. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble nannte die anstehende Verlängerung der Bundeswehreinsätze "alternativlos". Es gebe einen direkten Zusammenhang zwischen der Entwicklung in Afghanistan und der Terrorgefahr in Deutschland. SPD- Parteichef Kurt Beck zeigte sich offen für eine Aufstockung der deutschen Einheiten.

Die Hilfsorganisation ora international verteidigte ihren Einsatz. "Wir sind ganz sicher nicht unvorsichtig oder dumm vorgegangen", sagte Ulf Baumann, der Sprecher von ora international in Deutschland, der "Berliner Zeitung" (Montag). Die Organisation sei seit 1991 in Afghanistan tätig und habe viele Erfahrungen in dem Land gesammelt. Christina M. sei als Büroleiterin nach ihrer Ankunft in Kabul von langjährigen Mitarbeitern eingewiesen worden und habe ein Sicherheitstraining erhalten.

DPA DPA

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