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Brasiliens Präsident in Washington: Bolsonaro trifft Trump - und zuvor noch jemand anderen. Raten Sie mal, wen?

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist zu Gesprächen mit Donald Trump nach Washington gereist. Doch vor dem US-Präsidenten traf sich der Rechtspopulist zunächst mit einem berüchtigten Bekannten von Trump.


Treffen in der brasilianischen Botschaft in Washington: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro (r.) und Stephen Bannon, ehemaliger Chefstratege von US-Präsident Donald Trump.

Treffen in der brasilianischen Botschaft in Washington: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro (r.) und Stephen Bannon, ehemaliger Chefstratege von US-Präsident Donald Trump.

AFP

"Das erste Mal seit langer Zeit kommt ein brasilianischer Präsident nach Washington, der nicht antiamerikanisch ist." Mit diesen Worten hat Jair Bolsonaro selbst seine Landung in der US-Hauptstadt am Sonntag auf Twitter kommentiert. Der Rechtspopulist ist bekennender Sympathisant von Donald Trump und will den US-Präsidenten am Dienstag zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt im Januar persönlich im Weißen Haus besuchen. Beide Staatschefs verbindet ihre nationalistische Haltung, ihre Ablehnung multilateraler Bündnisse, ihr Hass auf kritische Medien und ihr Hang zu Populismus, weshalb Bolsonaro von Medien auch als "Tropen-Trump" bezeichnet wird.

Bolsonaro trifft zuerst Trumps Ex-Berater Bannon

Vor dem Gespräch mit Donald Trump stand für Bolsonaro aber noch ein anderer Termin in Washington auf dem Reiseplan. In der brasilianischen Botschaft kam der 63-Jährige bereits am Sonntag mit einflussreichen Vertretern der politischen Rechten in den USA zusammen. Zu den Teilnehmern des Abendessens gehörte auch ein alter Bekannter von Donald Trump: sein früherer Wahlkampfmanager und Chefstratege Stephen Bannon.

Jair Bolsonaro : Das sind die fragwürdigsten Zitate des neuen brasilianischen Präsidenten

Bannon, der während seiner Zeit in der US-Administration so manchem Beobachter als Schattenpräsident mit Trump als Marionette galt, ist zwar längst aus dem Weißen Haus verbannt, dennoch hat der ultrarechte Anti-Globalist seinen weltweiten Kreuzzug gegen die liberale Nachkriegsordnung nie aufgegeben. Im Gegenteil. Im vergangenen Jahr reiste Bannon mehrfach nach Europa, um Konservative wie Italiens Ministerpräsidenten Matteo Salvini oder Ungarns Regierungschef Viktor Orbán zu hofieren und anzustacheln.

Und nun Bolsonaro. Schon dessen Sohn Eduardo, ebenfalls Politiker in Brasilien, hatte sich während des brasilianischen Präsidentschaftswahlkampfes im vergangenen Jahr mit dem langjährigen Chef der rechten US-Nachrichtenseite Breitbart in New York getroffen. "Es war ein Vergnügen, STEVE BANNON kennenzulernen, Stratege in Donald Trumps Präsidentschaftskampagne.", twitterte Eduardo Bolsonaro im August 2018. "Wir hatten ein großartiges Gespräch und wir teilen die gleiche Weltanschauung. [...] Wir sind natürlich in Kontakt, um unsere Kräfte zu bündeln, besonders gegen den kulturellen Marxismus."

Ob es darum auch bei der Dinner-Runde von Eduardos Vater am Sonntagabend in der brasilianischen Botschaft ging, ist nicht bekannt. Laut der brasilianischen Zeitung "Folha de São Paulo" berieten die Teilnehmer vor allem über die Beeinflussung der brasilianischen Regierung und Wirtschaft durch China, derzeit Brasiliens größter Wirtschaftspartner. Das Thema steht auch bei den Gesprächen von Jair Bolsonaro und Trump auf der Tagesordnung - ungewöhnlich also, dass der Besucher aus Südamerika es bereits zwei Tage zuvor mit Bannon und dessen rechten Freunden besprach. Vielleicht wollten diese sicherstellen, dass Bolsonaro auch beim Thema China auf den Spuren von Donald Trump wandelt, der sich ja bereits seit Monaten einen Handelskrieg mit Peking liefert.

"Eindeutig Teil der antiglobalistischen Agenda"

Ende März reist Bolsonaro nach Israel. Auch hier könnte der "Tropen-Trump" dem Original folgen. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hatte Bolsonaro schon im Januar die Verlegung der brasilianischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem beschlossen. Nun könnte er die Entscheidung umsetzen.

Für das liberale Europa sind Bolsonaros Reisen und Kontakte keine gute Nachricht. "Die ersten beiden Besuche - Washington und dann Jerusalem - sind eindeutig Teil der antiglobalistischen Agenda", erklärte der brasilianische Politikwissenschaftler und Professor für internationale Beziehungen Oliver Stuenkel in der "Huffington Post". "Das ist ein starkes Zeichen dafür, dass die Außenpolitik - zumindest die Rhetorik in der Außenpolitik - unter Kontrolle der Antiglobalisten ist."