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Brasiliens Präsident : "Die Welt dreht durch": Bolsonaro ignoriert WHO-Vorgaben und spricht stattdessen von Corona-Hysterie

Die Eskalation der Coronavirus-Krise steht auch in Brasilien unmittelbar bevor. Präsident Jair Bolsonaro sieht aber keinen Grund für Absagen oder Schließungen. Stattdessen freut er sich darauf, am Wochenende seinen Geburtstag im großen Stil zu feiern.

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Es ist der Tag, an dem Brasilien seinen ersten Coronavirus-Toten hat. Der Tag, an dem das Virus sich auch in den Tropen schnell ausbreitet. Der Tag, an dem bekannt wird, dass inzwischen 15 Mitglieder der brasilianischen Delegation, die bei US-Präsident Donald Trump in Florida war, infiziert sind. Der Tag, an dem sich Brasiliens Staatspräsident Jair Bolsonaro ein zweites Mal auf das Coronavirus testen lässt.

An diesem Tag sagt Bolsonaro in einem Radiointerview, dass es sich bei dieser Krise um Hysterie handle: "Der Wirtschaft ging es gut. Dann kam der Virus und brachte Hysterie. Die ganze Welt dreht durch." Bolsonaro macht auch schnell einige Schuldige aus: die Gouverneure einzelner Bundesstaaten, die die Schulen schließen, die Kinos und Theater, wie etwa in den dicht besiedelten Städten Rio de Janeiro und Sao Paulo. "Es gibt einige Gouverneure, die Maßnahmen ergreifen, die unserer Wirtschaft schwer schaden", beschwert sich Bolsonaro. "Das Leben geht weiter. Die Hysterie ist unnötig, nur weil es hier oder dort mal Zusammenkünfte mehrere Personen gibt. Genau das muss attackiert werden: diese Hysterie."

Jair Bolsonaro

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro freut sich schon auf "zwei Tage lang Feiern"

Jair Bolsonaro: "Schwerer Schlag für unsere Wirtschaft"

Aus Bolsonaros Sicht gibt es keine Notwendigkeit, Fußballspiele abzusagen oder Konzerte oder Jahrmärkte oder öffentliche Transportmittel zu meiden. "Wenn man einen Jahrmarkt zumacht, wird der Kerl eben an der nächsten Ecke sein Churrasco essen oder sich mit anderen Leuten treffen. Der Kerl bleibt deswegen doch nicht zu Hause. Diese Geschichte ist ein schwerer Schlag für unsere Wirtschaft."

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Bolsonaro macht sich Sorgen um die Leute, die dann im Stadion keine Würstchen mehr verkaufen, keine Eintrittskarten, kein Bier. Um jene Leute, die sowieso keinen festen Job haben und einen Schritt vorm Abgrund leben. Es ist eine durchaus berechtigte Sorge in Ländern wie Brasilien. Aber da müsste er nun mit Hilfen einspringen – die Regierung.

Bolsonaro versucht sich in diesen Tagen auch als Wissenschaftler. Brasilien werde frei vom Virus sein, "wenn sich genug Menschen angesteckt haben und somit Antikörper bilden", ist er überzeugt. Das würde als eine Art Barriere fungieren, um andere zu schützen. Nach seinen Berechnungen könnte das sechs bis acht Monate dauern. So müsse man das Virus bezwingen. Nicht durch Kontaktsperren. Dass in der Zwischenzeit viele Menschen sterben könnten, scheint ihn nicht zu interessieren. 

Bolsonaro selbst leistet seinen ganz eigenen Beitrag, um seine Theorie umzusetzen: Er versucht, den Menschen in diesen Zeiten so nah wie möglich zu sein. Er drückt jedem die Hand, geht auf die Anhänger zu, macht Selfies, ohne Schutz, ohne Handschuhe, ohne Desinfektionsmittel. Bei einer dieser Begegnungen konfrontiert ihn ein Mann. "Sie sind kein Präsident", belehrt er den Präsidenten. "Sie sollten aufgeben. Sie verbreiten das Virus und töten die Brasilianer."  Der Mann, ein Einwanderer aus Haiti, wird von Bolsonaros Anhängern ausgebuht.

Brasilien: 10.000 Verdachtsfälle, aber keine Tests

In Brasilien wurden bisher mehr als 300 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet, aber die eigentliche Zahl dürfte um ein Vielfaches höher sein. Es gibt allein 10.000 Verdachtsfälle, ohne dass diese Menschen bisher getestet worden sind. Das Problem ist: Es gibt einfach nicht genug Tests. Das Gesundheitsministerium will sie nur für schwere Fälle einsetzen. Es ignoriert damit die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation, die ein umfangreicheres Testen empfiehlt, um ein genaues Bild von der Verbreitung zu bekommen und damit die Infektionskurve abzuflachen.

Am Samstag wird Jair Bolsonaro 65 Jahre alt und kündigt bereits an, ein "traditionelles Fest" mit vielen Leuten zu veranstalten. Ein traditionelles Fest in Brasilien heißt: viele Umarmungen, viel Händedrücken, viel Tanz, Enge, Schweiß, Grillfleisch, Bier. Am Tag danach hat dann auch noch seine Frau Michelle Geburtstag. Sie ist 27 Jahre jünger als Bolsonaro und wird 38. "Zwei Tage lang Feiern", sagt er und freut sich wahnsinnig darauf.

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