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Shamima Begum: Britische Regierung will IS-Mädchen Staatsbürgerschaft entziehen

London bleibt hart: Die 19-Jährige, die sich vor vier Jahren der Terrormiliz Islamischer Staat anschloss, darf nicht zu ihrer Familie in Großbritannien zurückkehren. Sie setzt nun auf die Niederlande.

Der jungen Britin Shamima Begum soll die britische Staatsbürgerschaft entzogen werden

Der jungen Britin Shamima Begum soll die britische Staatsbürgerschaft entzogen werden

DPA

Kurz vor der Einnahme der letzten Bastion der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien sorgt der Umgang mit ausländischen Dschihadisten im Westen weiter für heftige Diskussionen: Großbritannien kündigte an, einer jungen britischen IS-Anhängerin die Staatsbürgerschaft zu entziehen, um ihre Rückkehr zu verhindern. Die US-Regierung sprach angesichts einer in Syrien gefangenen US-Bürgerin von einer "extrem komplizierten" Frage.

Die junge Britin Shamima Begum zeigte sich "schockiert" über die Absicht des Innenministeriums, ihr die britische Staatsbürgerschaft abzuerkennen. "Ich finde das ungerecht für mich und meinen Sohn", sagte die 19-Jährige dem Sender ITV in Nordsyrien. Medienberichten zufolge geht die Regierung in London davon aus, dass Begum Anspruch auf die Staatsbürgerschaft Bangladeschs hat, da ihre Familie ursprünglich von dort stammt.

"Um dieses Land zu schützen", könne das Innenministerium jemandem die Staatsbürgerschaft entziehen, wenn die Person nicht in die Staatenlosigkeit entlassen werde, sagte eine Sprecherin. Entsprechende Entscheidungen würden "nicht leichtfertig getroffen". Begum hatte 2015 Schlagzeilen gemacht, als sie mit zwei Freundinnen nach Syrien gereist war, um sich der IS-Miliz anzuschließen. Ihr Fall sorgt seit Tagen in Großbritannien für Debatten.

Shamima Begum bringt Kind zur Welt

Am Wochenende brachte sie in einem kurdischen Gefangenenlager im Nordosten Syriens ein Kind zur Welt. Sie appellierte an die britischen Behörden, "Mitgefühl" zu zeigen und ihr zu erlauben, das Kind in Großbritannien aufzuziehen. Zugleich zeigte sie keinerlei Reue über ihre Entscheidung, sich der IS-Miliz anzuschließen. Einen Anschlag auf ein Popkonzert in Manchester 2017 nannte sie eine "Vergeltungstat" für Angriffe auf IS-Hochburgen.

In Syrien sitzen hunderte ausländische IS-Kämpfer und ihre Angehörigen in kurdischer Haft. Am Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump Deutschland, Frankreich, Großbritannien und andere europäische Staaten aufgerufen, ihre Staatsbürger aus Syrien zurücknehmen und in Europa vor Gericht zu stellen. In Deutschland und anderen betroffenen Ländern löste dies eine Debatte über den Umgang mit Dschihad-Rückkehrern aus.

Auch in den USA sorgte nun ein solcher Fall für Diskussionen. Die 24-jährige Hoda Muthana aus dem US-Bundesstaat Alabama äußerte gegenüber dem "Guardian" den Wunsch, in die USA zurückzukehren, und äußerte Bedauern, dass sie Online-Propaganda für die IS-Miliz gemacht habe. Ein Sprecher des US-Außenministeriums räumte am Dienstag ein, dass der Status von US-Bürgern in Syrien "extrem kompliziert" sei.

Deutschland will jeden Einzelfall prüfen

Grundsätzlich sei es "die beste Lösung, ausländische terroristische Kämpfer in ihre Heimatstaaten zurückzubringen und sicherzustellen, dass sie strafrechtlich belangt und festgenommen werden", sagte der Sprecher Robert Palladino. Solche Kämpfer würden eine "weltweite Bedrohung" darstellen und müssten daran gehindert werden, "auf das Schlachtfeld" zurückzukehren. Konkret zum Fall von Muthana wollte er sich aber nicht äußern.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich dafür ausgesprochen, in "jedem Einzelfall" zu prüfen, ob es Strafverfolgungsansprüche anderer Staaten gebe, bevor eine Rückkehr nach Deutschland erlaubt werde. Wer als gefährlich eingeschätzt werde, sollte zudem in Deutschland in Haft genommen werden, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Auch IS-Frauen und ihren Kinder werde die Bundesregierung "keinen Blankoscheck" ausstellen.

Unterdessen verließen dutzende Menschen die letzte IS-Bastion in Ostsyrien. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah zehn Lastwagen mit Männern sowie verschleierten Frauen und Kindern, die das Dorf Baghus im Euphrattal verließen. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die das Dorf an der irakischen Grenze seit Wochen belagern, hatten erklärt, erst die Zivilisten herausholen zu wollen, bevor sie den entscheidenden Angriff starten.

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fin / AFP