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Bürgerkrieg in Syrien: Stell Dir vor, Berlin, München und Frankfurt wären auf der Flucht ...

... dann bekommt man eine Vorstellung vom Elend in Syrien. Die Website "If we were Syrien" überträgt die Opferzahlen auf die Bevölkerung anderer Länder - eine beängstigende Vorstellung.

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Der Bürgerkrieg in Syrien tobt mittlerweile schon drei Jahre - und ein Ende ist nicht in Sicht. Inmitten des Chaos ließ Präsident Baschar al Assad vor kurzem Wahlen abhalten, eine Farce, die ihn erneut als Staatschef bestätigte. Den Großteil des Landes kontrolliert er schon länger nicht mehr, sondern die Opposition - die kämpft zwar weiter gegen den verhassten Diktator, doch nicht mehr Seit' an Seit'. Die Terrormiliz Isis etwa will kein demokratisches Syrien, wie die gemäßigten Rebellen, sondern ein "Großsyrisches" Kalifat, das vom Irak bis ans Mittelmeer reicht.

Inmitten dieser Auseinandersetzungen: Ein ausgezehrtes Volk, das ums schiere Überleben kämpft. Über die Opferzahlen in Syrien gibt es keine präzisen Angaben. Aber die Größenordnungen sind in etwa bekannt: Mindestens 160.000 Syrer sind ums Leben gekommen - nicht nur durch Regierungstruppen. Fast neun Millionen Menschen sind auf der Flucht, fast die Hälfte davon Kinder. Die Zahlen sind schon erschreckend genug, aber bleiben doch erst einmal nur große, nackte Zahlen.

Wenn Deutschland, Syrien wäre

Um das fürchterliche Ausmaß dieser humanitären Katastrophe zu veranschaulichen, haben die beiden kanadischen Journalisten und Nahost-Experten Shannon Gormley und Drew Gough die Seite "If we were syrian" ins Netz gestellt. Darauf übertragen sie die Zahlen auf andere Länder, darunter Deutschland, die USA und Italien. Wenn wir Deutschen Syrier wären, hieße das:

  • Sämtliche Bewohner der Stadt Leverkusen wären tot (160.000)
  • Die Städte Berlin, München, Frankfurt, Dortmund und Würzburg wären verlassen, weil ihre Einwohner auf der Flucht wären (8,6 Millionen)
  • Sämtliche Kinder unter sieben Jahre wären gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen (4,8 Millionen)

Übertragen auf die USA hieße das: Sämtliche Einwohner von New York City wären auf der Flucht, plus eine Millionen aus den Städten Buffalo, Rochester, Albany und weitere Orte. Für Italien würde das bedeuten, dass alle Bewohner der zwölf größten Städte des Landes ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssten. Und verglichen mit dem alles beherrschenden Thema derzeit, der Fußball-Weltmeisterschaft: Die Fifa, Turnierausrichter in Brasilien, verdient schätzungsweise 4,5 Milliarden Dollar mit der WM - 4,3 Milliarden wären nötig, um allen syrischen Flüchtling über das ganze Jahr 2014 zu helfen.

Niels Kruse