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Cameron engagiert US-"Superbullen": Bill Bratton, der Aufräumer

Er räumte schon in Los Angeles und in New York auf, und soll es nun in London tun: Bill Bratton, der "Null-Toleranz-Cop". Premier David Cameron hat ihn engagiert - und die eigene Polizei brüskiert.

Es gibt Hollywood-Stars, denen die Rolle des knallharten Cops wie auf den Leib geschneidert scheint. Und es gibt Polizisten, die wie Kino-Helden wirken. Bill Bratton ist so einer. Mit seinem kühnen Kinn und den scharfen Wangenknochen erinnert er an als Inspektor Keller in "Die Straßen von San Francisco". Nun soll Bratton dem britischen Premierminister David Cameron helfen, die Straßen von Großbritannien sicherer zu machen - und neue Krawalle im Königreich zu verhindern.

Dass er dazu als Berater Camerons sowie aller britischen Polizeichefs einen Beitrag leisten kann, bezweifelt kaum jemand, der Bratton 1992 in Los Angeles erlebt hat. Die kalifornische Metropole wurde damals tagelang von brandschatzenden und plündernden Jugendgangs heimgesucht. Anfangs hatte sich die Polizei dort - ähnlich wie kürzlich in London - zurückgezogen, hatte die Plünderer sich austoben lassen. "Doch wir haben rasch verstanden, dass wir eine Übermacht an Cops einsetzen, echte Stärke zeigen und sehr viele Leute ins Gefängnis werfen müssen, um das zu beenden", sagte Andrew Smith, der seinerzeit unter Bratton diente, dem Sender BBC.

Bandenchefs fürchten Null-Toleranz-Cop noch heute

Nach Los Angeles hat Bratton in New York "aufgeräumt". Noch heute sollen in beiden US-Metropolen Bandenchefs eine Gänsehaut bekommen, wenn sein Name erwähnt wird. Einen Ruf wie Donnerhall hatte sich der ehrgeizige und energische "Superbulle" zuvor in seiner Heimatstadt Boston erarbeitet. Dorthin kehrte der Absolvent der renommierten Boston Technical High School 1970 aus dem Krieg in Vietnam zurück, wo er eine Einheit der US-Militärpolizei führte.

Mit 32 Jahren wurde Bratton 1980 in Boston stellvertretender Polizeichef. Den Job verlor er allerdings, weil er seine Zunge nicht im Zaum halten konnte. Er erzählte einem Reporter, er wolle natürlich nicht lange Stellvertreter bleiben, sondern bald auf den Chefsessel.

Aufräumen auch im "eigenen Stall"

Seine Erfolge verdankt Bratton nicht allein seiner Entschlossenheit, Härte zu zeigen. Stets hat er versucht, sie auch durch eine vertrauensvolle Partnerschaft mit Menschen in den betroffenen Wohnvierteln zu verbinden. So warb er immer wieder für eine Partnerschaft zwischen der Polizei und den Bürgern.

Zudem erkannte Bratton frühzeitig, dass Kriminalität durch Jugendbanden auch durch selbstzufriedene, teils feige und schlicht faule Chefs von Polizeidistrikten begünstigt wurde. Denen machte er "Feuer unter dem Arsch", indem er sie persönlich verantwortlich machte für die Entwicklung der Verbrechensstatistik in ihren Revieren. Ob das auch in Großbritannien funktionieren wird, ist allerdings fraglich. Die britische Polizei fühlt sich durch ihren Premier brüskiert, von einem "Schlag ins Gesicht" ist die Rede. Man brauche keinen Ratgeber, der "5000 Meilen weit entfernt" lebt.

"Zero Tolerance" säuberte den "Big Apple"

Derartiger Gegenwind hat Bratton bisher nicht aufhalten können. Das wird Cameron gefallen, und es gefiel schon dem Ex-Staatsanwalt und Mafia-Bekämpfer Rudy Giuliani. Als der 1994 mit einem Wahlprogramm, das sich voll auf den Kampf gegen die Straßenkriminalität konzentrierte, Bürgermeister New Yorks wurde, bekam Bratton dort freie Hand. Sein Rezept für den "Big Apple" wurde als "Zero Tolerance" (Null-Toleranz) berühmt: Selbst kleinste Vergehen, wie Schwarzfahren in der U-Bahn, wurden fortan nicht mehr geduldet, sondern streng bestraft.

Zugleich wurden Eltern und Nachbarn jugendlicher Straftäter in die Pflicht genommen, beim Kampf gegen die Kriminalität zu helfen. Unter Brattons Kommando wandelte sich die Gegend rings um den Times Square von einer Hochburg des Drogenhandels und der Prostitution zu einer der sichersten und saubersten Entertainment- und Shoppingzonen Amerikas.

Bratton soll Camerons Ansehen retten

Etwas ähnliches mag sich nun David Cameron für Problemviertel in britischen Metropolen erträumen. Wie sehr der britische Premier es begrüßen dürfte, wenn etwas von Brattons Glanz auf ihn abstrahlen würde, machen jüngste Umfragen deutlich. Danach finden nur 30 Prozent der Briten, dass er seinen Job während der Krawalle in der zurückliegenden Woche gut gemacht hat. 44 Prozent erklärten hingegen, Cameron habe versagt. Chief Bratton, übernehmen Sie!

Thomas Burmeister/DPA/DPA