HOME

"Verwestlichung": China will Weihnachten abschaffen - dafür ist es schon zu spät

Im Osten Chinas wurden Feiern verboten, die mit Weihnachten zu tun haben. Den Behörden ist das Treiben zu wenig "traditionell". Dabei ist das Land bereits völlig dem Weihnachtsrausch verfallen.

Abfahrt im Weihachtsbikini: Gesehen im Skigebiet von Xuchang, Henan Provinz

Abfahrt im Weihachtsbikini: Gesehen im Skigebiet von Xuchang, Henan Provinz

Zu den wenigen sprachlichen Gemeinsamkeiten von Deutsch und Chinesisch gehört etwa das Wort Weihnachten. Genauer: die Buchstabenfolge "Ei" in Weihnachten. Im chinesischen Wort ist ein Zeichen enthalten ist, das ebenfalls für Ei steht. Der Restaurantbesitzer und Rekordesser Pan Yizhong ließ sich davon inspirieren und entschied, dass dies "eine angemessene Zeit zum Eieressen" sei, wie er der Nachrichtenagentur AFP sagte. Also vertilgte er am Tag vor Heiligabend kurzerhand 150 Wachtel- und zehn Hühnereier in nur 40 Minuten.

West trifft Ost: Straßenszene in Peking, 23. Dezember

West trifft Ost: Straßenszene in Peking, 23. Dezember

In Peking hört man solche Äußerungen zunehmend ungern. Nicht so sehr, weil Pan mit der Aktion Werbung für sein Lokal machen will, sondern weil den Machthabern die Christianisierung des Reichs der Mitte langsam unheimlich wird. Einerseits verdient China als weltgrößter Hersteller von Weihnachtsdeko zwar Unsummen, aber andererseits befürchten die Behörden, dass die eigenen Feste untergehen könnten im Weihnachtsrausch.

Bärte on Bikes: Weihnachtsausfahrt des Harley-Davidson-Clubs von Guangzhou

Bärte on Bikes: Weihnachtsausfahrt des Harley-Davidson-Clubs von Guangzhou

In der Stadt Wenzhou, einer christlichen Hochburg an der Ostküste des Landes, wurden daher sämtliche Feiern des Fests in Schulen verboten. Die Behörden wollten, "dass die Schulen traditionellen chinesischen Festen mehr Beachtung schenkten als westlichen Traditionen", schrieb die staatliche Tageszeitung "Global Times". Deswegen seien Feierlichkeiten mit "Weihnachtsbezug" untersagt. Zuletzt gingen die Behörden verstärkt gegen die Christen vor. Öffentlich sichtbare Kreuze mussten abgenommen werden, einige Gebetsräume wurden vollständig zerstört.

Peking, 24. Dezember: mehr Weihnachtsdeko, bitte.

Peking, 24. Dezember: mehr Weihnachtsdeko, bitte.

Obwohl nur rund 60 Millionen Chinesen Christen sind, nimmt das Interesse an westlichen Festen immer weiter zu. Auch die Opposition im Lande nutzt den Westbrauch für eine subversive Form des Protests. Für den Großteil der Menschen ist es aber schlicht eine Gelegenheit, sich ungeniert dem Konsum hinzugeben. Und sie bescheren findigen Geschäftsleuten, die das Fest erst vor einigen Jahren eingeführt haben, hohe Umsätze.

Bescherung für Affen. Fütterung im Zoo von Kunming, Yunnan Provinz

Bescherung für Affen. Fütterung im Zoo von Kunming, Yunnan Provinz

Große Kaufhäuser liefern sich in Peking einen Wettbewerb um die höchsten Plastiktannen vor den Eingängen. Ganze Stadtviertel werden von Unternehmern in grell erleuchtete Verkaufsflächen verwandelt. Überall locken Unternehmen mit Weihnachtsangeboten. Selbst ein "Santa Park" im klimatisch warmen Chengdu wurde bereits eröffnet.

Weihnachtsnippes: Verkaufsschlager auch in Peking

Weihnachtsnippes: Verkaufsschlager auch in Peking

Es scheint, als wäre das behördliche Bestreben, Weihnachten genauso schnell wieder abzuschaffen, wie es gekommen ist, bereits zu spät - wie unsere Auswahl an Bildern aus dem Reich der Mitte zeigt.

Niels Kruse mit AFP/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel