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CIA-Chef Tenet: Bin Ladens Tod hätte den 11. September nicht verhindert

Nach Ansicht von CIA-Chef George Tenet hätten die Terroranschläge vom 11. September auch dann stattgefunden, wenn Bin Laden vorher exekutiert worden wäre.

Auch eine Tötung des Terroristenchefs Osama bin Laden hätte nach Überzeugung von CIA-Direktor George Tenet die Anschläge am 11. September 2001 nicht verhindert. "Das Ausschalten eines einzelnen Kopfes hätte nichts geändert", sagte Tenet vor einem unabhängigen Untersuchungsausschuss in Washington.

Der vom Kongress eingesetzte Ausschuss mit Vertretern der Republikaner und Demokraten soll die Entwicklungen im Vorfeld der Anschläge vom 11. September beleuchten und prüfen, ob die Attacken hätten verhindert werden können. Erst am Wochenende hatte der frühere Anti-Terror-Berater von Präsident George W. Bush, Richard Clarke, dem Präsidenten vorgeworfen, er habe sich von Anfang an auf den Irak konzentriert und dabei die Bedrohung durch El Kaida trotz Warnungen außer Acht gelassen. Clarke sollte ebenfalls noch am Mittwoch vor dem Ausschuss aussagen.

Gab es eine Genehmigung zum Töten?

Das Gremium hatte in seinem vorläufigen Untersuchungsbericht unter anderem festgestellt, es habe bei vielen CIA-Agenten Unklarheit darüber bestanden, ob es seitens der politischen Führung eine Genehmigung der politischen Führung zur Tötung oder lediglich zur Gefangennahme des El-Kaida-Chefs gab. Diese Verwirrung habe Bemühungen um eine Ausschaltung Bin Ladens behindert.

Keine Konkreten Hinweise auf 11. September

Tenet seinerseits sagte, hauptsächlich der häufige Ortswechsel des Terroristenführers habe einen vernichtenden Schlag erschwert. Hinweise auf die Bedrohung durch die El Kaida hätten sich vor dem 11. September hauptsächlich auf das Ausland konzentriert. Nichts "Spezifisches" habe auf Terrorattacken in den USA hingedeutet.

Bereits am Dienstag waren führende Mitglieder der jetzigen Regierung unter Präsident Bush und der Vorgängerregierung unter Bill Clinton vernommen worden, darunter der derzeitige Außenminister Colin Powell und Pentagonchef Donald Rumsfeld. Sie alle wiesen einhellig Vorwürfe zurück, die Terrorgefahren seien vor dem 11. September ignoriert worden.

DPA / DPA