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USA Corona-Krise - die sechs vertrödelten Wochen des Donald Trump

Nach Wochen des Nichtstuns fährt Trump nun die Macht und den Pomp des US-Militärs auf.
Nach Wochen des Nichtstuns fährt Trump nun die Macht und den Pomp des US-Militärs auf.
© Jim Watson / AFP
Mitte Januar war bekannt, dass das Virus die Welt überrollen würde. Donald Trump unternahm wochenlang nichts und verharmloste die Gefahr. Nun steht den USA die größte Krise seit Pearl Harbour bevor.

Am 20. Januar 2020 erreichte das Corona-Virus Südkorea. Überrascht konnte niemand sein, dass die hochansteckende Krankheit sich in Zeiten internationaler Flüge nicht auf das Ursprungsland begrenzte. Die Reaktion in Südkorea kann weltweit als "Best Practice" gelten. Dem Land gelang es, das Virus einzudämmen und die Lage unter Kontrolle zu behalten. Es wurde intensiv geforscht, massiv getestet und die Bürger wurden auch überwacht.

Das Ergebnis der Mühen: Am Freitag wurden in dem Land nur 91 neue Fälle gemeldet. Das Management der Krise war so meisterhaft, dass den Krankenhäusern und Intensivstationen des Landes der befürchtete Stresstest erspart geblieben ist. Bilder wie in Italien, Spanien oder den USA gab es aus Südkorea nicht. Das ist umso wichtiger, weil Südkorea eine Demokratie ist und der Staat dort nicht über die großen Machtmittel einer Parteien- und Beamtendiktatur wie in China verfügt.

Die Skala nach unten 

Wen Südkorea die Benchmark nach oben ist, legt das Handeln von US Präsident Trump eher die untere Grenze der Verantwortungslosigkeit fest. Wobei man aber sagen muss, dass auch die europäischen Regierungen die Zeit zwischen Bekanntwerden der Seuche und den Masseninfektionen in Norditalien nicht zur besseren Vorbereitung genutzt haben. Wäre das geschehen, gäbe es heute nicht den spürbaren Mangel an Schutzkleidung und Atemmasken. Donald Trump blieb jedoch nicht nur untätig, er setzte mit sinnlosen Prahlereien und Verharmlosungen noch eins drauf. Als der erste Patient in den USA getestet wurde, verkündete er großspurig. "Wir haben es völlig unter Kontrolle. Es ist eine Person, die aus China kommt. Es wird alles gut werden."

Die Wochen der Untätigkeit

Gleichzeitig warnten anerkannte Fachleute bereits vor der Pandemie und erarbeiteten Pläne, wie die USA auf sie reagieren könnte. Etwa durch die forcierte Entwicklung eines Schnelltests. Doch die Regierung machte bis Ende Februar nichts. Etwa sechs Wochen verstrichen, die sich jetzt rächen. In keinem Land der Welt sind mehr Fälle registriert. Auch wenn man berücksichtigt, dass die USA eine größere Bevölkerung als etwa Italien haben, ist die Zahl der Infektion beunruhigend, da die Kurven in den USA weiter steil ansteigen und keine Form von Abschwächung zu erkennen ist.

Nach Wochen des Nichtstuns fährt Trump nun die Macht und den Pomp des US-Militärs auf.
Nach Wochen des Nichtstuns fährt Trump nun die Macht und den Pomp des US-Militärs auf.
© Jim Watson / AFP

Jeremy Konyndyk, der die staatliche Hilfsorganisation USAid von 2013 bis 2017 leitete, urteilte im "Guardian": "Wir sind in den Vereinigten Staaten Zeuge eines der größten Versäumnisse in Bezug auf grundlegende Regierungsführung und grundlegende Führung in der heutigen Zeit".

Seiner Meinung nach verfügte das Weiße Haus bereits Ende Januar über alle Informationen, die es für ein entschlossenes Handeln brauchte. Selbst der Reisebann von Trump brachte letztlich nichts, denn er erkaufte zwar etwas Zeit, die aber nicht zur Vorbereitung genutzt wurde. Vor allem die Untätigkeit bei der Produktion und Entwicklung von Tests rächte sich später. Nur massenhaftes Testen macht es möglich, die Herde der Infektion zur ermitteln und Hotspots zu isolieren. Wenn nur die bereits schwer Erkrankten getestet werden, sind die Behörden blind, solange bis die Notaufnahmen der Krankenhäuser gestürmt werden.

Abbau staatlicher Institutionen 

Hinzu kommt der Verdacht, dass zentrale Behörden zur Bekämpfung der Pandemie entweder von Trump aufgelöst oder politisch "gesäubert" worden sind. Ein Teil seines Programms setzt Trump nämlich konsequent und aus seiner Sicht erfolgreich um: den Abbau "unnötiger" Behörden. Die besten Köpfe hätten unter der Trump-Regierung nicht arbeiten wollen und seien in den letzten Jahren gegangen, schreibt der "Guardian". Dazu kommt der Verdacht, dass sich die neue Leitung den Launen und Eingebungen des unberechenbaren Präsidenten beuge.

Der "Kriegspräsident" inszeniert sich 

Inzwischen hat Trump seine Strategie geändert. Die Zeit des Verharmlosens und des Nichtstuns ist vorbei. Trump inszeniert sich als "Wartime President". Und liefert die telegenen Bilder dazu: Im Marinestützpunkt Norfolk verabschiedete er von US-Flaggen und Soldaten umgeben ein Lazarettschiff, dass NYC zur Hilfe eilt. Trump hat erkannt, dass die Corona-Krise auch über die nächste Wahl entscheidet.

Im Moment herrscht ein Durcheinander in den USA, alle Bundesstaaten agieren auf sich allein gestellt. Doch ungeachtet seines bisherigen Versagens kann Trump sich nun als entschlossener Retter inszenieren. Denn der Präsident allein entscheidet über den Einsatz der gigantischen Bundesmittel und des Militärs.

Das bedeutet aber nicht, dass Trump die effizienten Entscheidungswege des Pentagon übernimmt. Auch wegen seines tiefsitzenden Misstrauens gegenüber dem Beamtenapparat werden um Vizepräsident Pence und Schwiegersohn Jared Kushner Zweit- und Drittstrukturen geschaffen, nun sind die Zuständigkeiten vollends unklar. Es setzt sich durch, wer gerade Zugang zum Präsidenten hat.

Die Krise wird zum Wahlkampf

Bei Trump werden die Versäumnisse des Staates in den USA besonders deutlich, weil er sie via Twitter stolz in die Welt hinausposaunt hat. Hinter der Ignoranz des Präsidenten verstecken sich nun die Gouverneure und Bürgermeister. In den USA wollten alle weiter am Karneval, am Spring Break oder am pulsierenden Leben in New York festhalten, als sei nichts geschehen, und keiner hat mit regionalen Beschränkungen und Verboten einen entschiedeneren Kurs als Washington gefahren. Wütend und ebenso telegen fährt etwa der Gouverneur des Staates New York Andrew Cuomo den Präsidenten an, weil der nur 400 Beatmungsgeräte nach New York geschickt habe, anstatt der benötigten 30.000.

Dafür wird Cuomo von seinen Anhängern bejubelt, dabei weiß er genau, dass es keine 30.000 Geräte für nur eine Stadt gibt. Deutschland ist im internationalen Vergleich gut mit Beatmungsgeräten ausgestattet. Im ganzen Land gibt es 27.000 - deren Zahl jetzt auf 30.000 erhöht wird. Auch in der größten Krise des Landes geht der Wahlkampf weiter.

Quelle: Guardian


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