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Cyber-Attacke gegen Irans Atomanlagen: Stuxnet - der Wurm, der aus der Wüste kam

Israel hat den gegen iranische Atomanlagen eingesetzten Computer-Wurm Stuxnet einem Medienbericht zufolge in einer geheimen Atomanlage getestet.

Der Computerwurm Stuxnet ist nach einem Bericht der "New York Times" gemeinsam von Israel und den USA entwickelt worden, um das iranische Atomprogramm zu sabotieren. Demnach wurde der Wurm, der sich gegen Steuermodule von Siemens richtet, in dem israelischen Nuklear-Komplex von Dimona getestet. Der Iran erlaubte am Wochenende den Besuch seiner Atomanlagen in Arak und Natans durch ausländische Diplomaten.

Wie die "New York Times" am Samstag unter Berufung auf Geheimdienst- und Militärexperten berichtete, war an der Entwicklung des Wurms vermutlich unwissentlich auch der deutsche Siemens-Konzern beteiligt, dessen Systeme zur Steuerung von Industrieanlagen Stuxnet angreift. Das Unternehmen hatte demnach mit einer Forschungseinrichtung des US-Energieministeriums an einem Programm zum Schutz vor Cyberattacken zusammengearbeitet. Die dabei gefundenen Sicherheitslücken seien dann bei der Entwicklung des Wurms ausgenutzt worden.

Der erstmals im Juni aufgetauchte Stuxnet-Wurm wird gefürchtet, weil er erlaubt, die Kontrolle über zentrale Systeme etwa von Kraftwerken, Pipelines oder Fabriken zu übernehmen und die Anlagen im schlimmsten Fall zu zerstören. Da die meisten "Infektionen" im Iran festgestellt wurden, wird angenommen, der Wurm sei zur Sabotage der Atomanlagen des Landes entwickelt worden. Nach Angaben der "New York Times" wurde durch den Wurm rund ein Fünftel der zur Urananreicherung verwendeten iranischen Zentrifugen zerstört.

Laut der US-Zeitung wurde die Wirksamkeit des Stuxnet-Wurms in dem streng abgeriegelten Dimona-Komplex in der Negev-Wüste getestet, wo sich eine israelische Atomanlage befinden soll. Der israelische Minister für Strategische Angelegenheiten, Mosche Jaalon, hatte vergangenen Monat gesagt, Teheran sei "wegen technologischer Herausforderungen und Schwierigkeiten" noch Jahre vom Bau von Atomwaffen entfernt.

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte vergangene Woche, technische Probleme und die internationalen Sanktionen hätten zu einer Verlangsamung des iranischen Atomprogramms geführt. Der Chef des iranischen Atomprogramms und amtierende Außenminister, Ali Akbar Salehi, wies am Samstag diese Äußerungen zurück: "Unsere Atomaktivitäten schreiten stark voran, auch unsere Aktivitäten bei der Anreicherung von Uran gehen gut weiter." Hätte Stuxnet wirklich Schaden angerichtet, hätte die internationale Atomenergiebehörde (IAEA) dies berichtet.

Die iranische Regierung erlaubte am Wochenende einer Gruppe internationaler Diplomaten den Besuch der Atomanlage in Arak und der Urananreicherungsanlage in Natans. An dem Besuch nahmen Vertreter der blockfreien Staaten teil, darunter der Arabischen Liga, Syriens, Venezuelas und Omans. China, Russland und die EU dagegen hatten eine Teilnahme abgelehnt.

Die fünf Vetomächte des UN-Sicherheitsrats und Deutschland führen ab Freitag in Istanbul erneut Gespräche mit der Regierung in Teheran über das iranische Atomprogramm. Der Iran wird verdächtigt, unter dem Vorwand der zivilen Nutzung der Atomenergie heimlich an einer Atombombe zu bauen. Teheran weist den Verdacht von sich. Israel unterstützt zwar die Bemühungen der USA, über Sanktionen die Entwicklung von Atomwaffen zu verhindern, schließt aber auch ein militärisches Eingreifen nicht aus.

AFP/Reuters / Reuters