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Dalai Lama in Washington: China zürnt wegen Obamas Treffen mit dem Geistlichen

Zwischen China und den USA hängt der Haussegen schief: US-Präsident Obama traf sich mit dem Dalai Lama, die chinesische Regierung wertet das nun als politische Einmischung in ihre Angelegenheiten. Auch dass in Washington noch keine Lösung für die drohende Zahlungsunfähigkeit des Landes gefunden wurde, entspannt die Lage nicht.

China hat das Treffen von US-Präsident Barack Obama mit dem Dalai Lama scharf kritisiert. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums in Peking, Ma Zhaoxu, erklärte am Sonntag, die Begegnung habe die chinesisch-amerikanischen Beziehungen beschädigt. Die USA hätten die starken chinesischen Einwände gegen eine Zusammenkunft von Obama mit dem Dalai Lama ignoriert. China sehe in dem Treffen eine ernsthafte Einmischung in innerchinesische Angelegenheiten. Die Gefühle des chinesischen Volkes seien verletzt worden.

Peking wirft dem Dalai Lama Unterstützung der tibetischen Unabhängigkeitsbestrebungen vor. Der Friedensnobelpreisträger seinerseits beharrt darauf, dass er einen friedlichen Übergang zur Autonomie in seinem Land will. Tibet war 1950 vom chinesischen Militär besetzt worden, der Dalai Lama floh 1959 nach Indien und lebt seitdem im Exil.

Treffen während des US-Schuldenstreits

Die Begegnung im Weißen Haus fand zu angespannten Zeiten statt. Das politischen Tauziehen in Washington um eine Erhöhung der US-Schuldenobergrenze ist noch nicht beendet, ohne die Anhebung könnte das Land am 2. August zahlungsunfähig werden. China ist der größte Kreditgeber Amerikas. Die kommunistische Regierung ermahnte die USA vor wenigen Tagen, den Streit um eine Erhöhung der Schuldenobergrenze zügig beizulegen und damit ihre Investitionen in amerikanischen Staatsanleihen zu schützen. Die USA stehen in China mit gut einer Billion Dollar in der Kreide.

Obama und Dalai Lama über Menschrechte in Tibet besorgt

Laut Weißem Haus bekräftigte der US-Präsident seine "starke Unterstützung für den Erhalt der einmaligen religiösen, kulturellen und sprachlichen Traditionen Tibets und der Tibeter weltweit". Er habe die Bedeutung der Menschenrechte der Tibeter in China betont. Außerdem habe Obama bekräftigt, dass Tibet ein Teil Chinas sei. Obama sagte zudem, er unterstütze einen direkten Dialog zwischen China und Tibet. Das Weiße Haus erklärte weiter, der Dalai Lama strebe keine Unabhängigkeit Tibets an und hoffe, dass der Dialog zwischen seinem Vertreter und der chinesischen Regierung bald fortgesetzt werden könne. Das letzte Gespräch fand im Januar 2010 statt. Der Dalai Lama sagte im Anschluss an die Begegnung, Obama teile seine Sorge über die Menschenrechtslage in Tibet. Der 76-Jährige sprach von einem "spirituellen Treffen" und sagte, er fühle sich Obama auf "menschlicher Ebene" nahe. Der Dalai Lama hält sich für rund 10 Tage in Washington auf. Im chinesischen Staatsfernsehen wurde die Zusammenkunft im Weißen Haus nicht erwähnt. Dagegen wurde ausführlich über ein seltenes Treffen von Staatschef Hu Jintao mit jungen US-Bürgern berichtet.

liri/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters