HOME

Verschwundener Journalist: Der rätselhafte Fall Khashoggi - worum geht es und was ist bislang bekannt?

Zwei Wochen nach dem Verschwinden des Journalisten Jamal Khashoggi ist unklar, was mit ihm passiert ist. Alles deutet auf den Tod des 60-Jährigen hin. Wurde er von saudischen Killern ermordet? Der Stand der Dinge im Überblick.

Botschaft Saudi Arabien in Istanbul

Tatort saudische Botschaft? Konsulatsmitarbeiter vor der Vertretung in Istanbul

Getty Images

Was ist über das Schicksal des Journalisten Jamal Khashoggi bekannt?

Sicher ist bislang nur: Am 2. Oktober hat Jamal Khashoggi das Konsulat seines Heimatlandes Saudi-Arabien in Istanbul gegen halb zwei am Mittag betreten, um Papiere für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen – die hatte vor der Tür auf seine Rückkehr gewartet. Vergeblich. Seitdem ist er verschwunden.

Wer ist Khashoggi?

Jamal Khashoggi (der in der deutschen Transkription auch Dschamel Chaschukdschi geschrieben wird) ist in Saudi-Arabien ein bekannter Journalist, der unter anderem über den Aufstieg von Osama bin Laden berichtet hat. Der 60-Jährige aus Medina hatte ein Zeit lang die Regierung des Königtums beraten, bis er jedoch in Ungnade fiel. 2017 ging er ins Exil in die USA und arbeitete dort für die "Washington Post". In seiner monatlich erscheinenden Kolumne kritisierte er öfter den Kronprinzen des Wüstenstaats, Mohammed bin Salman.

Ist Khashoggi tatsächlich tot und/oder ermordet worden?

Davon ist wohl auszugehen. Nach seinem Verschwinden in der saudischen Botschaft kamen zunächst Gerüchte auf, der Journalist würde dort festgehalten werden. Wenige Tage später berichteten mehrere Medien unter Berufung auf türkische Ermittler, dass der 60-Jährige im Konsulat ermordet worden sei. Angeblich liegen Aufnahmen von Khashoggis Smartwatch vor, aus denen hervorgehe, dass er erst gefoltert, dann enthauptet und seine Leiche zerstückelt wurde. Sämtliche dieser Information stammen allein aus türkischen Quellen, Beweise für den Tod oder einer Ermordung gibt es bislang nicht. Saudi-Arabien bestreitet die Vorwürfe, kann aber auch nicht belegen, dass der Regierungskritiker das Konsulatsgebäude lebend wieder verlassen hat.

Was soll sich in Istanbul genau abgespielt haben?

  • Mittags, um 13.30 Uhr ist Jamal Khashoggi in der saudischen Botschaft erschienen, um Papiere für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten Verlobte Hatice C. abzuholen. Die hatte währenddessen vor der Tür gewartet – doch der Journalist kehrte nach Stunden nicht zurück. Vor Betreten des Hauses habe er ihr seine Telefone gegeben. Im Falle seines Verschwindens soll sie einen Berater des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan anrufen.
  • Am nächsten Tag hieß es, es gebe zwar Videoaufnahmen, wie er das Konsulat betritt, aber nicht, wie er es wieder verlässt. Die türkische Zeitung "Yeni Safak" berichtet unter Berufung auf eine angebliche Audioaufnahme von dem Geschehen, saudiarabische Agenten hätten dem regierungskritischen Journalisten während eines Verhörs die Finger abgeschnitten und ihn enthauptet.
  • Türkische Medien berichten zudem von 15 Saudis, die etwa zwei Stunden nach Khashoggis Eintreffen in der Botschaft per Privatjet nach Istanbul gereist und bei der Passkontrolle aufgenommen worden waren. Polizei-Überwachungskamera zeigen, wie sie später zur knapp 500 Meter von der saudischen Botschaft entfernten Residenz des Konsuls gebracht wurden.

Wer ist für die mutmaßliche Tat verantwortlich?

Diese Frage weitet sich derzeit zu einem weltweiten Politikum aus. Die Saudis weisen bislang jede Schuld von sich. Auf der Tonaufnahme aus dem Konsulat soll zu hören sein, wie der saudiarabische Konsul Mohammed al Otabi sagt: "Macht das draußen, ihr werdet mir Probleme bereiten." Die Türkei hat das Konsulat sowie die Residenz des saudischen Botschafters untersucht und war nach eigenen Angaben dabei auf "sichere Beweise" für einen Mord gestoßen. Unter anderem ist die Rede von "giftigen Substanzen".

US-Medien berichteten, Saudi-Arabien bereite eine Erklärung vor, in der es unter anderem heißt, ein Verhör mit Khashoggi sei schiefgegangen. Dem Plan zufolge sollte er entführt, aber nicht getötet werden. Mit dem Einräumen einer Teilschuld wollen die Saudis den Druck auf sie etwas abmildern.

Wie reagieren die mit Saudi-Arabien verbündeten Staaten?

Außer den USA, die sich früh in den Fall eingeschaltet haben, verlangen auch die G7-Staaten Aufklärung. "Wir wollen wissen, was da geschehen ist", sagte etwa Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD). Donald Trump hatte zuletzt seinen Außenminister Mike Pompeo in die saudiarabische Hauptstadt geschickt. Dort habe ihm Kronprinz Mohammed bin Salman eine "vollständige" Untersuchung zugesichert, Antworten zu dem Fall werde die saudiarabische Führung bereits "in Kürze" liefern.

Der US-Präsident hatte sich nach anfänglichen harten Tönen gegenüber dem Königreich schnell milde gezeigt. Nach einen Telefonat mit König Salman sagte Trump: "Er sagte mir sehr entschieden, dass sie von nichts wussten." Es habe sich für ihn so angehört, als könnten "vielleicht skrupellose Killer" am Werk gewesen sein. Wer weiß?" Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten US-Verbündeten im Vorgehen gegen den Iran und außerdem ein massiver Abnehmer von US-Rüstungsprodukten.

nik mit DPA/AFP