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Diplomatischer Konflikt: Das ecuadorianische Asyl für Julian Assange sorgt für Streit

OAS beruft wegen der Auseinandersetzung um Assange-Asyl eine Dinglichkeitssitzung ein. Die Außenminister der Amerikanischen Staaten sollen den Zwist zwischen Großbritannien und Ecuador lösen.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wird am kommenden Freitag über den Streit zwischen London und Quito wegen des diplomatischen Asyls für Wikileaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in Großbritannien beraten. Für die Dringlichkeitssitzung der Außenminister sprachen sich an diesem Freitag in Washington 23 OAS-Staaten aus. Dagegen stimmten die USA, Kanada sowie Trinidad und Tobago. Ecuador hatte Assange, der sich vor Wochen in die Botschaft geflüchtet hatte, diplomatisches Asyl gewährt.

Der Fall Assange war am Donnerstag zu einem diplomatischen Streit zwischen Ecuador, Großbritannien und Schweden ausgeartet. Ecuadors Außenminister Ricardo Patiño bezichtigte Großbritannien, es habe gedroht, die Botschaft des südamerikanischen Landes zu stürmen. Sein britischer Amtskollege William Hague sagte, eine solche Drohung gebe es nicht. Großbritannien müsse aber seine internationalen Verpflichtungen erfüllen.

Vorwurf der Vergewaltigung und des Geheimnisverrats

Der Gründer der Internet-Enthüllungsplattform, gegen den aus Schweden ein EU-weiter Haftbefehl wegen Sexualdelikten vorliegt, sollte nach Skandinavien ausgeliefert werden. Assange bestreitet die Vorwürfe der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung und vermutet ein Komplott. Der Australier befürchtet vielmehr, er könne von Schweden in die USA abgeschoben werden, wo ihm lebenslange Haft wegen Geheimnisverrats drohen könnte.

Die von Assange maßgeblich betriebene Plattform Wikileaks hatte unzählige vertrauliche diplomatische Depeschen aus den USA veröffentlicht, die Einblicke in die US-Außenpolitik und in den Umgang mit den Kriegen im Irak und in Afghanistan gewähren. Die Quelle der Informationen, der US-Soldat Bradley Mannings, sitzt in den USA nach Angaben von Assange seit 800 Tagen in Militärhaft.

Assange hatte in Großbritannien in einem anderthalbjährigen Prozessmarathon versucht, die Auslieferung gerichtlich zu verhindern. Nach erfolglosem Ausschöpfen des gesamten Instanzenweges hatte er sich in die ecuadorianische Botschaft geflüchtet.

ivi/DPA / DPA