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Empathie? Hä?: Donald Trump, der Menschen-Nichtversteher

Der ruppige Umgang von Donald Trump mit den Hinterbliebenen von Gefallenen ist keine Überraschung. Der Vorfall veranschaulicht einmal mehr, dass dem US-Präsidenten offenbar eine wichtige Eigenschaft abgeht.

Donald Trump, der Menschen-Nichtversteher

Auch der ruppige Umgang mit den Hinterbliebenen von gefallenen US-Soldaten zeigt: Donald Trump kann nicht so gut mit Menschen

Es gibt dieser Tage kaum ein anderes Thema im Zusammenhang mit Donald Trump zu lesen. Die Krise mit Nordkorea, der Iran-Deal, sogar der erbitterter Streit um "Obamacare" sind nach Schlagzeilen wie diesen in den Hintergrund gerückt: "Sein Umgang mit den Hinterbliebenen erregt die Nation" oder "Donald Trump soll rüde mit Soldaten-Witwe umgesprungen sein". Was ist passiert?

Kurz: Donald Trump war einmal mehr Donald Trump, der Menschen-Nichtversteher. Und wieder einmal in einer sehr unpassenden Situation. Und es ist nicht das erste Mal, dass der US-Präsident zeigt, wie ihm eine wichtige Eigenschaft abgeht: Empathie.

Donald Trump, "auf seine Weise"

Das neueste Kapitel um Trumps spröde Gefühlswelt begann mit einem Einsatz im Niger. Am 4. Oktober waren dabei vier US-Soldaten ums Leben gekommen. Trump wurde im Rosengarten von Reportern gefragt, ob er sich mittlerweile - zwölf Tage später - bei den Hinterbliebenen der Gefallenen gemeldet habe. Trump: wich aus. Er werde das zu gegebener Zeit tun. Und griff dann seine Vorgänger an. Fehler? Wurden nicht eingestanden. Es sind immer die anderen.

Was folgte, war nicht nur die bitterböse Replik seiner Amtsvorgänger sondern auch ein Strudel aus unliebsamen Medienberichten - in Trumps Kosmos bekanntlich "Fake News". Eine davon: Die demokratische Abgeordnete Wilson hatte von dem Telefonat Trumps mit der Witwe des getöteten 25-jährigen Soldaten La David Johnson berichtet. Demnach sagte Trump der Witwe, ihr Mann habe sicherlich "gewusst, worauf er sich einließ, als er sich verpflichtete". "Aber ich vermute, es tut trotzdem weh." Die Mutter des getöteten Soldaten warf dem US-Präsidenten daraufhin vor, sich gegenüber ihrem Sohn und der Familie "respektlos verhalten" zu haben. Trump wies den Vorwurf des ruppigen Umgang zurück.

Stabschef John Kelly, dessen Sohn ebenfalls bei einem Einsatz getötet wurde, springt dem Präsidenten nun zur Seite. Der Präsident habe der Soldatenwitwe "auf seine Weise" sagen wollen, dass ihr Ehemann ein "mutiger Mann" gewesen sei, ein "gefallener Held", der gewusst habe, worauf er sich als Soldat einlasse, und der zum Zeitpunkt seines Todes dort gewesen sei, wo er habe sein wollen. 

Ist Trump im Umgang mit Mitmenschen einfach nur ungeschickt? Oder ist der US-Präsident mitunter emotional zubetoniert? Dieser Verdacht liegt nahe, immerhin ist die schräge Wortwahl von Donald Trump kein Einzelfall. 

Einfach amazing, dieses Holocaust-Denkmal!

Im Mai reiste der US-Präsident nach Israel, Jerusalem. Er besuchte Yad Vaschem, eine Gedenkstätte für ermordete Juden. Und schrieb ins Gästebuch: "Es ist eine große Ehre, mit all' meinen Freunden hier zu sein. So großartig. Ich werde es niemals vergessen!" So großartig, so amazing, wie Trump schrieb - "wie es andere in Bezug auf Sportplätze und Jahrmärkte tun", spottete die "Zeit". Es war eine emotionale Bankrotterklärung des US-Präsidenten.

Vor allem, wenn man Trumps Worte mit denen seines Amtsvorgängers, Barack Obama, vergleicht. Ein Auszug: "Ich bin Yad Vashem dankbar und allen, die für diese bemerkenswerte Einrichtung verantwortlich sind. (...) Mögen wir uns an jene, die zugrunde gingen, nicht als Opfer erinnern, sondern als Individuen, die wie wir gehofft, geliebt und geträumt haben, und die zu Symbolen des menschlichen Geistes geworden sind."

Der renommierte Politikwissenschaftler und Autor Ian Bremmer sprach für viele, als er den Unterschied beider Texte via Twitter und Facebook in einem einzigen Satz kommentierte: "Das macht mich traurig."

Terroristen, oder evil Loser?

Nur wenige Stunden zuvor gab es nach einem Konzert der Popsängerin Ariana Grande in Manchester (Großbritannien) den Anschlag eines Selbstmordattentäters. Dabei kamen 23 Menschen, darunter der Attentäter selbst, ums Leben. Auch Staats- und Regierungschefs bekundeten ihre Trauer und Anteilnahme, bekräftigten den gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus. So auch Donald Trump. Der aber nicht von Terroristen sprechen wollte - sondern von "evil losers". Denn das seien sie, und keine "Monster" - an diesem Begriff könnten die "evil losers" ja Gefallen finden.

Was Trump vermutlich als demonstrative Degradierung von Terroristen erdacht hatte, schlug vielen auf den Magen. Immerhin: Eigentlich verharmloste der US-Präsident die Brutalität des Vorfalls, unterschied zwischen Gewinner- und Verlierertypen. Das war keine präsidiale Leistung. Vor allem keine emotionale. Das war Donald Trump, der Geschäftsmann. 

Donald Trump, ein ungelenker Lenker

Im September besuchte Donald Trump den Militärflugplatz Joint Air Base Andres in Maryland. Seine Frau, Melania Trump, hielt eingangs eine Rede. Und kündigte ihren Mann an. Doch mit einem Kuss, wenigstens auf die Wange, oder einer simplen Umarmung, konnte Trump nicht dienen. Er begrüßte die US-First-Lady mit einem unterkühlten Handschlag. Und schickte sie mit einem wenig liebevollen "Geh und setz dich hin!" von der Bühne. 

Rede in Maryland: "Geh und setz dich hin!" - die skurrile Begrüßung der Trumps

Überhaupt muss es ein US-Präsident erst einmal in die internationalen Schlagzeilen schaffen, weil sein Handschlag so ungelenk daherkommt. So konstatierte der britische "Guardian" ein regelrechtes "Handshake-Battle", als Trump erstmals auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron traf. Mit dem tätscheln, ziehen und regelrechten Ringen sah sich auch Japans Ministerpräsident Shinzo Abe konfrontiert - der sich nach der ungelenken Begrüßung erleichtert in den Sessel fallen ließ.

Besuch von Japans Ministerpräsident: Trumps komischer Händedruck mit Shinzo Abe wird zum viralen Hit

Die körperbetonten Begrüßungen seien "Signale der Unsicherheit", erklärte Körpersprache-Experte Stefan Verra dem stern, "die er mit Körperkontakt zu kompensieren versucht." Darüber hinaus wolle er Dominanz ausstrahlen, obwohl er selbst "über wenig natürliche Dominanz" verfüge. "Trump ist körpersprachlich nicht besonders talentiert." 

Im Umgang mit (Mit-)Menschen offenbar auch nicht.

Mit Material der DPA und AFP / DPA