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USA und das Coronavirus: Gesundheitsteam gefeuert, Coronavirus verharmlost – wie Trump als Krisenmanager strauchelt

Die US-Börsen sind im freien Fall. Die Schuld dafür gibt Donald Trump allen, bloß nicht dem Coronavirus: den Demokraten, Boeing oder der US-Notenbank. Dabei sind die USA dank ihm auf keine Epidemie vorbereitet. 

Donald Trump steht nun vor der ersten großen Krise seiner Regierungszeit 

Das Coronavirus macht auch vor den USA nicht halt. Donald Trump steht nun vor der ersten großen Krise seiner Regierungszeit 

DPA

Die USA waren bestens vorbereitet. Präsident Obama hatte ein Team zur Bekämpfung von Epidemien im Nationalen Sicherheitsrat geschaffen. Im Ministerium für Heimatschutz gab es genug Experten. Die Budgets für das Gesundheitsministerium und die Fachbehörde CDC – Centers for Disease Control and Prevention – waren aufgestockt worden.

Doch dann entschied das Weiße Haus vor zwei Jahren, dass man die Experten nicht mehr braucht. Dass Budgets gekürzt werden. Es löste das für globale Krisen zuständige Gesundheitsteam einfach auf.

Ein schwerwiegender Fehler, sagen die Kritiker jetzt.

Ein Fehler? Präsident Trump hört die Frage nicht gern. Er findet, die USA seien weiterhin die Nummer 1 auf dem Gebiet. Er sagt, er bereue die Kürzungen nicht. Die Expertise und die finanziellen Mittel könne man jederzeit wiederherstellen.

Donald Trump denkt in Zahlen 

Die Experten selber sehen das anders. Jahrelang haben sie gewarnt, dass die USA auf eine Epidemie schlecht vorbereitet ist. "Du baust die Feuerwehr Jahre vorher auf, du wartest nicht auf das Feuer", argumentiert etwa Tom Inglesby, Leiter des Johns Hopkins Center for Health Security. "Es wird unterschätzt, wie viel Zeit und Mittel man braucht, um ein Krisensystem auszubauen."

Trump mag die Behörden in Washington nicht. Er hat Angst vor dem "Deep State", einem Behördenkomplott, einer Art Schattenregierung, die ihn behindere. Sein aktueller Haushaltsentwurf sieht vor, die Budgets für Gesundheit drastisch zu kürzen. Für ihn sind die Behörden aufgeblasen, zum Teil überflüssig.

Er denkt vor allem in Zahlen: Italien hat mehr Fälle als die USA, rechnet er vor, Südkorea hat mehr Fälle, China sowieso. Den USA gehe es noch gut. Die USA reduzierten die Fälle gerade, rechnet er vor, von 14 auf 5, vielleicht auf 0. Vielleicht werde es schlimmer, wahrscheinlich nicht, spekuliert er, man werde sehen.

Schlimmster Crash an der Börse seit 2008

Man sieht diesen Präsidenten auf der Pressekonferenz und fragt sich: Wer hat ihn bloß informiert? Was weiß er? Warum schlingert er so – in Zeiten, da die Bevölkerung Anleitungen braucht, Sicherheit?

Trump denkt in Zahlen, vor allem interessiert ihn der Aktienmarkt und die Arbeitslosenrate, er schwärmt von der besten Wirtschaft seit 50 Jahren. Nun aber erleben die USA den schlimmsten Crash an der Börse seit der Finanzkrise 2008. Der Donnerstag war der schlimmste Tagesabsturz des Index S&P 500 seit 2011: 4,4 Prozent.

Konferenzen werden abgesagt, Büros werden geschlossen, eine Reihe von großen Unternehmen haben angekündigt, dass das Virus ihre Einnahmen für 2020 gefährde, darunter so unterschiedliche wie das Pharmaunternehmen Pfizer, United Airlines, die Großbrauerei Anheuser-Busch Inbev, Google und Mastercard.

Aber die Schuld tragen die Demokraten, findet Trump. Die Investoren hätten Angst vor einem Wahlsieg der Demokraten, sagt er auf der Pressekonferenz zum Coronavirus.

Und Schuld hätten auch Boeing, ein Streik bei General Motors und vor allem die US-Notenbank, die den Leitzins nicht senke. "Die US-Notenbank tut uns sehr, sehr weh", sagt Trump.

Demokraten wittern ihre Chance 

Inzwischen hat seine Regierung die dritte Leiterin in der Bekämpfung der Gesundheitskrise ernannt. Zunächst den Gesundheitsminister Alex Azar, einen ehemaligen Pharma-Manager. Dann Vizepräsidenten Mike Pence, wovon der Gesundheitsminister, völlig überrascht, erst Minuten vorher erfuhr. Dann die Leiterin im Kampf gegen HIV, Deborah Birx, die jetzt "White House Coronavirus Response Coordinator" ist.

Nach einer guten Koordinierung sah das nicht aus.

Im Wahljahr kann das Folgen haben für Trump. Die Demokraten attackieren ihn schon seit Beginn des Ausbruchs. Das Team um Joe Biden kritisiert, dass die Regierung gerade bei Null beginnt: "Krisenbewältigung ist nicht wie Uber fahren. Man macht das nicht zwei Stunden am Tag." Bernie Sanders kritisiert, dass Vizepräsident Pence, ein evangelikaler Christ, die Krisen in solchen Situationen "wegbeten" wolle wie in der Vergangenheit als Gouverneur des Staates Indiana.

Da ist auch Polemik im Spiel. Pence ist zwar ein evangelikaler Christ, der betet. Es gibt aber keine Anzeichen, dass Pence Krisen wegbeten will. Jedoch gibt es Anzeichen, dass er beim Ausbruch von HIV-Infektionen in Indiana zu spät handelte.

In jedem Fall hat das Coronavirus den Wahlkampf erreicht, und für Trump geht es jetzt zum ersten Mal im Amt um echte Krisenbewältigung. Bei George W. Bush waren es die Terrorangriffe des 11. September, die Kriege im Irak und in Afghanistan und Hurrikan Katrina. Bei Obama die Finanzkrise. Trump hatte bisher keine große Krise zu bewältigen. Die Fragen jetzt lauten: Wie ist er als Krisenmanager? Wie gut informiert er die Bürger? Wie kompetent zeigt er sich? Wie wissbegierig? Kann er delegieren?

US-Präsident: Coronavirus: Trump sieht "keinen Grund zur Panik"

Wie unprofessionell das Vorgehen der Regierung war, meldete jetzt ein Whistleblower. Ein Team staatlicher Gesundheitsexperten hätte sich den aus Asien evakuierten Amerikanern in Kalifornien ohne Schutzkleidung genähert und danach normale Flüge genommen.

Der Whistleblower, so meldeten es die Demokraten, sei nun Vergeltungsaktionen der Regierung ausgesetzt. Für Trump war dessen Geschichte nur ein Beispiel des "Deep State". Für die Demokraten ein Beispiel von Inkompetenz und Einschüchterungen.

Amerika in Zeiten von COVID-19.

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