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Rennen um die Präsidentschaft: Warum eine drohende Rezession Trump die Wiederwahl kosten könnte

Auf die US-Wirtschaft könnten unruhige Zeiten zukommen. Es mehren sich die Anzeichen einer möglichen Rezession. Für Donald Trump könnte das unangenehme Konesquenzen haben – wie die Geschichte lehrt.

US-Präsident Donald Trump

Seine Hoffnungen auf eine Wiederwahl stützen sich vor allem auf eine starke Wirtschaft: US-Präsident Donald Trump

DPA

Donald Trump verkauft sich regelmäßig als Architekt einer historisch boomenden US-Konjunktur: "Die Trump-Wirtschaft liefert unglaubliche Ergebnisse", schrieb er noch am Dienstag auf Twitter. Auch die Hoffnungen des Präsidenten auf seine Wiederwahl im November 2020 stützen sich überwiegend auf die gute ökonomische Lage. So prahlte er vor drei Wochen: Angesichts "der großartigsten Wirtschaft in der US-Geschichte" könne er "AUF KEINEN FALL" das Rennen um die Präsidentschaft verlieren.

Doch so sicher sollte Trump sich da nicht sein. Zwar sind die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft nach wie vor solide, nachdem über zwei Präsidentschaften hinweg neue Arbeitsplätze und nachhaltiges Wachstum generiert wurden. Dennoch mehren sich die Anzeichen für eine anstehende Rezession. Diese liegt vor, wenn die Wirtschaft zwei Quartale in Folge und im Vergleich zum Vorjahr nicht wächst oder sogar einen Rückgang verzeichnet. 

Vor allem der Handelsstreit mit China, aber auch die schwächelnde Wirtschaft in Deutschland, der Brexit, die Unruhen in Hongkong mit der Angst vor einer chinesischen Intervention sowie die Auseinandersetzungen mit dem Iran setzen die Wall Street unter Druck. Am Mittwoch fiel der Dow Jones Index, das wichtigste Kursbarometer der USA, um satte 3,05 Prozent.

Amtsvorgänger als Mahnung für Donald Trump

Akuter Auslöser dafür waren offenbar schlechte Nachrichten vom Anleihemarkt. Erstmals seit zwölf Jahren war bei US-Renten vorübergehend eine "inverse Zinskurve" zu beobachten, bei der langfristige Anleihen niedriger verzinst werden als kurzfristige. "In der Vergangenheit war dies oftmals ein Vorbote für eine baldige Rezession", kommentierte ein Analyst der NordLB die Lage. Auch die US-Zentralbank Fed hatte Ende Juli auf eine mögliche Konjunkturabkühlung verwiesen und deshalb erstmals seit der Finanzkrise 2007 und 2008 den Leitzins abgesenkt.

US-Präsident Donald Trump schüttelt dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

Die politischen Auswirkungen einer schrumpfenden Wirtschaft können enorm sein. Vor allem Donald Trump sollte das zu denken geben, wie die "Washington Post" mit einem Rückblick in die US-Geschichte zeigt:

  • Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 wurde nur ein Präsident wiedergewählt, bei dem in den letzten beiden Kalenderjahren seiner ersten Amtszeit eine Rezession auftrat: William McKinley im Jahr 1900.
  • Seit McKinley haben alle vier Präsidenten, die trotz einer solchen Rezession für eine Wiederwahl kandidiert haben, verloren: William Taft, Herbert Hoover, Jimmy Carter und George H.W. Bush.
  • Im Laufe der gleichen Zeitspanne haben alle zehn Präsidenten, die sich ohne eine derartige Rezession um eine Wiederwahl bemüht haben, gewonnen: Woodrow Wilson, Franklin D. Roosevelt (drei Mal), Dwight D. Eisenhower, Richard M. Nixon, Ronald Reagan, Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama.
  • Wenn man alle Präsidentschaftswahlen einbezieht (auch die, bei denen kein Amtsinhaber kandidierte), hat die regierende Partei 13 der letzten 19 Wahlkämpfe verloren, in denen es eine solche Rezession gab.
  • Von den letzten 21 Präsidentschaftswahlkämpfen ohne eine derartige Rezession hat die Partei des Präsidenten 16 gewonnen.

Der Lobbyist und Berater der republikanischen Partei, Bruce Mehlman, hat in zwei Listen veranschaulicht, wie Rezessionen in der Vergangenheit den Wahlerfolg von Amtsinhabern beeinflusst haben:

Rezession in den zwei Jahren vor der Wahl

Rezession?Präsident (Jahr) Wiedergewählt?
JaGeorge H. W. Bush (1992)Nein
JaJimmy Carter (1980)Nein
JaGerald Ford (1976)Nein
JaHerbert Hoover (1932)Nein
JaCalvin Coolidge (1924)Ja
JaWilliam Howard Taft (1912)Nein

Keine Rezession in den zwei Jahren vor der Wahl

Rezession?Präsident (Jahr)Wiedergewählt?
NeinBarack Obama (2012)Ja
NeinGeroge W. Bush (2004)Ja
NeinBill Clinton (1996)Ja
NeinRonald Reagan (1984)Ja
NeinRichard Nixon (1972)Ja
NeinLyndon B. Johnson (1964)Ja
NeinDwight D. Eisenhower (1956)Ja
NeinHarry Truman (1948)Ja
NeinFranklin D. Roosevelt (1944)Ja
NeinFranklin D. Roosevelt (1940)Ja
NeinFranklin D. Roosevelt (1936)Ja
NeinWoodrow Wilson (1916)Ja

Vergleiche können hinken. Und bei den Erfolgen und Misserfolgen der Amtsvorgänger von Donald Trump haben neben dem Zustand der Wirtschaft auch jede Menge andere Faktoren eine Rolle gespielt. Dennoch sollte der Blick in die Vergangenheit eine Mahnung für den Präsidenten sein. Schon seit seinem Amtsantritt 2017 kämpft der 73-Jährige mit negativen Zustimmungswerten – trotz starker Wirtschaft und niedriger Arbeitslosigkeit. Sollte die Konjunktur tatsächlich einbrechen, dürfte auch seine Beliebtheitskurve kräftig nach unten gehen. Und eines steht – auch angesichts des knappen Wahlausgangs von 2016 – außer Frage. Will Trump wiedergewählt werden, kann er es sich nicht leisten, Unterstützer zu verlieren.

Quellen: "Washington Post"Donald Trump und Bruce Mehlman auf Twitter, Politico, CNN