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Unterdrückung von Fakten: Wissenschaft im Widerstand - so tricksen US-Forscher die Trump-Regierung aus

Die Trump-Regierung hat schon vorgeführt, wie man mittels "alternativer Fakten" verunsichert. Doch nun hat die Administration zudem damit begonnen, Fakten und Meinungen zu unterdrücken. Wie häufig unter autoritären Führungen trifft es als erstes die Wissenschaft. Die setzt sich zur Wehr.

Über dem Weißen Haus weht ein Greenpeace-Banner des Widerstands gegen Donald Trump - Aufschrift: Resist

"Resist": Dem Greenpeace-Protest über dem Weißen Haus folgen bereits viele US-Wissenschaftler. Präsident Donald Trump hat angeordnet, dass alle Studien über den Klimawandel ohne politische Überprüfung nicht veröffentlicht werden dürfen.

Als Greenpeace-Aktivisten es am Mittwoch schafften, an einem Baukran unweit des Weißen Hauses ein riesiges Transparent mit der Aufschrift "Resist" ("Widerstehen") aufzuhängen, war das mehr als eine gelungene "Foto Bomb". Im Schatten der Aufreger-Themen Mexiko-Mauer und angebliche Wahlfälschung hat die Regierung des neuen Präsidenten Donald Trump damit begonnen, die Meinungsfreiheit einzuschränken und unliebsame Fakten zu unterdrücken. Am Mittwochmittag schließlich ging die Eilmeldung um die Welt, dass die Trump-Administration die staatliche Umweltbehörde EPA angewiesen hat, wissenschaftliche Studien und Daten einer Überprüfung durch "politisches Personal" zu unterziehen, ehe sie veröffentlicht werden dürfen. Ein Angriff auf die Unabhängigkeit der Forschung. 

Worauf die Order in erster Linie zielt, ist klar: Wissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel sind lästig und hinderlich für "America first" und die "Deals", die Donald Trump zu seinem politischen Programm gemacht hat. Ohne Rücksicht auf etwaige Folgen für das Klima lassen sich viele Projekte viel leichter und schneller verwirklichen. Doch selbst unabhängig davon, wie man die globale Erwärmung und den Anteil des Menschen daran beurteilt, steht die Order zumindest im Konflikt mit der US-Verfassung. Die garantiert zwar - anders als das deutsche Grundgesetz - nicht ausdrücklich die Freiheit von Forschung und Wissenschaft, dafür aber neben Presse- und Religionsfreiheit unmissverständlich die Meinungs- und die Redefreiheit. Bislang konnte sich auch die Wissenschaft des Landes darauf berufen und hat es nicht zuletzt deshalb zu Weltruhm und zahllosen Nobelpreisen gebracht. Dass dies nun offenbar nicht mehr gelten soll, dagegen setzen sich die Wissenschaftler bereits massiv zur Wehr.


Klima-Fakten werden über soziale Medien verbreitet

Etliche US-Einrichtungen, die sich mit der Umwelt und dem Klima befassen, sind dazu übergegangen, über die sozialen Medien intensiv Informationen über den Klimawandel zu verbreiten. Schwung erhielten diese Aktivitäten nicht zuletzt dadurch, dass vom Twitter-Account des Badlands National Park drei, wie es heißt, von einem ehemaligen Mitarbeiter mit aktivem Zugang gepostete Tweets verschwanden, die über aktuelle Klima-Erkenntnisse informierten. Wie viele andere machte der "New York Times"-Journalist Eric Lipton die Tweets wieder öffentlich:


Die enorme Vergiftung der Ozeane, der Rekordwert an Kohlendioxid in der Atmosphäre, vor allem der Anstieg im Vergleich zur vorindustriellen Zeit - alles Hinweise, die die Trump-Regierung nicht mehr veröffentlicht sehen will.

Seit die Tweets gelöscht wurden, steht der Twitter-Account, auf dem zuvor mehrmals täglich Wissenwertes veröffentlicht wurde, still. Seit rund zwei Tagen ist dort stattdessen ein (vorerst) letzter Tweet mit der sarkastischen Aufforderung zu lesen, doch unter das Bild zu schreiben, was immer man wolle:


"Können es nicht erwarten, als Fake News zu gelten"

Ebenso still steht seit zwei Tagen der Twitter-Account des Dachverbandes "National Park Service". Stattdessen wird seither ein offenbar bereits seit Mai 2015 existierender Account als alternatives Sprachrohr genutzt, um gegen die Maßnahmen der Trump-Regierung zu protestieren. "Wir können es nicht erwarten bis Präsident Trump uns Fake News nennt. Ihr könnt unser offizielles Twitter übernehmen, aber Ihr könnt uns nicht unsere freie Zeit nehmen", heißt es in einem angehefteten Tweet:


Die Kampagne des selbst ernannten "inoffiziellen 'Widerstands'-Teams des U.S. National Park Service" macht den Eindruck, als ob sie von Bediensteten der Behörden in ihrer Freizeit betrieben wird - nicht ohne das Risiko, den Job zu verlieren. Gegenüber der "Washington Post" und "Slate" wollten sie daher ihre Identität nicht preisgeben:


Inzwischen haben die Account-Betreiber mitgeteilt, dass sie den Kanal zum Schutz aller Kollegen in Regierungsdiensten einer Gruppe von Menschen übergeben hätten, die unabhängig seien. Dabei soll es sich um Leute mit wissenschaftlichem Hintergrund aus verschiedenen Ländern handeln. Auch Journalisten sollen darunter sein.


Viele Informationen über nicht authorisierte Kanäle

"Schurken-Accounts" wie der unautorisierte Ableger des Twitter-Kanals des National Park Services haben sich inzwischen in großer Zahl ausgebreitet. Es zeigt, wie sehr sich die Wissenschafts-Szene und ihre Unterstützer unter Druck fühlen. "Rogue Twitter-Accounts sind ein Spaß", heißt es in einem Tweet auf @RogueNASA, "doch Regierungsangestellte haben große Angst, gefeuert zu werden, wenn sie Fakten aussprechen oder teilen".


Der nicht autorisierte Ableger der Raumfahrtagentur, die selbst dazu übergegangen ist, anhand von Bildern aus dem All den Klimawandel anschaulich zu machen, ruft an anderer Stelle jeden dazu auf, der etwas Zeit entbehren kann, so viele Seiten der Internet-Auftritte der Nasa und der Umweltagentur EPA wie möglich zu archivieren. Was die Klima-Pages des EPA-Webauftritts betrifft, scheint das dringend nötig. Wie zwei Mitarbeiter der Behörde der Nachrichtenagentur Reuters berichtet haben, will Donald Trump diese Seiten schon bald schließen lassen (bisher sind sie noch online). Die Arbeit von Jahren und zahllose Informationen für die Öffentlichkeit würden einfach verschwinden.

Dass die EPA nach der Amtsübernahme eines Präsidenten umgebaut wird, gilt als normaler Vorgang. Doch selbst der von der Trump-Administration eingesetzte Übergangs-Chef Myron Ebell sagte der "Washington Post", dass die Maßnahmen diesmal umfassender seien als üblich. Nach seiner Vermutung würden einige Internet-Seiten zwar geschlossen, die Informationen würden jedoch nicht verloren gehen.

Wissenschaftler-Marsch gegen Donald Trump

Mit einem Marsch auf Washington wollen die Wissenschaftler ihrem Protest gegen die Politik von Donald Trump Nachdruck verleihen. Wann genau der Marsch in der Hauptstadt und vielen weiteren Städten der USA stattfinden soll, steht noch nicht fest. Nach den Vorstellungen der Veranstalter soll er gleichzeitig Höhe- und Startpunkt einer anhaltenden Bewegung sein. Finanzierung zu behindern und Wissenschaftler darin zu beschränken, ihre - noch dazu mit Steuermitteln erzielten - Erkenntnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen, sei absurd und dürfte nicht als gängige Politik gelten, heißt es auf der Web-Seite des "Science March on Washington". "Eine amerikanische Regierung, die Wissenschaft ignoriert, um eine ideologische Agenda zu verfolgen, gefährdet die Welt."