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Spionin auf Mar-a-Lago?: Donald-Trump-Anwesen: Was wollte die Chinesin mit den zwei Pässen und dem verseuchten USB-Stick?

Mit Tausenden von Dollar, zwei Pässen und einem virenverseuchten USB-Stick hat eine Chinesin versucht, auf Donald Trumps Anwesen in Florida zu gelangen. Nun hat die 32-Jährige ausgesagt - und noch ratlosere US-Ermittler zurückgelassen.

Donald Trump Anwesen Mar a Lago

Wie geschaffen für Auslandsspionage? Donald Trumps Anwesen Mar-a-Lago

AFP

In Handschellen und blauer Gefängnisuniform erschien Yu Jing Chang vor Gericht. Mitgenommen, aber konzentriert habe sie gewirkt, notiert der Sender CNN und ihre Anhörung ungewöhnlich lange gedauert. Aber der Fall Chang an sich ist auch höchst ungewöhnlich: Eine Chinesin, die sich in das Anwesen des US-Präsidenten in Florida einschmuggelt und dabei nicht nur große Mengen Bargeld bei sich hat, sondern auch einen virenverseuchten USB-Stick sowie ein Gerät, um versteckte Kameras aufzuspüren. Ist das alles nur ein Versehen? Die US-Staatsanwaltschaft geht nun dem Verdacht nach, Chang könnte eine Spionin sein.

Gefängnis droht ihr so oder so

Bislang wird der 32-Jährigen vorgeworfen, am 30. März Beamte des Secret Service angelogen und sich ohne Erlaubnis Zutritt zu einer Sicherheitszone verschafft zu haben. Eigentlich rechtfertigen diese Lappalien nicht die mehr als eine Woche lange Haftzeit Changs, aber die Frau hat sich eben nicht in irgendeine Hotelanlage eingeschlichen, sondern in das Anwesen von Donald Trump. Und angesichts der dubiosen Umstände wird die chinesische Staatsbürgerin vorerst auch nicht auf Kaution entlassen werden. Ganz nebenbei hat ihr die Einwanderungsbehörde das Visum entzogen, so dass sie ohnehin sofort wieder hinter Gittern landen würde.

Mar-a-Lago: Wie Trumps Luxusanwesen nach dem Klima-Gau aussähe

Was also ist an diesem Samstag vor eineinhalb Wochen passiert? Selbst wenn Chang die Wahrheit sagt, klingt ihr Ausflug nach Florida mehr als abenteuerlich. Sie sei mit einem Taxi im Mar-a-Lago angekommen, um sich mit dem Gelände vertraut zu machen, sagte ihr Anwalt vor Gericht. Ursprünglich sei ihr versprochen worden, bei einer Veranstaltung die Schwester von Donald Trump treffen zu können. 20.000 Dollar hätte sie dafür einem Promoter bezahlt, doch der Termin sei dann abgesagt worden. Beim Betreten des Geländes habe sie zunächst der Präsidentenschutzgarde Secret Service ihren Namen genannt, ihren Pass gezeigt und sich als Mitglied des Mar-a-Lago-Klubs ausgegeben. Im Pool schwimmen wollte sie demnach, ein Hotel-Mitarbeiter habe sie deshalb dann mit einem Golfcart zum eigentlichen Empfang gefahren.

Zum Baden ohne Badeanzug

Bei der Gepäckkontrolle bemerkte der Secret Service, dass sie keinen Badeanzug dabei hatte, zudem fiel ihre umfangreiche Computerausrüstung auf. Chang hätte zur Begründung gesagt, dass sie fürchte, der Rechner könne ihr aus dem Hotelzimmer gestohlen werden. Als die Beamten ihren Besitz genauer in Augenschein nahmen, staunten sie nicht schlecht: Sie fanden einen weiteren Pass, 7620 US-Dollar in bar, umgerechnet weitere 663 Dollar in chinesischer Währung, zahlreiche US-Kreditkarten sowie Girokarten, eine externe Festplatte, vier Handys, fünf Sim-Karten, sowie ein Gerät, um versteckte Elektronik aufzuspüren – dazu neun USB-Sticks, von denen einer noch einen Secret-Service-Rechner verseuchen wird.

Es stellte sich heraus, dass die 32-Jährige ein Zimmer im benachbarten Colony Hotel gemietet hatte. Laut ihres Verteidigers habe ihr ein Mann namens Charles Lee die Reise vermittelt – für 20.000 US-Dollar. Chang hat ausgesagt, dass sie über eine Chat-App Kontakt zu Charles gehabt hätte. Der habe sie von Shanghai in die USA geschickt, damit sie mit der Familie des US-Präsidenten über die chinesisch-amerikanischen Außenwirtschaftsbeziehungen sprechen soll. Doch die sogenannte Freundschaftsveranstaltung sei dann abgesagt worden. Dubios: Das FBI ermittelt derzeit gegen eine Geschäftsfrau namens Li Cindy Jang, die angebliche Treffen mit Donald Trump zum Kauf anbieten soll. Genau diese Frau hatte ursprünglich Yu Jing Chang den Termin in Mar-a-Lago angeboten, dessen Vermittlung dann von Charles Lee übernommen wurde.

Donald Trump war beim Golfen

Über sich selbst hatte Chang bei ihrer ersten Anhörung nur das Nötigste gesagt: Sie arbeite als Investorin und helfe dabei, Geschäftskontakte in die USA zu knüpfen. Zu Hause in China würde sie einen BMW fahren und ein Haus im Wert von einer Million US-Dollar ihr Eigen nennen. Auch hätte sie ein Wells-Fargo-Konto in den USA, auf dem sich ein paar Tausend Dollar befänden – offenbar jedoch deutlich weniger als bei ihr letztlich gefunden wurden, wie Staatsanwalt Rolando Garcia betont: "Sie belügt jeden, mit dem sie zu tun hat".

Der Vorfall in Mar-a-Lago befeuert erneut schon lange geäußerte Sicherheitsbedenken. Zwar war Donald Trump beim Golfen, als Chang aufs Gelände gelangte, doch bereits in der Vergangenheit konnten Hotelgäste immer wieder in unmittelbare Nähe des US-Präsidenten kommen, einige machten sogar Bilder mit ihm im Hintergrund. "Der Klub des Präsidenten ist wie geschaffen für Auslandsspionage", schreibt das US-Magazin "Vanity Fair" und zitiert Experten mit den Worten: "Einzig überraschend: Dass so ein Zwischenfall nicht schon vorher passiert ist."

Kritik von Opposition wegen Kontrollaufwand

Laut Secret Service besteht das Problem im privaten Charakter des Anwesens. Während die Sicherheitsbeamten zwar die Gäste kontrollieren dürften, sei es ihnen jedoch nicht erlaubt, Menschen den Zutritt zu verweigern. Dafür wiederum sei die Hotelleitung zuständig, was zu Sicherheitslücken führen kann. Der damit verbundene Aufwand für den Secret Service beschäftigt mittlerweile selbst die US-Opposition.

Fragen müssen sich die Personenschützer auch wegen dieser Sache mit dem verseuchten USB-Stick aus dem Besitz der Chinesin gefallen lassen. Denn nach Aussage eines Mitarbeiters wollte einer seiner Kollegen einen der kleinen Datenträger prüfen und steckte ihn in einen Rechner. Sofort habe der Computer begonnen, Dateien zu installieren, etwas so Ungewöhnliches habe er noch nie gesehen. Der Beamte will den Stick daraufhin sofort aus dem Rechner entfernt haben, heißt es in der Zeitung "Miami Herald".

Häme für USB-Panne des Secret Service

Die Panne hat viel Spott und Häme nach sich gezogen. Ein Entwickler des Antivirensoftware-Herstellers Kaspersky sagte, eine solche "USB-Hinrichtung" sei neu für ihn. Ein FBI-Überwachungsspezialist mutmaßte bei "The Daily Beast", dass da wohl jemand den Fall lösen wollte, bevor die Computerkollegen kommen. Und ein Chef der Softwaresicherheitsfirma Veracode meinte: "Man steckt keinen unbekannten USB-Stick in einen Rechner. Das weiß doch jede Mutter." Selbst der Notfallstopp des Agenten sei ein Fehler gewesen. "Aus ermittlungstechnischer Sicht hätte man den Virus laufen lassen müssen, um analysieren zu können, für was genau er gedacht war", so ein Computerforensiker. Noch am Tag von Changs Aussage wurde bekannt. dass der Direktor des Secret Service, Randolph Alles, in Kürze seinen Posten räumen werde. 

Quellen: "Vanity Fair", "Daily Beast", NBC News, "Miami Herald", "Newsweek", "Daily Mail", CNN