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Zeremonie im Weißen Haus: Trump empfängt Ersthelfer des 11. September 2001 – und würdigt sich selbst

Eigentlich sollte es um Helden des 11. September 2001 gehen: Donald Trump hat ein Gesetz unterzeichnet, das den Ersthelfern medizinische Versorgung garantiert. Dem Präsidenten ging es dabei aber vor allem um sich selbst.

Donald Trump beim Empfang von Ersthelfern des 11. September 2001 im Rosengarten des Weißen Hauses

Applaus: US-Präsident Donald Trump beim Empfang von Ersthelfern des 11. September 2001 im Rosengarten des Weißen Hauses.

AFP

US-Präsident Donald Trump hat am Montag ein Gesetz unterschrieben, das Ersthelfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 eine lebenslange medizinische Versorgung garantiert. Zur feierlichen Unterzeichnung waren rund 60 der Helfer in den Rosengarten des Weißen Hauses in Washington gekommen. Trump nutzte die Gelegenheit, um sich selbst in die Nähe dieser "außergewöhnlichen Helden" und "wahren amerikanischen Krieger" zu rücken und seine eigenen Erlebnisse nach dem Einsturz des World Trade Centers in New York zu schildern - oder vielmehr das, was er der Öffentlichkeit gern als eigene Erlebnisse verkaufen will.

Donald Trump: "Ich war auch da unten"

"Wir sind heute Morgen am Weißen Haus versammelt, um unsere feierliche Pflicht zu erfüllen gegenüber Amerikas besten, mutigsten und erlesensten Männern, die ich so gut kenne", begann der Präsident seine Würdigung der Männer und Frauen der New Yorker Feuerwehr und Polizei, um wenig später über sich und die "selbstlosen Patrioten mit unvergleichlichem Charakter und Hingabe" zu behaupten: "Ich bin mit ihnen aufgewachsen."

Tatsächlich wuchs Trump zunächst in einem 23-Zimmer-Anwesen in den Jamaica Estates auf, einer abgelegenen, bürgerlichen Gemeinde im New Yorker Stadteil Queens, und später in einem Privatinternat in der Kleinstadt Cornwall. Wie er dabei in angeblich so engen Kontak mit New Yorker Feuerwehrleuten und Polizisten gekommen sein will, bleibt sein Geheimnis.

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Trump reichte es aber nicht, sich im Licht der Helden zu sonnen, er versuchte, sich auch selbst als solcher darzustellen: Viele derer, die an Krankheiten litten, weil sie nach den Anschlägen giftigen Trümmern ausgesetzt waren, seien Feuerwehrleute, Polizisten und andere Ersthelfer gewesen, erklärte der Präsident. "Und ich war auch da unten. Aber ich betrachte mich nicht als Ersthelfer. Aber ich war da unten. Ich habe viel Zeit da unten mit Ihnen verbracht."

"Lasst uns klar sagen, was Trump hier macht", empört sich CNN-Journalist Chris Cillizza in einem Kommentar über den Präsidenten: "Er verknüpft sich selbst - sehr eng - mit den Männern und Frauen, die als erste darauf reagiert haben, dass Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon gestürzt wurden. Menschen, die aufgrund ihrer Arbeit fortdauernd unter gesundheitlichen Problemen leiden."

"Ground Zero" war hermetisch abgeriegelt

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump derartige Behauptungen über seinen Verbleib am 11. September 2001 aufstellt. Bei einer Kundgebung im Präsidentschaftswahlkampf 2016 ging der Republikaner sogar noch weiter als am Montag und erklärte: "Jeder, der geholfen hat, die Trümmer zu beseitigen - und ich war da, und ich habe es mir angesehen, und ich habe ein wenig geholfen - aber ich möchte Euch sagen: Diese Leute waren unglaublich."

Beweis für Trumps Behauptungen gibt es nicht. Die US-Internetseite Snopes, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Falschnachrichten zu entlarven, hat Feuerwehrleute und Abbruchspezialisten, die sich in den Stunden und Tagen nach den Anschlägen am "Ground Zero" befanden, dazu befragt. Das Ergebnis: Niemand konnte sich erinnern, Trump dort überhaupt gesehen zu haben. Zudem war der Präsident damals noch eine Privatperson und die Polizei hatte den Anschlagsort hermetisch abgeriegelt.

Stattdessen gibt es aber Belege für Dinge, die Donald Trump tatsächlich am Tag des Einsturzes der "Twin Towers" gemacht hat. Eines davon ist ein Telefoninterview mit dem US-Sender WWOR. Darin sagt der Immobilienmogul über eines seiner Gebäude in Manhattan: "Wall Street Nr. 40 war eigentlich das zweithöchste Gebäude in der Innenstadt von Manhattan. Und tatsächlich war es, vor dem World Trade Center, das höchste. Und dann, als sie das World Trade Center bauten, wurde es als das zweithöchste bekannt. Und jetzt ist es das höchste."

Quellen: Weißes Haus; Fox News"Business Insider"; CNN; Vox; Snopes; Twitter